Carving-Ski / Stark im Schwung, schwach in den Kanten

saldo 17/2000 vom

Carving-Ski bieten viel Fahrspass, auch für Anfänger. Punkto Qualität allerdings unterscheiden sich die taillierten Bretter: Im Belastungstest zeigten sich zum Teil erhebliche Mängel.

Bereits ist in den Bergen der erste Schnee gefallen. Zur Freude der Skifreaks, die sich schon bald auf den Pisten tummeln werden. Seit einigen Jahren sind die Carving-Ski nicht mehr aus dem Wintersport weg-zudenken. Sie verdrängen den klassischen Alpinski zunehmend von der Piste. Nicht nur bei den Freizeitfahrern, auch bei den Profis hat der Carving-Ski während der Rennsaison 1999/2000 den Durchbruch geschafft.


Berührungsängste von Anfängern sind unbegründet

Die Skihersteller setzen voll auf diesen Trend: Sie produzieren mittlerweile beinahe ausschliesslich Carving-Ski. Denn die taillierten Bretter versprechen Fahrspass pur. Und dies nicht nur für Pro-fis: Die Ski sind - anders als die Modelle der ersten Stunde - auch gnädig mit weniger geübten Skifahre-rinnen und Skifahrern. Ob gerutschte Schwünge oder gar hilfloses Umherrutschen von Anfängern, die neuen Modelle tolerieren beides gleichermassen. Die Zurückhaltung der weniger talentierten Skisportler vor dem Carving ist also unbegründet.

Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) und die Fédération Romande des Consommateurs (FRC) haben rechtzeitig zum Saisonbeginn 35 Carving-Ski unter die Lupe genommen. Geprüft wurden drei Skikategorien: Allround-Carver, Allterrain-Carver und Race-Carver.

Die Allround-Modelle sind leicht zu beherrschen und eignen sich daher auch für Anfängerinnen und Anfänger. Bei den Allterrain-Carvern handelt es sich eher um Ski für Spezialisten, die das Carving bereits beherrschen. Diese Ski sind meist breiter und stärker tailliert, ideal also für unpräparierte Pisten und Tiefschnee. Die Race-Carver schliesslich sind in erster Linie für Profis gedacht. Aber: Sowohl die sportlichen wie auch die eher gemächlichen Testfahrer kamen mit den Profimodellen gut zurecht und verteilten ihnen gar Bestnoten.

Ein spezialisiertes Labor prüfte die 27 Allround- und Allterrain-Modelle auf ihre technischen Eigenschaften. Die Profimodelle wurden im Labor nicht getestet. Hingegen mussten alle Ski einer praktischen Prüfung standhalten. Zwei Gruppen, die eher gemütlichen Komfortfahrer und die rasanten Sportfahrer, die den Kanteneinsatz bereits gut im Griff haben, beurteilten das Fahrverhalten der 35 Carving-Ski.


Bei fünf Ski rissen unter Belastung die Kanten aus

Die grössten Mängel brachte der Labortest zu Tage: Aus-gerechnet die Kanten, das wichtigste Element beim Carving, gaben bei manchen Modellen Anlass zur Kritik. Die Tester stellten Situationen nach, denen die Ski beim Gebrauch ausgesetzt sind. Mit einem Schlagpendel, das seitlich auf die Unterseite der Kante aufprallte, wurden Unebenheiten wie herausragende Steine auf der Piste simuliert. Das Resultat: Bei manchen Ski verzog sich die Kante. Dies hat zur Folge, dass der Ski während der Fahrt instabiler wird. Im schlimmsten Fall entstehen sogar irreparable Schäden. Beispielsweise dann, wenn die Kante an der Aufprallstelle aus dem Ski he-rausgerissen wird. So geschehen bei folgenden Modellen: Atomic Beta V 7.20, Kneissl Ergo Cruise X und Völkl Vectris V20/20 Energy. Besonders schlimm traf es die beiden Nordica-Modelle T 5.1 und T 7.1.

Das dritte Nordica-Modell N 9.1 schnitt im Techniktest hingegen glänzend ab. Der Grund: Es ist hochwertiger ausgeführt und stammt aus einer anderen Produktionsstätte.


Grosse Unterschiede auch in der Materialstärke

Intensiver Gebrauch der Ski und regelmässiger Service nützen die Kanten ab. Die Le-bensdauer der Kanten hängt daher auch von ihrer Materialstärke ab. Bei den Kneissl-Modellen Ergo Cruise X und Ergocross sowie den Rossignol-Ski Viper XL und T-Power Cobra wurden 1,5 Mil-limeter gemessen. Das ist eher wenig im Vergleich zu den 1,8 und mehr Millimetern der anderen Testmodelle.

