Nicht alle Produkte geben der Frisur Halt

saldo 01/2014 vom

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Dauerhaften Halt versprechen alle zwölf Produkte im saldo-Test. Doch einige Gels und Wachse sind zu schwach. Andere ­verkleben die Haare oder hinterlassen sie nach dem Waschen fettig.

Allein die Migros verkauft pro Jahr rund 200 Tonnen Gel- und Wachsprodukte. Das sind weit über eine Million Tuben und Döschen. Laut Werbung sollen sie die Haare in Form bringen, ohne sie zu verkleben und Rückstände zu hinterlassen. Ein Spagat, den keines der zwölf getesteten Stylingprodukte perfekt schaffte.

Die Haarexperten der technischen Hochschule RWTH in Aachen (D) untersuchten im Auftrag von saldo und «Kassensturz» die in der Schweiz meistverkauften acht Geltuben und vier Wachstöpfchen der Kategorie Ultra Strong. Ultra-Strong-Produkte eignen sich für alle Frisuren ausser für extreme Kurzhaarschnitte. Personen mit Kurzhaarfrisuren greifen besser zu Tuben, die «Beton-Halt» oder «unzerstörbaren Halt» bieten.

Haargel von Nivea: Starker Halt, aber sehr klebrig

Die Experten überprüften im Labor anhand von Haarsträhnen, wie gut sich die klebrigen Produkte auswaschen lassen und wie stark die Haare im trockenen Zustand verkleben. Das wichtigste Kriterium des Tests war der Halt. Anhand von mit dem Lockenstab gedrehten Locken mussten die Gels und Wachse ihre Wirkung beweisen (siehe Kasten «So wurde getestet»). Die Produkte wurden nicht nur untereinander verglichen. Die Experten verglichen sie auch mit Locken, die nur mit Wasser und der Wärme des Lockenstabes geformt wurden. 

Ergebnis: Nur acht der zwölf Produkte verliehen den Haaren mehr Halt als blosses Wasser und Wärme. Deutlich am wenigsten Halt verleihen «Taft Ultra Wax structure» und «L’Oréal Studio SpurenlosFX 24h Ultra Starker Halt» (siehe Tabelle). Die beste Note beim Halt erreichte «Nivea Styling Gel ultra strong». Aber: Dieses Gel verklebt die Haare deutlich mehr als andere Produkte. Ausgewogener sind der Testsieger von Qualité & Prix «Styling Gel wel! Extra Strong» sowie «Cien Men Extreme Styling Gel» von Lidl und «Hair Culture Style Control» von Aldi. Diese drei Produkte sind Gels. 

Mit der Eigenmarke der Drogerie Müller «aiko System Gel Wax Ultra Strong» hat es auch ein Wachs unter die besten fünf geschafft. Diese Produkte bieten Halt, sind aber trotzdem einfach auszuwaschen beziehungsweise auszukämmen.

L’Oréal und Mibelle äussern sich nicht zu den Test­ergeb­nis­sen. Henkel, Hersteller der Syoss- und Taft-Produkte, kritisiert die Testbedingungen beim Kriterium Halt als zu streng. Eigene Messungen bei niedrigerer Luftfeuchtigkeit hätten beim «Ultra Styling Gel» bessere Ergebnisse gezeigt. Die Kämmbarkeit sei zudem für die Verwender nicht interessant. Nivea-Hersteller Beiersdorf schreibt, dass die grosse Mehrheit der Haargel-Nutzer die Produkte auswasche und nicht auskämme. Denner bezweifelt die schlechten Testergebnisse des Gels bezüglich Halt. 

Glanz im Haar: Bei ölhaltigen Produkten am besten

Kein Testkriterium war der Glanz, den die Mittel dem Haar verleihen. Wer diesen Effekt mag, ist mit dem Testsieger-Gel von Coop sowie den Wachsen von Syoss und Taft gut bedient. Die Experten vermuten, dass diese drei Produkte Öle enthalten, die Glanz verleihen. Das kann Nachteile haben: Die mit dem Taft-Wachs behandelten Haare sahen nach dem Waschen fettig aus. 

saldo hat die Produkte bei diesem Test nicht auf problematische Inhaltsstoffe untersucht. Grund: Beim letzten Test fanden sich in den meisten Produkten keine oder nur sehr wenig heikle Substanzen (saldo 17/06).

