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Artikel | K-Tipp 02/2012

Die Masche mit dem Schweizer Pass

Ein «Vermieter» gibt sich als Schweizer aus. Als Beleg verschickt er Kopien seines angeblichen Schweizer Passes.

Eine Zweieinhalbzimmerwohnung in der Luzerner Altstadt für 1090 Franken – wahrlich ein Schnäppchen! Der Bündner Duri Bentag (Name geändert) antwortet sofort auf die Anzeige im Internet. Darauf schreibt ihm ein «Christoph Wälchli» aus England, er könne für eine Wohnungsbesichtigung nicht extra nach Luzern kommen. Stattdessen erhält der Bündner per Mail zahlreiche Wohnungsbilder.

«Ich dachte, die sieht wirklich toll aus», erinnert sich Bentag. Bevor er den Mietvertrag und den Wohnungsschlüssel erhält, soll er aber eine Vorauszahlung von zwei Monatsmieten leisten. Trotz seiner Skepsis überweist der Bündner die 2180 Franken. «Ich vertraute dem ‹Vermieter›, besonders weil er mir die Kopie seines Schweizer Passes gemailt hatte.» Den Wohnungsschlüssel hat Duri Bentag bis heute nicht erhalten.

Der K-Tipp hat Christoph Wälchli, von dem die Passkopie stammt, in St. Gallen aufgestöbert. Er ist nicht der Vermieter der Luzerner Wohnung. Wälchli: «Ich suche selber eine Wohnung.» Wie aber ist seine Passkopie in die Hände des englischen Betrügers gelangt? Er habe, so Wälchli, vor einiger Zeit auf ein Wohnungsinserat im Internet geantwortet. «Damit ich die Wohnung erhalte, verlangte der Engländer von mir neben einer Vorauszahlung die Kopie meines Passes. Beides habe ich ihm zugestellt.» Zum Glück gab es beim Geldtransfer Probleme. Wälchli wurde stutzig und konnte die Geldüberweisung ­stoppen. Übrigens: Gegenüber Wälchli gab sich der englische Betrüger als «David Meier» aus. Der K-Tipp ist im Besitz von zwei weiteren Passkopien, die der Engländer für seine Betrügereien missbraucht hat.


Weiteres Material  

 

Leserbriefe zum Thema

K-Tipp 2/12 über Betrüger, die Mietzinskautionen erschleichen

Ich bin froh, dass Sie über diese üble Masche berichtet haben. Bei mir haben es die Betrüger auch versucht. Ich hatte mich für eine ­möblierte Zweieinhalbzimmerwohnung in Luzern interessiert, die nur 850 Franken kosten sollte. Das Inserat hatte ich auf Homegate. ch gesehen. Darauf meldete sich bei mir eine Claudia Karin Stopper aus England, die angab, sie habe die Wohnung von ihrem gerade ­verstorbenen Vater geerbt. Sie mailte mir einen Link auf eine Reihe von Bildern aus der Wohnung, die wirklich toll aussahen. Ich bekam auch eine Passkopie und einen Lebenslauf.

Ich war gleich skeptisch. Definitiv genug hatte ich, als ich das Geld für die Kaution via Skrill nach England überweisen sollte – bevor ich die Schlüssel hatte und die Wohnung überhaupt mal sehen konnte. Von einer solchen Firma hatte ich vorher noch nie etwas gehört. 
Jana Avanzini, Ennetbürgen NW

Ich bin genau die Claudia Karin Stopper, von der viele Leute angeblich Mails aus London erhalten haben. Natürlich habe ich nichts mit diesem Betrug zu tun, sondern man hat mich selber auch getäuscht.

Ich war ebenfalls auf Wohnungssuche und habe auf Icasa.ch eine günstige Wohnung in Winterthur entdeckt. Gleich wie im K-Tipp beschrieben, erhielt ich anschliessend von einem angeblichen Christoph Wälchli eine Antwort. Diese Person hat mich aufgefordert, ihr eine Passkopie zu schicken – was ich leider gemacht habe. Nun wird meine Kopie missbraucht.

Zum Glück habe ich kein Geld überwiesen. Ich hoffe, dass der K-Tipp-Bericht viele Leser warnt. Und dass diese Betrüger ihre angemessene Strafe erhalten.
Claudia Stopper, Winterthur

Auch meine Tochter sah auf Homegate günstige Wohnungen in Zürich. Antworten und praktisch identische Geschichten erhielt sie dann von einer Fiona Martens, angeblich eine spanische Forscherin, und von einer Antonella Garozzo aus London.
Peter Riesen, Wädenswil ZH

 

 

22. Januar 2012 | Daniel Jaggi, Redaktor K-Tipp


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