Aldi zum ersten Mal geschlagen

K-Tipp 9/2007 vom

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Auch bei Konserven lässt sich einiges sparen. Das zeigt der neuste K-Tipp-Preisvergleich. Und: Aldi ist nicht am billigsten.

Seit der deutsche Discounter Aldi mit Filialen in der Schweiz vertreten ist, schneidet er im K-Tipp-Preisvergleich immer am günstigsten ab. Doch diesmal ist es anders. Verglichen hat der K-Tipp die Preise von 50 Konserven in Dosen, Tuben, Beuteln und Gläsern. Diesmal ist Carrefour bei den gängigsten Artikeln am günstigsten, die Migros bei den restlichen Produkten. Die Resultate im Einzelnen:
- Bei den 13 Artikeln, die überall erhältlich sind, liegt Carrefour vorne, dicht gefolgt von Aldi und Denner. Überraschend auf Rang vier folgt Coop, noch vor der Migros und Spar (siehe Tabelle).
- Bei den 48 Artikeln, die nur Carrefour, Coop, die Migros und Spar anbieten, ist die Migros am günstigsten. Bei Coop kosten diese Artikel knapp sechs Prozent mehr. Carrefour ist noch teurer, Spar ebenfalls.

Das gleiche Ergebnis lieferte vor zwei Monaten auch ein Preisvergleich für Körperpflegeprodukte (siehe K-Tipp 5/07).
- Bei den 50 Artikeln, die es nur bei Coop und in der Migros gibt, liegt wieder die Migros vorn. Hier ist Coop fünf Prozent teurer.

«Der Preisvergleich zeigt es deutlich: Je grösser der Warenkorb ist, desto besser schneidet die Migros ab», sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel.

Tatsächlich fällt auf, dass die Migros bei den 13 gängigsten Artikeln mit den Konkurrenten nicht ganz mitzuhalten vermag. Bei den anderen Artikeln hingegen ist die Migros günstiger.


Aldi und Coop loben Qualität ihrer Produkte

Die Konkurrenten der Migros streichen heraus, von welch erlesener Qualität ihre Produkte seien. Aldi zum Beispiel rühmt die Güte seiner Bohnen und Gurken, die denjenigen der Konkurrenz überlegen seien.

Coop kritisiert erneut, beim K-Tipp-Preisvergleich sei die Auswahl zufällig und die Qualität werde «ausser Acht gelassen». So verursache der höhere Preis für Rollmops im Glas die Hälfte des Rückstands auf die Migros. «Unser Rollmops wird aber aus kleineren Filets hergestellt und weist eine feinere Struktur auf. Kenner bevorzugen das», behauptet Coop.
Es stimmt: Der K-Tipp hat in seinem Preisvergleich die Qualität der Produkte tatsächlich nicht berücksichtigt. Aber dass teurere Produkte zwingend besser seien, ist ein Trugschluss - das zeigen K-Tipp-Tests immer wieder.


No-Name-Produkte kontra Markenartikel

Auch Denner schreibt, die Preisdifferenzen ergäben sich «einmal mehr aufgrund der unterschiedlichen Qualitäten und Packungsgrössen». Nur: Der K-Tipp hat die Preise für unterschiedliche Mengen umgerechnet. Und er hat Grosspackungen, die mehr als das Doppelte der verlangten Menge enthielten, beim Einkauf nicht berücksichtigt.

Auch Spar hält fest, dass die Konkurrenz mehr günstige Produkte aus Eigenmarken anbiete. Solche No-name-Produkte liessen sich aber, so Spar, nicht einfach mit Markenartikeln vergleichen.
Eine Kritik, die Monika Weibel von der Migros nicht gelten lässt. «Unsere Qualität stimmt», sagt sie, «unser Preis-Leistungs-Verhältnis ebenfalls.»



Warum der K-Tipp Preisvergleiche macht

In jeder Ausgabe bringt der K-Tipp einen Qualitätstest (in dieser Ausgabe ab Seite 18). Dafür lässt er Waren in unabhängigen Labors prüfen. Regelmässig veröffentlicht er auch die Ergebnisse von Lebensmittel-Degustationen. Und einige Male pro Jahr stellt er Preisvergleiche an ohne Berücksichtigung der Qualität - wie auf diesen Seiten. Damit Leute mit einem kleinen Haushaltbudget erfahren, wo sie welche Waren zu welchen Preisen einkaufen können.

Übrigens: Günstige Produkte müssen nicht schlechter sein. Das zeigen zahlreiche Qualitätstests, die der K-Tipp seit 1994 publiziert hat.



Details zur Tabelle

Der K-Tipp hat bei sechs Grossverteilern die Preise von Konserven verglichen.

- In der Tabelle zeigt die Zeile «Total alle Anbieter» den Gesamtpreis für jene 13 Produkte, die in den Geschäften aller sechs Ketten erhältlich sind.
- Die Zeile «Total Carrefour, Coop, Migros, Spar» zeigt den Preis für jene 48 Produkte, die diese vier Detailhändler im Sortiment haben.
- Die Zeile «Total Coop, Migros» zeigt den Gesamtpreis für jene 50 Produkte, die es nur bei Coop und Migros gibt.
- Eingekauft wurde das jeweils günstigste Produkt ohne Rücksicht auf Marke, Herkunft und Qualität.
- Billiglinien und Aktionen sind berücksichtigt. Nicht berücksichtigt wurden Grosspackungen, die mehr als das Doppelte der gewünschten Menge enthielten. Die Preise von unterschiedlich grossen Packungen wurden umgerechnet.
- Die Preise wurden am 25. April in der Region Bern erhoben.
- Kundenkarten, Rabattbons sowie Aktionen, die an Bedingungen geknüpft sind, wurden nicht berücksichtigt.
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