So wurde getestet

Die Haarspezialisten des Forschungsinstitutes DWI an der deutschen technischen Hochschule in Aachen (D) prüften acht Haargels und vier Haarwachse an identischen Haarsträhnen. Bei den Haarsträhnen handelt es sich um weibliche braune Standard-Haarsträhnen von 15 Zentimetern Länge. Das mechanische Verhalten, die Geometrie und Struktur von männlichem und weiblichem Haar sind gleich. Insofern können alle getesteten Styling­produkte von Männern und Frauen verwendet werden. Um den Vergleich zwischen Gel und Wachs zu ermög­lichen, ermittelten die Prüfer in Vorversuchen die gleichwertige Menge von Gel und Wachs. Sämtliche Haarsträhnen wurden vor den Tests bei derselben Temperatur und Luftfeuchtigkeit präpariert. Danach folgten drei aufwendige Prüfungen.

  • Halt: Jedes Produkt trugen die Experten auf acht Strähnen auf. Diese Strähnen wurden anschliessend mit einem Gerät zu Locken gedreht und bei einer hohen Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent und 22 Grad Celsius in einen Klimaschrank gehängt. Den­selben Test führten sie mit acht unbehandelten Locken durch. Während drei Stunden massen die Prüfer am Anfang alle 5 Minuten und dann alle 15 Minuten die Länge der Locken. Die Ergebnisse der behandelten Locken wurden schliesslich mit den unbehandelten Locken querverglichen. Je länger die Locken ihre Form behielten, desto höher die festigende Wirkung des Produktes.
     
  • Auswaschbarkeit: Jedes Produkt prüfte man an drei Haarsträhnen. Die Strähnen wurden vorgängig gewaschen und getrocknet. Die Gels und Wachse massierte man anschliessend 1 Minute lang ein und liess die Strähnen für 24 Stunden bei 55 Prozent Luftfeuchtigkeit im Klimaschrank. Dann wusch man die Strähnen erneut. Jeweils vor dem Auftragen der Styling-Produkte und nach dem Waschen/Trocknen massen die Tester das Gewicht der Strähnen. Zudem verglichen sie die Vorher-Nachher-Bilder der Oberflächenstruktur von je zehn Haaren unter dem Raster­elek­tronen­mikroskop.
     
  • Kämmbarkeit: Mit einem Roboterarm massen die Experten die Kämmkraft vor und nach der Verwendung eines Styling­produktes. Jedes Gel und jeder Wachs wurde an fünf trockenen Haarsträhnen geprüft. Je 150 Messungen wurden durchgeführt. Je stärker ein Produkt die Haare verklebt, desto höher die Kämmkraft.

Styling: Öl und Harz für Halt und Glanz

Wer seine Haare formen will, benötigt entweder Wärme oder einen Klebstoff. In allen Stylingprodukten, die dem Haar Halt geben sollen, findet man festigende Zutaten. Man nennt sie Filmbildner. Oft handelt es sich um Harze. Sie legen sich um das Haar und stabilisieren es. Lösungsmittel wie Wasser oder Alkohol sorgen dafür, dass man das Produkt ins Haar einarbeiten kann. Wenn Wasser oder Alkohol verdunsten, wird der Filmbildner hart und die Frisur hält. Weitere Zusatzstoffe sollen Glanz, Duft und Flexibilität verleihen. 

  • Gel: Gibt es in den verschiedensten Stärken, vom unbeweglichen Beton-Style bis zum flexiblen Halt für die ganze Frisur. Man kann es auch für Locken oder einzelne Strähnen verwenden. ­Wetgel verleiht dem Haar zusätzlich ein nasses Aussehen ähnlich der Pomade. Gel funktioniert im nassen und trockenen Haar.
     
  • Wachs: Enthält weniger Filmbildner als Gel, dafür Wachse und Pflegestoffe. Vorteil: Man kann die Frisur auch nach dem Auf­tragen noch nachformen. Wachs klebt dafür beim Auftragen eher an den Händen und kann nach dem Waschen ein fettiges Aussehen hinterlassen. Wachs ist rund viermal sparsamer als Gel. Pro 100 Milliliter ist es in der Regel aber deutlich teurer als vergleichbare Gels.
     
  • Pomade/Brillantine: Enthält als Wirkstoffe in der Regel Vaseline oder Öle. Verleiht Glanz, trocknet Haare und Kopfhaut nicht aus und verklebt nicht. Dafür festigt Pomade aber auch nicht so stark wie Gele.
     
  • Haarspray oder -lack: Fixiert die fertig geföhnte Frisur. Lack verleiht in der Regel mehr Glanz und festigt stärker als Haarspray. Haarlack macht das Haar aber auch unbeweglicher.
     
  • Schaum: Festigt feuchtes oder trockenes Haar. Lässt sich gut im ganzen Haar verteilen. Eignet sich nicht für Akzente.
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