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«Können Sie einen schriftlichen Darlehensvertrag beurteilen?», fragte mich kürzlich ein junger Leser am saldo-Telefon. «Ich werde es gerne versuchen!», antwortete ich bereitwillig. Doch weil Darlehen erfahrungsgemäss oft mit verschiedenen Problemen verbunden sind, erkundigte ich mich nach dem Grund des Kredits. «Mein bester Kollege will von mir 5000 Franken pumpen, um ein Motorrad zu kaufen», erklärte der Mann.
Konkret: Der Kollege war arbeitslos, musste ein Auto-Leasing abstottern und für sein Kind Alimente zahlen. Deshalb fehlte ihm das Geld für den Töff. «Lassen Sie ja die Finger davon!», warnte ich den Leser eindringlich.
«Ihr bester Kollege ist mit Sicherheit bereits verschuldet und wird Ihnen das Darlehen wohl nie zurückzahlen können.» Früher oder später komme es deswegen möglicherweise zum Streit, tönte ich an und behauptete mit einem Blick in die Zukunft:
«Ist die Freundschaft einmal im Eimer, können Sie das geliehene Geld garantiert abschreiben!» «Machen Sie sich diesbezüglich bloss keine Sorgen», beruhigte mich der junge Mann, «für diesen Fall habe ich vorgesorgt.»
Im letzten Punkt seines Darlehensvertrags stehe nämlich deutsch und deutlich: «Sollte unsere Freundschaft in die Brüche gehen, muss das Darlehen unverzüglich zurückgezahlt werden!»
08. Mai 2011 | Hans Ruedi Schmid
