Bücher: Pharmakritiker mit Kampfgeist

Gesundheitstipp 10/2018 vom

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Für den Arzt Peter Gøtzsche ist das Gesundheitswesen «der korrupteste Teil der Gesellschaft». Patienten müssten darum selbst herausfinden, ­welche Mittel und Therapien nützen.

Der dänische Arzt und Medizinforscher ­Peter Gøtzsche ist einer der profilier­testen Kritiker der Pharmaindustrie. Er warnt, Nebenwirkungen von Medikamenten seien die dritthäufigste Todesursache. Weil Ärzte oft Geld von der Pharmaindustrie erhalten, würden sie die Patienten nicht offen über die Vor- und Nachteile von Medikamenten informieren. Aus diesem Grund müssten Patienten sich selber  Infor­mationen beschaffen. In seinem neuen Buch zeigt Gøtzsche, wie das geht. Er erklärt, wie man im Internet ver­trauenswürdige Informationen zu Medikamenten findet.

Ganz einfach ist das nicht. Viele Leute verstehen die medizinischen Fachausdrücke nicht. Dennoch finden auch Laien in «Gute Medizin, schlechte Medizin» viele ­spannende und gut verständliche Informationen über Vorsorgeunter­suchungen, Impfungen, Psychopharmaka und andere Therapien. 

Unverblümt und angriffig schreibt der Däne über Nutzen und Schäden der Medikamente. Auch mit der renommierten Cochrane-Forschergruppe, die er mitgründete, geht Gøtzsche hart ins Gericht: Sie habe zu wenig Mut gehabt, klar zu sagen, dass Vitamin C nichts nützt gegen Erkältungen. Und ihre Studien zu Psychopharmaka seien irreführend. So viel Kampfgeist war den Cochrane-Forschern zu viel: Sie schlossen ihn kürzlich aus ihrem Netzwerk aus.

Sehr empfehlenswert

Peter C. Gøtzsche: «Gute Medizin, schlechte Medizin», Riva Verlag, ca. Fr. 30.– 

 

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