Gute Haarpflege muss nicht teuer sein

saldo 11/2013 vom | aktualisiert am

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Repair-Shampoos sollen helfen, Haarschäden zu beheben. Doch nicht alle Mittel erfüllen ihr Versprechen. Zwei Produkte machen die Haare fast unkämmbar.

Chemische Behandlungen wie Dauerwelle und Färben, aber auch Sonnenlicht, Salz- und Chlorwasser sowie heisses Föhnen schaden auf die Dauer dem Haar. Es wird trocken, struppig und verliert seinen Glanz. Strapaziertes Haar sieht nicht nur unschön aus, es lässt sich auch nur mühsam frisieren. Der Kamm verhakt sich, die Haare laden sich auf und stehen wirr ab. Im schlimmsten Fall werden sie splissig oder brechen sogar ab. 

Repair-Shampoos sollen dafür sorgen, dass es nicht so weit kommt. Sie sollen durch ihre pflegenden Eigenschaften helfen, die Haarstruktur wieder aufzubauen und sichtbare Schäden zu beheben. 

saldo und «Kassensturz» wollten wissen, ob Repair-Shampoos es wirklich schaffen, angegriffenes Haar wieder zu neuem Leben zu erwecken. Dazu wurden zehn der meistverkauften Produkte ins Testlabor geschickt. Dort mussten sie sich in einem Anwendungstest an 20 Frauen beweisen (siehe Kasten «Testkriterien»). Die zehn Shampoos zwischen Fr. 2.79 und 10 Franken pro 250 Milliliter wurden im Detailhandel oder in der Drogerie eingekauft. Bei einem Shampoo handelt es sich um ein Naturkosmetikprodukt.


Für die zwei besten Produkte gab es die Gesamtnote 5,3

Das Ergebnis: Keines der getesteten Produkte konnte hundertprozentig überzeugen. Immerhin erreichten acht Shampoos ein gutes Gesamturteil. Testsieger sind das Moisture Shampoo der Migros-Marke I am sowie das Oil Repair 3 von Garnier Fructis. Beide Produkte erhielten die Gesamtnote 5,3. Mit Fr. 3.20 pro 250 Milliliter bietet das Migros-Shampoo zugleich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Das mit I am gewaschene Haar liess sich nass, aber auch nach dem Föhnen sehr gut entwirren und kämmen. Das erzeugte Volumen sagte den Testerinnen ebenfalls zu. Sehr gute Resultate in Sachen Kämmbarkeit konnten ferner die Repair-Shampoos von Garnier Fructis, Nivea, Gliss und Elsève erzielen. 

Erfreulich: Obwohl Repair-Shampoos aufgrund der pflegenden Substanzen im Ruf stehen, das Haar eher schwer zu machen, konnten fast alle getesteten Produkte im Kriterium Volumen eine gute Note erreichen. Einzig das Bio-Shampoo Jojoba-Aloe von Farfalla fiel hier ab. Mangelhaft waren die Kämmbarkeit sowie die Qualität des Schaumes. Das Shampoo liess sich weder bei der Vor- noch bei der Hauptwäsche gut aufschäumen. Eine noch schlechtere Kämmbarkeit als das Farfalla-Produkt legte nur Beauty Kiss von Spar an den Tag. Die Mängel des einzigen «ungenügenden» Shampoos sind dem Hersteller bekannt. Silvia Manser von Spar: «Beauty Kiss wird im August durch ein neues Produkt mit verbesserter Rezeptur ersetzt.» 


Garnier Fructis, Syoss und Timotei bringen am meisten Glanz ins Haar

Wenn Haare sich nicht nur gut anfühlen, sondern auch gesund aussehen sollen, greift man am besten zu den Repair-Shampoos von Garnier Fructis, Syoss oder Timotei. Einzig diese drei Produkte konnten in der Teilnote Glanz die Bewertung «gut» erreichen. Die restlichen Mittel waren bei diesem Kriterium lediglich «genügend». 

Damit das Shampoo das Haar in möglichst idealer Menge sowie überall gleichmässig erreicht, muss es sich gut dosieren und auf dem Kopf verteilen lassen. Die Produkte von Fructis, Nivea, Gliss, Syoss, Farfalla und Beauty Kiss zeigten sich hier annähernd tadellos. Diejenigen von I am, Elsève, Timotei und Pantene konnten hingegen nur die Teilnote «genügend» erreichen. I am und Pantene vor allem, weil sie sich schlecht entnehmen liessen.

Erfreulich: Jedes Repair-Shampoo wirkt in ähnlichem Mass antistatisch. Den Look «Griff in die Steckdose» muss mit diesen Produkten also niemand fürchten.


