Lauter laute Lüftungen und lausige Lautsprecher

K-Tipp 20/2005 vom

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Auch günstige Laptops bestechen durch Schnelligkeit. Nicht so überzeugend sind Bildqualität, Akku-Laufzeiten und der Lärmpegel.

Aus den Ferien elektronische Postkarten verschicken? Die Präsentation für den Vortrag bei einem Latte Macchiato im Café fertig stellen? Das Sitzungsprotokoll gleich auf dem Nachhauseweg im Zug tippen? Bilder ab der eigenen Digitalkamera unterwegs zu einer Diashow ordnen? Laptops machen es möglich.

Die Preise für Laptops sind in den letzten zwei Jahren stark gefallen. Viele Hersteller bieten Notebooks, wie die mobilen Computer auch genannt werden, für weniger als 2000 Franken an, immer wieder sind sie gar für rund 1000 Franken zu haben.
K-Tipp und Kassensturz wollten wissen, was günstige Laptops auf dem Kasten haben. Das Münchener Labor Müller-BBM untersuchte neun Notebooks mit 15- und 15,4-Zoll-Bilschirmen mit Preisen zwischen 1100 und 1600 Franken. Das mit Abstand günstigste Gerät im Test war ein Laptop von Maxdata für 1099 Franken. Auch dabei war ein Apple iBook G4, das aber mit seinem 12-Zoll-Bildschirm aus dem Rahmen fällt.

Mit HP, Dell und Acer sind einige der Marktleader im Test vertreten. Nicht einbezogen wurden Computer von Sony Vaio, Lenovo (vormalig IBM) und Toshiba: Zur Zeit des Testeinkaufs waren keine Laptops dieser Marken erhältlich, die auch im Dezember noch in den Läden sind. Erfreuliches Fazit: Keiner der neun getesteten mobilen Computer fiel durch. Doch alle hatten ihre Schwächen.

Das Gros der Computer überzeugte sowohl beim Bildaufbau als auch bei den Anwendungen durch Schnelligkeit. Besonders stark bei diesem Kriterium war das Gerät von Computix, am schwächsten der günstige Maxdata Eco 4000 I. Eine noch schlechtere Note in diesem Punkt hat einzig das Apple iBook G4 erhalten. Die Bewertung muss allerdings mit Vorsicht genossen werden, denn wegen des abweichenden Betriebssystems konnte nur ein Teil der Schnelligkeitstests durchgeführt werden.


Unkontrolliertes Hüpfen des Cursors

Nicht ganz so überzeugend waren die Laptops beim Kriterium Handhabung. Die Tastatur gab zwar kaum zu Kritik Anlass. Doch beim HP-Laptop bemängelten die Tester, dass man beim Schliessen des Deckels leicht versehentlich den Ausschaltknopf betätigen kann. Die Delete-Taste des Dell-Computers ist ungünstig platziert, weil sie inmitten anderer Tasten versteckt ist.

Beim Touchpad, der integrierten Alternative zur Maus, haperte es hingegen in mehreren Fällen: Die Tester blieben mit den Fingern hängen, es reagierte unerwartet und sehr empfindlich (Computix und HP), die Scroll-Leiste war gewöhnungsbedürftig (Asus). Ein seltsames Phänomen stellten sie bei den Maxdata-Geräten fest: Immer wieder bewegte sich bei diesen der Cursor unkontrolliert.

Die Benutzung mit herausgenommenem Akku - bei Betrieb am Netzkabel zum Schonen des Akkus sinnvoll - führte bei vielen Notebooks zu einem Wackeln, weil am Akku auch gleich ein Füsschen angebracht ist: Das gilt für die Modelle von Dell, Acer, Computix und Apple.

Weiter fiel den Testern auf, dass sich die Modelle von Asus und Computix schlecht öffnen lassen - die Scharniere sind zu schwergängig.

Unpraktisch sind die Lüftunsschlitze, die bei allen Laptops ausser dem Apple iBook auf der Unterseite angebracht sind. Wegen der Hitzeentwicklung sollten sie nicht auf weichen Unterlagen wie Bettdecken, Badetüchern und weichen Tischtüchern verwendet werden.

Stark verbesserungswürdig sind die Handbücher von Acer (Kommentar der Tester: «nur für Grundeinstellung ausreichend»), Computix («schlecht strukturiert, wenig Inhalt»), Dell («kaum Informationen») und Fujitsu Siemens («etwas knapp»).


