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Artikel | Gesundheits-Tipp 12/2010

Geschmack aus dem Chemielabor

In den Regalen der Spielzeugläden steht ein Geschenk weit vorne: das Geschmackslotto von Sentosphere. ­Kinder sollen anhand von Bonbons den Geschmackssinn schulen. Doch sie kauen fragwürdige Chemie.

Johannisbeere, Zitronen, Kirsche – solche Früchte sollen Kinder mit dem Geschmackslotto blind herausfinden. Um «unseren Geschmackssinn zu verstehen» und ein «richtiger Feinschmecker zu werden», wie auf der Spielanleitung steht. Erhältlich ist es zum Beispiel im Franz Carl Weber in Zürich.
Doch wer denkt, es gehe beim Spielinhalt um natürliche Frucht­aromen, täuscht sich. Die kleinen Feinschmecker müssen Bonbons kauen, die mit Substanzen aus dem Labor vollgestopft sind – dar­unter Cumarin und Zimtaldehyd.
Fachleute kritisieren das Spiel massiv. Heinz Knieriemen, Nahrungsmittelexperte für Zusatzstoffe, warnt vor den beiden Aromen: «Die Produkte sind entschieden abzulehnen.» Denn Cumarin setzt die Gerinnung des Blutes herab. Das deutsche Bundesamt für Risikoforschung schreibt, der Stoff könne gar die Leber schädigen. Ein Kind, das 20 Kilo wiegt, darf maximal 2 Milligramm Cumarin pro Tag zu sich nehmen. Das entspricht gemäss Spielhersteller zehn Bonbons.
Zimtaldehyd hat ein hohes Potenzial, Allergien auszulösen. Für Carine Buhmann, Fachfrau für Ernährung beim Gesundheitstipp, sollten Kinder Geschmäcker sowieso nicht mit Hilfe von künstlichen Aromen kennen lernen: «Sie verfälschen den Geschmackssinn.»
Franz Carl Weber bestreitet, dass die Aromen schädlich seien. Sprecherin Suzanne Nievergelt: «Das Cumarin ist in der verwendeten Konzentration ungefährlich.» Sie räumt zwar ein, dass Stoffe wie reines Zimtaldehyd ein allergisches Potenzial haben, doch nur, wenn der Kontakt über die Haut erfolge. In Nahrungsmitteln sei Zimtaldehyd unproblematisch. Nievergelt: «Das Spiel soll die Neugierde gegenüber Lebensmitteln wecken und Kinder für eine gesunde Ernährung sensibilisieren.»   

07. Dezember 2010 | Tobias Frey, Redaktionsleiter Gesundheitstipp


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