Im Aufpralltest wurde die flotte Fahrt auf einer Buckelpiste simuliert. Mit einer Kraft von bis zu 80 Kilogramm wurden die Skischaufeln und -enden hochgezogen und auf eine Stahlplatte geschlagen. Mögliche Folge: Haarrisse im Ski. Das war der Fall bei folgenden Modellen: Thermo Gel SC von Blizzard, Ergo Cruise X von Kneissl, Mod X von K2 und Viper XL von Rossignol. Mit diesen Ski lässt sich zwar noch fahren, ihre Lebensdauer ist allerdings wesentlich kürzer. Bedeutend schlechter schnitten wiederum die Nordica-Modelle T 5.1 und T 7.1 ab: Hier löste sich die Verklebung der Schaufel - die Stabilität (und damit der Ski) ist dahin.


Profimodelle sind auch bei Anfängern am beliebtesten

Im Praxistest beurteilten die Komfortfahrer bei den Allround- und Allterrain-Modellen insgesamt 23 Modelle als "gut", vier als "genügend". Die Begeisterung der weniger geübten Testfahrer blieb aus: Sie verteilten in diesen Kategorien keine Höchstnoten, aber auch keine besonders schlechten. Erstaunlich: Die Amateure befanden ausgerechnet das Profimodell von Atomic für "sehr gut". Auch die ambitionierten Fahrer fanden Gefallen an den Race-Carvern: Sie verteilten dem Atomic Beta Race 9.16 und dem Head Slalom WC Ti die Höchstnote. Bei den Nicht-Profimodellen waren sie hingegen strenger: Sie beurteilten 17 als "gut" und 10 als "genügend". Auf Seite 18 finden Sie die Testresultate auf einen Blick.

Jeannette Büchel



So wurde getestet

Getestet wurden insgesamt 35 Carving-Ski. Die 17 Allround- und 10 Allterrain-Modelle wurden einer technischen und einer praktischen Prüfung unterzogen. Die acht Profi-Slalom-Modelle wurden auf der Piste, nicht aber im Labor getestet.

° Technische Prüfung: Um die Klebefestigkeit zu beurteilen, wurden die Ski in gebogenem Zustand in ein Wasserbad gelegt und anschliessend auf Schäden überprüft.

° Die Ausreissfestigkeit der Kante wurde mit einem Schlagpendel geprüft. An einem Ski wurden jeweils zwei Schläge durchgeführt. Anschliessend wurde die Verformung der Kante gemessen.

° Die Lebensdauer der Stahlkante wurde ermittelt, indem die Kante in der Skimitte vermessen wurde.

° Die Tester prüften auch die Schockresistenz der Ski. In einem Aufpralltest wurden Skischaufeln und -enden mit unterschiedlichem Gewicht (dreimal mit 60 Kilo, einmal mit 70 Kilo und einmal mit 80 Kilo) hochgezogen und auf eine Stahlplatte geschlagen. Danach wurden die Ski auf sichtbare Schäden überprüft.

° Praxistest: Zwölf Personen, je zur Hälfte Sport- und Komfortfahrer, fuhren alle Ski auf einem Gletscher Probe (nach der ISO-Norm 8783). Beide Gruppen beurteilten die Ski separat. Die Kriterien im Praxistest: Carving/Schneiden, Drifting/Rutschen, Kantengriff und Bremsen sowie Toleranz auf einer vorgegebenen Strecke. Zusätzlich wurde auf nicht präparierten Pisten im Gelände getestet.



Tipps - Das sollten Sie beachten

° Radius: beim Kauf nach dem Seiten- oder Kurvenradius der Ski fragen. Je kleiner der Radius, desto enger können die Kurven gefahren werden.

° Länge: Kurze Ski sind im Trend. Die Körpergrösse gilt als Maximum.

° Preis: Billige Ski sind in der Regel schlechter verarbeitet und flattern mehr. Meist sinkt der Listenpreis der teuren Modelle während der Saison deutlich. Oft sind auch Vorjahres-modelle eine günstige Alternative.

° Service: Belag und Kanten sollten einmal im Jahr gewartet werden. Das sorgt für mehr Sicherheit und Fahrspass.

° Ski trocknen: Nach der letzten Fahrt sollte der Schnee von Ski und Bindung entfernt und die Ski abgetrocknet werden. Ein Skisack schützt vor Nässe und Salz, welche den Rost fördern. Die Ski sollten an einem trockenen Ort gelagert werden.

° Ski leihen: eine ideale Alternative für Gelegenheitsfahrer. Ohne viel Geld für einen Kauf auszugeben, lassen sich so verschie-dene aktuelle Modelle ausprobieren.
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