Bildschirme vermögen nicht zu überzeugen

Massive Unterschiede zeigten sich bei den Akkus. Die Laufzeit im Akku-Betrieb war beim HP Pavilion, Apple iBook und Asus A6000 recht hoch, schwach beim Amilo von Fujitsu Siemens und beim Maxdata Eco 4500 A. Konkret: Beim Abspielen einer DVD - ein Teiltest für dieses Kriterium - hielt der Apple-Akku 3 Stunden und 18 Minuten, der von Fujitsu Siemens bloss knapp 2 Stunden.

Nicht ganz überzeugen konnten die Bildschirme. Das ist keine Überraschung, erreichen doch Laptop-Bildschirme nie die Qualität von freistehenden LCD-Monitoren. Klar die beste Note in diesem Kriterium erhielt der Amilo-Laptop von Fujitsu Siemens. Die übrigen Bildschirme waren knapp «genügend» oder knapp «gut». Den grössten seitlichen Betrachtungswinkel erlauben die Laptops von Computix und Asus.

Beim Kauf ist auch die Grösse des Bildschirms in Betracht zu ziehen. 15,4-Zoll-Breitformat (statt 15 Zoll) ist nicht nur vorteilhaft beim Anschauen von Filmen im Kinoformat, sondern auch bei anderen Anwendungen: Bei Excel-Tabellen behält man auf dem breiteren Monitor leichter den Überblick, oder es lassen sich zwei Textdokumente nebeneinander anschauen. Auch die Tastatur gewinnt durch die zusätzliche Breite an Raum.


Negativpunkte: Lärm und Lautsprecher

Nerven können die Geräusche eines Computers: Besonders ausgeprägt störten sie bei den Laptops von Maxdata, Computix und Dell: Beim Maxdata Eco 4000 I war es ein unangenehmes Pfeifen, beim Eco 4500 A ein unregelmässig auftretendes Klacken und beim Dell das anhaltende Rauschen.

Der absolute Tiefpunkt waren die eingebauten Lautsprecher. Sie konnten bei keinem der neun Laptops überzeugen.
Zur Ausstattung: Das Betriebssystem Windows XP muss man in der Regel mitkaufen, es ist im Kaufpreis enthalten. Nur Computix lässt seinen Kunden die Wahlfreiheit (N550 ohne Windows XP kostet Fr. 1399.-). Bei allen Apple-Computern ist das aktuelle Mac-OS-X installiert.

Der Test zeigt, dass auch günstige Computer leistungsfähig sind. Testsieger HP Pavilion dv4226EA erreichte nicht nur die höchste Punktzahl, auch bleibt er nur in einem Kriterium unter 4 Punkten. Am anderen Tabellenende findet sich ein Gerät von Maxdata, das seinem relativ hohen Kaufpreis nicht gerecht wird. Das günstige Maxdata-Modell Eco 4000 I ist trotz Schwächen seinen tiefen Preis wert.

Gut beraten ist, wer vor dem Kauf überlegt, für welche Nutzung er einen Laptop kauft. Anschlüsse, Gewicht, Bildschirmqualität, Tastaturgrösse sowie Geräuschpegel kann man leicht im Laden überprüfen. Wer auf ein Schnäppchen abzielt, dürfte auch mit einem Auslaufmodell für 1000 Franken nicht so schlecht fahren.



Die neun getesteten Laptops im Detail

Viel hängt bei einem Computer von der Ausrüstung ab. Die wichtigsten Angaben zu den getesteten Laptops finden Sie hier.

Alle Geräte sind ausgerüstet mit:

Modem, Lan, W-Lan, Slot für PC-Cards (ausser iBook), Kartenleser (ausser iBook und Travelmate), Firewire-Anschluss (ausser Travelmate), externem VGA-Anschluss (beim iBook mit mitgeliefertem Adapter), TV-Ausgang (ausser iBook, Travelmate, Dell) und Ausgang für einen Kopfhörer.

Alle können CDs und DVDs abspielen, und fast alle können DVDs brennen (ausser iBook und Maxdata Eco 4000 I).

