Gewinne gegen Teigwaren

saldo 19/2003 vom

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Ein Zuger Unternehmer verspricht seiner Kundschaft das Blaue vom Himmel. Doch seine Firmen kennen nur ein Ziel: die Kunden übers Ohr zu hauen.

Zwingen Sie uns nicht, Ihre 30 000 Franken einem anderen Teilnehmer auszuhändigen.» Der schroffe Ton, den die PB Verlag und Versand GmbH in ihrem Schreiben anschlägt, passt so gar nicht zum freudigen Ereignis - immerhin geht es um einen ordentlichen Bargeldgewinn.

Doch der Ärger der Firma aus Unterägeri ZG hat einen Grund: Sie hatte Martin Graber (Name geändert) ein dickes Couvert mit Angeboten für Lebensmittel zugestellt - als Köder diente die schlechte Kopie eines 30 000-Franken-Checks. «Der Gewinn steht zur Auszahlung bereit», frohlockte das Versandhaus - aber natürlich nur, wenn der Kunde Ware bestelle.


Überhöhte Preise: 4 Pfund Teigwaren für 27 Franken

Graber biss nicht an: «Erstens kann ich es mir nicht leisten, für Lebensmittel drei- bis viermal mehr zu bezahlen als im Laden. Und zweitens falle ich nicht auf jeden Trick herein.» Doch genau darauf zielt PB-Geschäftsführer Bernhard Elchlepp ab. Der Deutsche mit Wohnsitz in Unterägeri steuert ein kleines Firmenimperium, das Kunden in der ganzen Schweiz für dumm verkauft (siehe Kasten). Beispiele aus dem Sortiment: 4 Pfund Teigwaren kosten 27 Franken, 350 Gramm Gebäck gibts für 50 Franken, und ein Korkenzieher ist für 60 Franken zu haben.

«Ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen», so Elchlepp. Es sei doch klar, «dass der Versandhandel mit anderen Margen rechnet als ein Discounter». saldo solle es aber ja nicht wagen, «irgendwas von Wucherpreisen» zu schreiben, droht Elchlepp, sonst reiche er Klage ein. Zudem sei es eine bösartige Unterstellung, zu behaupten, mögliche Gewinne würden bei seinen Firmen an eine Bestellung geknüpft.

Doch das werden sie. Zum Beispiel die Rentnerin Ruth Seiler (Name geändert): Sie erhielt ein Angebot für Gedächtnispillen («Sie fühlen sich fit wie vor 20 Jahren») und Hörkapseln («Sie verstehen wieder alles»). Und als Zückerchen den Brief einer «zentralen Checkvergabe-Kommission»: «Sie erhalten Ihren persönlichen Check zur Anforderung des Bargeldgewinns über 30 000 Franken.»
Dieser Gewinn könne bei einer Bestellung im Mindestbetrag von 40 Franken angefordert werden. Die Fr. 39.95 für ein «elektronisches Maniküre-Profiset», die das Versandhaus auf dem Bestellschein bereits aufgedruckt hatte, reichten dafür - welcher Zufall - knapp nicht. So legte Ruth Seiler noch 30 Franken drauf und orderte 100 Gramm Kastanientee «gegen müde Venen und lästige Hämorrhoiden». Die Investition lohnte sich nicht: Von ihrem Geldsegen hat die Kundin bis heute nichts gesehen.

Dabei behauptet Bernhard Elchlepp steif und fest, es würden regelmässig Gewinne ausbezahlt. Wenn er sich recht entsinne, «hat vor zwei Jahren ein Mann aus Basel das grosse Los gezogen». Und «in diesen Tagen» profitiere eine Frau aus dem Kanton Zürich. Falls die Gewinnerin einverstanden sei, werde saldo informiert.

Bis dahin gilt: Elchlepp-Post aus Unterägeri, Schwerzenbach und Thônex ist im Altpapier am besten aufgehoben.



Das Netzwerk der Unterägeri-Connection

Seine Geschäfte steuert Bernhard Elchlepp über diverse Firmen in Unterägeri ZG und Schwerzenbach ZH (Idee Versand GmbH, BDK Mailing GmbH, PB Verlag und Versand GmbH, Mineralis GmbH, Adressvermietung Elchlepp) und eine Postfachadresse in Thônex GE. Das Prinzip: Tausendfach verschicken Elchlepp-Mitarbeiter «einmalige Angebote». Den Kunden wird vorgegaukelt, sie hätten einen Gewinn von mehreren 10 000 Franken auf sicher. Einzige Bedingung: Die «Glücklichen» müssen überteuerte Waren bestellen.

Ebenfalls im kostenpflichtigen Elchlepp-Sortiment: Erfolgsrezepte von «Magie-Meister Dr. Gary Henderson» («Der Erfolg wird nie mehr von Ihrer Seite weichen»). Oder die Geheimnisse für einen «garantierten Lottogewinn» unter angeblicher Aufsicht eines Revisionsbüros mit dem Namen Dr. Kallmann («Millionen zu gewinnen - nichts zu verlieren»). Den Gewinn machen Bernhard Elchlepp und seine Getreuen.
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