Die Näherinnen arbeiten, andere kassieren

K-Geld 01/2016 vom

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Näherinnen in Tieflohnländern verdienen an einem T-Shirt fast nichts. Und selbst ein kleiner Lohn­anstieg lässt vorab die Kassen anderer Akteure klingeln.

Im Oktober stieg der Lohn der Textilarbeiterinnen in Kambodscha um 12 Dollar. Das ist aber immer noch wenig. Der Monatsverdienst beträgt damit erst 140 Dollar. Die Clean Clothes Campaign unterstützt sie im Kampf für einen Mindestlohn von 177 US-Dollar. Diese Organisation setzt sich weltweit für Angestellte der Textilbranche ein. 

Die Clean Cloth Campaign hat vorgerechnet, dass der Lohnanteil der Arbeiterinnen nur gerade 0,5 bis 3 Prozent des Endverkaufspreises eines Bekleidungsstücks ausmacht. Von den 29 Franken, die ein T-Shirt im Laden kostet, erhält die Näherin knapp 20 Rappen (siehe Grafik). Würde man ihren Lohn auf 40 Rappen verdoppeln, würde das der Käufer in der Schweiz kaum merken.

Denn nicht der Lohn der Nä­herin macht den Preis des T-Shirts aus, sondern das Preisberechnungsmodell des Zwischenhandels. Dieser erhebt auf dem Fabrikpreis eine fixe Prozentmarge. Steigt der Lohn der Fabrikarbeiterin, erhöht sich die Marge somit proportional. Und der Endverkaufspreis des Kleidungsstücks explodiert.

Christa Luginbühl, die Koor­dinatorin des Schweizer Ablegers der Clean Clothes Campaign, spricht von einem Preis-Eskala­tionsmodell und sagt: «Es ist unethisch, wenn an einem kleinen Mehrpreis für Löhne plötzlich alle anderen Akteure ausser den Arbei­terinnen selbst sehr viel mehr verdienen.

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