Luft befeuchten - aber mit Mass

K-Tipp 19/2003 vom

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Viele Menschen klagen im Winter über trockene Luft. Luftbefeuchter schaffen Abhilfe. Doch sie bergen auch Risiken für Wohnung und Gesundheit.

Meist ist die Luft in Wohnungen und Büros während der kalten Jahreszeit viel zu wenig feucht. Das trocknet die Schleimhäute aus. Krankheitserreger können sich so leichter ausbreiten. Deshalb muss ein Luftbefeuchter her. So lautet die landläufige Meinung.

Doch Roger Waeber von der Abteilung Chemikalien im Bundesamt für Gesundheit (BAG) widerspricht: «Ein Luftbefeuchter ist in der Regel nicht nötig.» Oft hätten Menschen das Gefühl, die Luft sei zu trocken, obwohl das gar nicht stimme, erklärt Waeber. Und er rät: «Genügend trinken, Räume nicht überheizen, regelmässig Staub entfernen, nicht rauchen.»
Ähnlich tönts bei der Energieberatung der Stadt Zürich. Sie empfiehlt in Wohnräumen eine Temperatur von 20 Grad, in Küche und Schlafzimmer 16 bis 18 Grad. Bei diesen Temperaturen reiche in der Regel die Feuchtigkeit, die beim Kochen und Duschen, aber auch durch Atmung und Pflanzen abgegeben werde, für ein gutes Raumklima. Die Luft sei nämlich vor allem in überheizten Wohnungen zu trocken.


Ideale Feuchtigkeit: 30 bis 55 Prozent

Wer trotzdem das Gefühl hat, die Luft sei zu trocken, besorgt sich am besten zuerst ein Hygrometer. Damit lässt sich messen, ob die Luft auch tatsächlich trocken ist. Digitale Hygrometer funktionieren übrigens deutlich besser als analoge, wie ein K-Tipp-Test gezeigt hat.

Laut BAG-Mann Roger Waeber sollte die relative Feuchtigkeit zwischen 30 und 55 Prozent liegen. Ist die Luft trockener, dann besteht die Gefahr, dass Augen, Nase und Atemwege gereizt werden. In solchen Fällen kann ein Luftbefeuchter tatsächlich Abhilfe schaffen. Jährlich werden in der Schweiz über 100 000 Stück verkauft.


Möglichst oft das Wasser wechseln

Roger Waeber warnt allerdings nicht nur vor zu trockener, sondern auch vor zu feuchter Luft. «Feuchtigkeit in den Innenräumen ist der Schlüsselfaktor für das Wachstum von Milben und Mikroorganismen», sagt er. Zudem könne die Feuchtigkeit in Gebäuden mit kalten Aussenwänden kondensieren. Die Folge davon: Schimmel.

«Auch das Befeuchterwasser kann verkeimen und zu einer Belastung der Raumluft mit Mikroorganismen führen», sagt Waeber. Das bestätigt ein Luftbefeuchter-Test der Zeitschrift «Öko-Test».

Trotz wöchentlicher Reinigung kam es in fast allen Geräten zu Verkeimungen. Die möglichen Folgen sind Schleimhautreizungen, Husten, pfeifende Atmung, Sekundärinfektionen wie zum Beispiel Mittelohr- und Lungenentzündung, Allergien sowie Asthma.

Grundsätzlich empfiehlt Roger Waeber deshalb: «Befeuchter regelmässig reinigen, das Wasser möglichst häufig wechseln. Und: Die Räume nicht übermässig befeuchten.»



Das sind die Unterschiede

Es gibt drei Arten von Luftbefeuchtern.

- Verdampfer heizen das Wasser auf und geben heissen Dampf an die Luft ab. Vor allem Kinder können sich am Dampf, bei gewissen Geräten aber auch am Gehäuse verbrennen.
- Verdunster blasen die Umgebungsluft gegen eine feuchte Filtermatte. So verdunstet das Wasser in der Matte. Bei trockener Raumluft geben Verdunster viel Feuchtigkeit ab, bei feuchter Luft weniger.

- Ultraschall-Zerstäuber produzieren feinste Wassertröpfchen, die sie in den Raum blasen. Wichtig ist der regelmässige Wechsel der Entkalkungspatrone. Sonst schlägt sich Kalk auf Möbeln und Boden nieder. Laut Bundesamt für Gesundheit sind Zerstäuber «aus hygienischer Sicht am problematischsten».



LEISTUNG

- Die meisten Hersteller geben die Befeuchtungsleistung in Deziliter pro Stunde bei 23 Grad Zimmertemperatur und 45 Prozent Luftfeuchtigkeit an. So lassen sich die Werte der verschiedenen Geräte vergleichen.
- Anhand der Befeuchtungsleistung und des Wasserbehälter-Volumens lässt sich auch grob errechnen, wie häufig Sie den Wasserbehälter nachfüllen müssen.
- Oft deklarieren die Hersteller, für welche Raumgrösse sich der Luftbefeuchter eignet.
- Achten Sie darauf, dass der Befeuchter einen Sicherheitsschalter hat. Dieser setzt das Gerät ausser Betrieb, sobald der Wasserbehälter leer ist.


VERBRAUCH

- Verdampfer verbrauchen sehr viel Strom - 200 bis 400 Watt. Dafür heizen sie den Raum auf. Das spart auf der anderen Seite ein bisschen Heizenergie.

- Verdunster sind demgegenüber sehr sparsam (10 bis 20 Watt). Allerdings kühlen sie die Raumluft ab. Das erhöht den Heizenergie-Verbrauch.


HYGROSTAT

- Verdampfer arbeiten auch dann weiter, wenn die Luft längst genügend befeuchtet ist. So kann es zu Feuchteschäden kommen.
- Deshalb sollten Sie zwischen Steckdose und Verdampfer einen Hygrostaten installieren. Am Hygrostaten können Sie die gewünschte Luftfeuchtigkeit einstellen. Sobald diese erreicht ist, unterbricht der Hygrostat die Stromzufuhr.


KABEL

- Bei der Frage nach der Kabellänge ist entscheidend, wo der Luftbefeuchter aufgestellt wird. Er steht im Idealfall entweder im mittleren Bereich des Raumes oder ist in die Raummitte gerichtet.


WASSERBEHÄLTER

- Praktisch sind Luftbefeuchter mit herausnehmbarem Wasserbehälter.
- Der Behälter sollte vor allem bei leistungsstarken Geräten nicht zu klein sein. Sonst müssen Sie mehrmals täglich nachfüllen (siehe auch unter «Verbrauch» und «Leistung»).
- Achten Sie darauf, dass der Luftbefeuchter eine Wasserstandsanzeige hat.


LÄRM

- Lassen Sie sich den gewünschten Luftbefeuchter vorführen - vor allem, wenn Sie ihn auch im Schlafzimmer aufstellen möchten. Denn viele Geräte machen so viel Lärm, dass an Schlaf nicht zu denken ist.


REINIGUNG

- Luftbefeuchter müssen mindestens einmal pro Woche gründlich gereinigt werden. - Je weniger Ecken und Kanten das Gerät hat, desto einfacher geht es.
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