Klopf dir den Stress weg!

Gesundheitstipp 11/2011 vom 8. November 2011

von Isabelle Meier, Redaktion K-Tipp

Klopfakupressur kann das Wohlbefinden erhöhen. Experten warnen aber vor Kursanbietern, die Heilversprechen machen.

Der 44-jährige Lehrer Urs Künzli (Name ge­ändert) leidet häufig unter Spannungskopfweh. Er bekämpft die Schmerzen mit den Fingern. Langsam klopft er sich damit auf die Stirn, zwischen Nase und Oberlippe, dann unterhalb der Lippen und des Schlüsselbeins. Dabei konzentriert sich Künzli auf den Schmerz: «Die Verspannungen lösen sich dann auf.» Vor drei Jahren besuchte er aus Neugier ein Seminar über die «Emotional Freedom Techniques» (EFT), wie sich diese Form der Klopfakupressur nennt. Schon beim ersten Mal habe die Technik genützt, sagt er. Seither wendet er sie mindestens einmal pro Woche an. «Sie hilft mir bei Stress und Nervosität.»

Die Methode kommt aus den USA und ist von der chinesischen Akupunktur abgeleitet: Man klopft in einer be­stimmten Abfolge auf  Akupunkturpunkte. Kursanbieter preisen die Technik in den höchsten Tönen. So auch das Zentrum für EFT und Energiepsychologie in Herzogenbuchsee BE: «Mit Klopf­akupressur können Schmerz, Stress und belastende Emotionen (...) meist sehr einfach, rasch und nachhaltig aufgelöst werden.» Beim US-Anbieter EFT Universe.com berichtet ein Betroffener gar: «90 Minuten Therapie beendeten meine achtjährige Depression, gegen die ich Medikamente nehmen musste.» 

Experten warnen vor solchen Versprechungen. Für Peter von Blarer, Leiter der Heilpraktikerschule Luzern, ist die Methode beschränkt anwendbar: «Bei Rauchentwöhnung, Prüfungsangst und auch Nervosität kann sie helfen. Aber in vielen komplexen Situationen funktioniert sie nicht.» Und Arzt Matthias Wissler aus Zürich sagt: «Es herrscht ein Wildwuchs von Angeboten ohne jegliche Kontrolle.» Er setzt die Methode bei Patienten ein und hält sie für effizient – allerdings nur, wenn man die Technik seriös lernt und an­wendet.

Tatsächlich gibt es viele Kursanbieter ohne jegliche therapeutische Ausbildung. Die Kurse dauern oft nur einen Tag. Auf den Grundkurs folgt der Aufbaukurs. Danach könne man die Technik «bereits auch für andere Personen in seinem ­Umfeld einsetzen».

Fachleute wie Matthias Wissler sehen vor allem dann ein Problem, wenn Laien andere Menschen mit psychischen oder körperlichen Problemen behandeln. Dabei sollten ausschliesslich Therapeuten mit ­einer medizinischen Ausbildung die Methode anwenden. Auch Peter von Blarer ist dieser Ansicht. Unproblematisch sei es aber, wenn man sie an sich selber ausprobiere.

Reto Wyss, Leiter des Schweizerischen Zentrums für EFT und Energiepsychologie, erklärt: «Der Begründer wollte die Technik jedem zugänglich machen.» Klinische Krankheitsbilder dürften aber nur Fachleute mit medizinischer Ausbildung behandeln. Bei «kleineren» Ängsten, Stress und belastenden Gefühlen hingegen könnten «gut ausgebildete» Kursabsolventen helfen – auch ohne therapeutische Ausbildung.   


TIPPS: Klopfakupressur: Das müssen Sie wissen

  • Lernen Sie die Klopfakupressur bei einem Therapeuten mit medizinischer Ausbildung (Arzt, Physiotherapeut).

  • Meiden Sie Kursanbieter, die medizinische Versprechungen abgeben.

  • Wenden Sie die Klopfakupressur nur bei sich selber an.

  • Psychische, körperliche Probleme: Gehen Sie zum Arzt.



Buchtipps

Horst Benesch: «Klopf dich ­ge­sund», Fr. 12.90, Goldmann Verlag

Reto Wyss: «Stress überwinden mit EFT. Das 21-Tage-Programm», Fr. 29.90, AT Verlag

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