Günstig-Beamer: Grosse Bilder, schlechte Qualität

saldo 08/2013 vom

von

Die meisten Heimkino-Beamer unter 1000 Franken sind nicht zu empfehlen. Viele Bilder sind unausgewogen, farbstichig, unscharf oder zu dunkel. Das ergab der saldo-Test. Nur drei von zehn Geräten erhielten die Note «gut».

Spielfilme und Sportübertragungen will man heute in gestochen scharfem HD-Format ansehen. Die Bilder können nicht gross genug sein. Wer keinen riesigen Flachbildfernseher an die Wand hängen will, kann das Kinogefühl mit einem Filmprojektor in die Stube holen. Solche Beamer sind kaum grösser als eine Schuhschachtel. Sie werfen aber Bilder an die Wand mit Diagonalen von über 2 Metern.

Die Preise für Beamer sind in den letzten Jahren stark gesunken. Heimkino-Geräte kosten üblicherweise 2000 bis 3000 Franken. Daneben gibt es hochauflösende Günstig-Beamer unter 1000 Franken. Doch was taugen sie? Im Auftrag von saldo beurteilten die Experten eines deutschen Labors die Bildqualität von zehn günstigen Geräten beim Abspielen von Filmsequenzen ab DVD und hochauflösendem Format (HD) sowie bei der Wiedergabe von Fotos. Geprüft wurden auch Kontrast, Stromverbrauch, Installation und das Betriebsgeräusch (siehe Kasten «So wurde getestet»).


LED: Langlebige, aber zu wenig starke Lichtquelle

Die getesteten Geräte arbeiten mit unterschiedlichen Lichtquellen: Bei acht von zehn Modellen sind Glühlampen eingebaut. Der portable Kompakt-Beamer Qumi5 von Vivitek und das Gerät Scenelights LB-7020.HD erzeugen ihr Licht hingegen mit LED. Vorteil: Diese Lichtquelle ist sehr langlebig. Eine teure Ersatzlampe ist unnötig. Nachteil: Die Lichtstärke von LED-Beamern ist geringer. Die Bildqualität wurde deshalb in einem komplett abgedunkelten Raum geprüft.

Die Testergebnisse sind ernüchternd: Nur drei Beamer erreichten gute Gesamturteile. Fünf Projektoren schnitten mit der Note «genügend» ab, zwei Geräte waren klar ungenügend. Sie eignen sich kaum für genussvolle Filmabende, sondern höchstens für kurze Präsentationen von Ferienfotos oder gering aufgelösten Videoclips.

Mit der Gesamtnote 5,2 geht BenQ W1070 klar als Testsieger aus den Prüfungen hervor (siehe Tabelle auf den Seiten 18/19). Ebenfalls gut sind der Vivitek H1086 und das Modell H6500 von Acer. Ungenügend mit Gesamtnoten von 3,6 und 3,4 sind der Beamer Scenelights LB-7020.HD von Versandhändler Pearl und das Kompaktmodell Qumi5 von Vivitek.


Leichtgewicht Qumi5: milchige Farben, schlechter Kontrast

Der Scenelights-Beamer ist mit Fr. 499.90 das günstigste Gerät im Test. Der kleine Qumi5 gehört mit 675 Franken zu den mittelpreisigen Geräten. Mit seiner kompakten Bauweise und einem Gewicht von gerade mal 490 Gramm ist er als tragbares Gerät konzipiert. Aufgrund der vielseitigen Anschlussmöglichkeiten, des eleganten Designs und der Auflösung ist er auch als Heimkino-Gerät eine interessante Alternative – wenn da nicht die enttäuschende Bildqualität wäre.

Die Tester bemängelten beim Qumi5 den schlechten Kontrast, Fehler im Bild bei Bewegungen, einen Braunstich und die insgesamt kraftlosen, milchigen Farben. Bei der Fotowiedergabe erhielt das Gerät gerade noch ein «genügend».

Das Scenelights-Modell, zweiter LED-Beamer im Test, war bei der Wiedergabe von Filmen etwas besser, bei Fotos etwas schlechter als der Qumi5. Die Tester bemängelten beim Scenelights einen deutlichen Grünstich, den schlechten Kontrast in dunklen Szenen sowie unscharfe Bilder.

Filme und Fotos geben die Modelle BenQ W1070 und Vivitek H1086 am ausgewogensten wieder. Der drittplatzierte Acer H6500 schwächelt im Vergleich bei der Filmwiedergabe. Fotos gibt das Gerät aber natürlich wieder.