Testkriterien

Das Institut Dr. Schrader Creachem im deutschen  Holzminden prüfte im Teststudio die Shampoos in der Anwendung. Dazu führten geschulte Coiffeusen an 20 Probandinnen einen Halbseitentest durch. Anschliessend verglichen und beurteilten sie jeweils die gewaschenen Haare der beiden Kopfhälften nach folgenden Kriterien:

  • Kämmeigenschaften: Lässt sich das Haar nass und trocken gut entwirren und kämmen? Ist es weich im Griff?
  • Volumen: Wie viel Sprungkraft und Fülle hat das Haar? Wirkt es beschwert? Lässt es sich gut frisieren?
  • Glanz: Sieht das Haar glänzend und gepflegt aus?
  • Schaum: Ist der Schaum stabil und feinporig? Schäumt das Produkt gut während der Vor- und Haupt­wäsche?
  • Entnahme und Verteilbarkeit: Lässt sich das Shampoo gut dosieren und im Haar verteilen?
  • Elektrostatische Aufladung: Wirkt das Shampoo antistatisch? 



Tipps zur Haarpflege


Strapaziertes Haar: 

  • Nicht zu viel Shampoo pro Wäsche verwenden. Eine zirka haselnussgrosse Menge genügt.
  • Haare mit lauwarmem Wasser waschen.
  • Bei täglicher Haarwäsche nur einmal aufschäumen.
  • Shampoo immer gründlich ausspülen. Am besten doppelt so lange, wie es eingeschäumt wurde.
  • Das feuchte Haar nicht zu stark trocken rubbeln; sanftes Abfrottieren schont die Haarstruktur. Zum Entwirren der feuchten Haare einen groben Kamm mit abgerundeten Spitzen verwenden.
  • Gewaschene Haare am besten an der Luft trocknen. Falls ein Föhn zum Einsatz kommt, diesen auf niedrigste Temperatur einstellen.
  • Haare vor Sonneneinstrahlung schützen, etwa mit einem Hut oder Tuch.
  • Chlor- oder Salzwasserreste mit Leitungswasser aus­spülen.
  • Haarfarben mit wenig aggressiver Tönung oder Pflanzenfarben verwenden. Chemische Behandlungen wie Aufhellen oder Dauerwellen so selten wie möglich durchführen.
  • Haarspülungen nach jeder Wäsche oder wöchentlich Haarkuren verwenden. 
  • Pflegemittel sehr gründlich ausspülen, da sie ansonsten die Haare beschweren. 


Schuppen:

  • Die tägliche Kopf­wäsche mit einem milden Shampoo schadet dem Haar nicht. Immer gründlich ausspülen.
  • Haar am besten nicht föhnen, sondern an der Luft trocknen lassen.
  • Auf häufiges Bürsten und Kratzen in den Haaren verzichten. Das irritiert die Haut und ­fördert Infektionen.
  • Die Sonne hat eine heilende Wirkung auf schuppige Kopfhaut. 
  • Antischuppenshampoos können helfen, die Zahl der Schuppen zu reduzieren. Die Ursache (Reaktion der Kopfhaut auf einen Hefepilz) können sie allerdings nicht beseitigen. Wer das für sich beste Produkt finden will, probiert die Mittel am besten aus – dies aber für jeweils mindestens drei Wochen. Wenn auch dies nichts nützt, sollte man einen Hautarzt konsultieren. 


Fettiges Haar:

  • Wenn nötig jeden Tag waschen.
  • Spezialshampoos für fettiges Haar enthalten besonders viele waschaktive, fettlösende Substanzen. Ausserdem Wirkstoffe, die das Nachfetten verzögern sollen.
  • Um rasches Nachfetten zu vermeiden, Haare möglichst wenig bürsten.
  • Keine Pflegespülungen verwenden. Sie beschweren das Haar zusätzlich und lassen die Frisur vorzeitig zusammen­fallen.


Feines Haar:

  • Spezielle Shampoos können dem Haar kurzfristig mehr Volumen und Spannkraft verleihen, indem enthaltene Ceramide das Haar stärken und vor Feuchtigkeitsverlust schützen. Haardicke und -wachstum lassen sich allerdings nicht beeinflussen.
  • Ein Besuch beim Coiffeur kann helfen: Feines Haar wirkt gestuft und möglichst kurz geschnitten fülliger als eine Langhaarfrisur. Spitzen regelmässig schneiden.
  • Haar nach dem Waschen über den Kopf vorföhnen und einen Festiger einkneten. Dann die Bürste an den Haaransatz bringen und das feuchte Haar nach oben oder gegen die Wuchsrichtung ziehen und den Ansatz föhnen. Das Haar erst durchkämmen, wenn es abgekühlt ist (siehe auch Test Volumenshampoos in «K-Tipp» 15/12).


So erkennen Sie ein gutes Shampoo:

  • Nach dem Waschen ist das Haar in nassem wie in trockenem Zustand geschmeidig und glänzend; es lässt sich mühelos und ohne Ziepen kämmen.
  • Das Haar ist nicht statisch aufgeladen, es «fliegt» nicht.
  • Das Haar ist luftig und etwas voluminöser als vor der Wäsche. 
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