- Apple iBook G4: 12-Zoll-Bildschirm, G4-Prozessor, 1,33 GHz Taktfrequenz, 512 MB Arbeitsspeicher, 40 GB Festplattenspeicher, 32 MB Grafikspeicher, kein Brenner, 2 USB-Anschlüsse. Gemessenes Gewicht: 2,1 Kilogramm.
- Acer Travelmate 4021 LMi: 15-Zoll-Bildschirm, Prozessor Pentium M 730J, 1,6 GHz Taktung, 502 MB Arbeitsspeicher, 60 GB Festplatte, 128 MB Grafikspeicher, 3 USB-Anschlüsse. 2,7 kg.
- Asus A6000: 15,4-Zoll-Bildschirm (Breitbild), Prozessor AMD Turion 64 ML-30, 1,6 GHz Taktung, 348 MB Arbeitsspeicher, 80 GB Festplatte, 128 MB Grafikspeicher, 4 USB-Anschlüsse. 3 kg.
- Computix N550: 15-Zoll-Bildschirm, Prozessor Pentium M 740J, 1,73 GHz Taktung, 502 MB Arbeitsspeicher, 80 GB Festplatte, 128 MB Grafikspeicher, 4 USB-Anschlüsse. 2,5 kg.
- Dell Inspiron 6000: 15,4-Zoll-Bildschirm (Breitbild), Prozessor Pentium 725J, 1,6 GHz Taktung, 512 MB Arbeitsspeicher, 64 MB Grafikspeicher, 4 USB-Anschlüsse. 3,1 kg.
- Fujitsu Siemens Amilo A1645: 15,4-Zoll-Bildschirm (Breitbild), Prozessor AMD Sempron LV, 2 GHz Taktung, 480 MB Arbeitsspeicher, 80 GB Festplatte, 32 MB Grafikspeicher, 3 USB-Anschlüsse. 3,1 kg.
- Hewlett Packard Pavilion dv4226EA: 15,4-Zoll-Bildschirm (Breitbild), Prozessor Pentium 725 J, 16 GHz Taktung, 512 MB Arbeitsspeicher, 60 GB Festplatte, 128 MB Grafikspeicher, 4 USB-Anschlüsse. 2,9 kg.
- Maxdata Eco 4500 A: 15-Zoll-Bildschirm, Prozessor AMD Turion 64 ML-30, 1,6 GHz Taktung, 480 MB Arbeitsspeicher, 60 GB Festplatte, 32 MB Grafikspeicher, 3 USB-Anschlüsse. 3 kg.
- Maxdata Eco 4000 I: 15-Zoll-Bildschirm, Prozessor Celeron M 360, 1,4 GHz Taktung, 496 MB Arbeitsspeicher, 40 GB Festplatte, 64 MB Grafikspeicher, 3 USB-Anschlüsse. 2,8 kg.

(rom)



Auf Schnelligkeit und Handhabung geprüft

Was taugt ein günstiger Laptop? Das Labor Müller-BBM in Planegg bei München hat für K-Tipp und Kassensturz neun Notebooks auf Leistung und Benutzerfreundlichkeit getestet.

- Schnelligkeit: Die Prüfer liessen ein Testprogramm für klassische Büroanwendungen (Textverarbeitung, Datenauswertung, Mail, Kalender, Surfen) im Internet laufen. Die erreichte Schnelligkeit wurde ausgewertet. Durch Testläufe mit weiteren Programmen ermittelte das Labor die Geschwindigkeit der Prozessoren und der Grafikkarten, also die Schnelligkeit beim Bildaufbau.

- Handhabung: Drei Versuchspersonen bewerteten die wichtigsten Gebrauchseigenschaften der Laptops im täglichen Betrieb. Wie ist die Benutzung von Tastatur und Touchpad? Ist das Deckelscharnier robust und trotzdem leichtgängig? Sind Laufwerke und Anschlüsse gut zugänglich? Lässt sich die Lautstärke leicht regeln? Sind die mitgelieferten Handbücher und Online-Hilfsprogramme brauchbar? Wie gut lässt sich das Notebook auf harter und auf weicher Unterlage platzieren? Erhitzt es nicht zu stark?

- Laufzeit im Akku-Betrieb: Wie lange dauert es, bis den Batterien der Saft ausgeht? Gemessen wurde beim Abspielen einer DVD und bei typischen Büronutzungen.

- Stromverbrauch: Wie viel Strom verbrauchen die Laptops im Leerlauf und bei voller Aktivität (Rechnen plus MP3-Dateien abspielen)?

- Bildschirm: Was taugen die Bildschirme? Versuchspersonen beurteilten Schärfe, Kontrast, Helligkeit und die winkelabhängigen Betrachtungsmöglichkeiten im Netz- und Akku-Betrieb. Der Test wurde in typischer Büro- und in heller Umgebung durchgeführt.

- Akku-Ladezeit: Die Prüfer massen die Zeit, bis der Akku vollständig geladen war.

- Lärmentwicklung: Wie laut ist der Lüfter? Sind weitere Geräusche störend?

- Eingebaute Lautsprecher: Beim Abspielen verschiedener Musikstücke wurde die Qualität der Lautsprecher beurteilt.

(rom)



Archiv im Netz

Unter www.ktipp.ch finden Sie sämtliche Tests aus dem K-Tipp seit Januar 2000. Der Bezug eines Tests im PDF-Format (inkl. Tabellen) kostet 3 Franken.
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