NEC V300W: Lauter Beamer mit hohem Standby-Stromverbrauch

Bezüglich Bildqualität wäre auch der NEC-Beamer mit Teilnoten von 4,7 (Film) und 4,8 (Foto) eine Überlegung wert. Zwei Schwachpunkte verhinderten bei diesem Gerät jedoch eine gute Gesamtnote: zum einen der hohe Stromverbrauch im Standby und zum anderen das deutlich wahrnehmbare Betriebsgeräusch. Die Tester massen in 50 Zentimeter Entfernung 3,3 Sone. Dagegen ist der Vivitek H1086 mit 1,37 Sone deutlich leiser. 3 bis 4 Sone entsprechen der Zimmerlautstärke eines Fernsehers in einem Meter Entfernung. saldo wertete den NEC-Beamer aufgrund des lauten Betriebsgeräusches um 0,2 Noten ab – genau wie die beiden Epson-Modelle.

Ein Stromfresser ist das externe Netzteil des Qumi5. Es entspricht nicht dem Stand der Technik und verbraucht im Standby-Betrieb am meisten Strom von allen getesteten Geräten. Die Leistungsaufnahme betrug 4,1 Watt. Zum Vergleich: Sein grosser Vivitek-Bruder H1086 verbraucht im Standby 0,3 Watt – fast 14 Mal weniger.

Acer nimmt die Testergebnisse gelassen. Die Qualitätsabteilung werde die Hinweise von saldo überprüfen und in die Produktion der Nachfolger einfliessen lassen. Laut Acer sollen im Frühsommer neue Modelle erscheinen. Man müsse sich als Käufer der Einsteigerklasse bewusst sein, dass man nicht alle Merkmale der teureren Geräte erwarten könne. Epson schreibt, der Beamer TW-480 habe bei anderen Tests durch sein ausgewogenes Bild gepunktet. Bei Novis, dem Schweizer Generalvertreter von Vivitek, ist man von den schwachen Testergebnissen des Qumi5 überrascht. Man habe bisher keine Beanstandungen der Bildqualität erhalten. Dass ein so kleines Gerät mit schwächerer Lichtquelle nicht so stark abschneide wie ein grosses Gerät, sei jedoch klar.


Weiterer Kritikpunkt: Regenbogeneffekt bei schnellen Bildabläufen

Fazit: Vollends überzeugt hat keiner der Günstig-Beamer. Darum erhielt keines der Geräte die Auszeichnung «sehr gut». Bei sieben Geräten im Test war bei schnellen Bewegungen im Bild oder bei Augenbewegungen des Zuschauers ein Regenbogeneffekt wahrnehmbar. Andere Geräte hatten prinzipiell Mühe mit der Helligkeit. Das heisst: Erhöht man bei zu dunklem Bild die Helligkeit, wird die Qualität schlechter, weil einzelne Bereiche des Bildes die anderen überstrahlen.


So wurde getestet

Drei auch in Sehtests erfahrene Mitarbeiter des technischen Labors Müller BBM aus Planegg bei München prüften im Auftrag von saldo, ob günstige Beamer gute Bilder liefern. Die Tests fanden in einem vollkommen abgedunkelten Raum auf zwei nebeneinander hängenden Leinwänden statt. Die Leinwände waren durch einen lichtdichten Vorhang voneinander getrennt. Das Bild wurde vorgängig bei jedem Gerät möglichst natürlich eingestellt. Die Bilddiagonale betrug jeweils mehr als 2 Meter. Gemessen wurden Kontrast, Helligkeit, Betriebsgeräusch und Stromverbrauch.

  • Bildqualität Film und Foto: Die Experten bewerteten jeweils zwei Filmszenen in hochauflösendem Format (HD) und im Standard-DVD-Video-Format. Bei der ersten Szene handelte es sich um einen Ausschnitt aus dem James-Bond-Film «Ein Quantum Trost». Die andere Szene spielt im Film «Bruce Allmächtig». Verglichen wurden Schärfe, Detailwiedergabe, Farbwiedergabe, Ruckeln und ob das Gerät Bildfehler produziert. Für den Test der Fotowiedergabe projizierten sie das Testbild des Fotoindustrie-Verbandes. Als Wieder­gabegerät diente der Blu-ray-Player Philips BDP7700.
  • Kontrast: Die Weiss- und Schwarzwerte massen die Tester mit einem Leuchtdichte-Messgerät. Zu diesem Zweck wurde ein spezielles Testbild projiziert. Dabei handelt es sich um ein Schwarzbild, in dessen Mitte sich ein weisses Rechteck von der Grösse eines Prozents der Gesamtfläche befand.
0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Das Unding: Alles andere als «einfach»

Beamer: Mit Abstand gibts ein besseres Bild

Kinoatmosphäre in den eigenen vier Wänden