Nur wenige Wegwerfgrills glühen gut und lange

saldo 12/2013 vom | aktualisiert am

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Der Praxistest von Wegwerfgrills zeigt: Bei der Grillierleistung gibt es grosse Unterschiede. Ebenso bei der Sicherheit und beim Preis. Gut war ­keines der getesteten Modelle.

Wegwerfgrills bestehen aus einer Aluschale samt Rost und Holzkohle. Sie sind praktisch und im Nu einsatzbereit. Meist ist einzig die Verpackung zu entfernen und eine Lunte anzuzünden. Alle Modelle weisen seitliche Stützen auf, damit die heisse Aluschale nicht direkt auf dem Boden steht. 

Das saldo-Partnermagazin «Bon à Savoir» hat zusammen mit der Konsumentensendung «On en parle» des Westschweizer Radios RTS sechs Wegwerfgrills auf Sicherheit und Grillierleistung getestet (siehe «So wurde getestet»).

Mit der Gesamtnote «gut» oder «sehr gut» schnitt keines der Modelle ab. Genügend waren neben Instant Barbecue von Lidl und Grillbox von Migrolino auch Grilly Professionell von Coop und der Einweggrill, gekauft bei Tamoil. 

Beim Lidl-Modell bemängeln die Experten, dass das Schweinsplätzchen am Grill kleben blieb. Grund: eine zu hohe Temperatur respektive eine zu geringe Distanz zwischen Glut und Rost. Die anderen drei Modelle mit der Gesamtnote «genügend» schnitten in diesem Punkt deutlich besser ab. Die Grillbox von Migrolino erhielt für die Grillierleistung gar die Bestnote 6, unter anderem auch wegen der Grösse des Grills. 

Ungenügend waren der Instant Grill von Migros und der Einweg-Grill von Agip. Beim Migros-Modell ist die Bedienungsanleitung nur auf Englisch. Beim Agip-Gerät benötigten die Tester 10 Minuten länger als angegeben, um die Glut zu entfachen. Laut Agip ist die Grillleistung nach längerer Heizdauer besser. Migros sagt, man prüfe Verbesserungen bei der Verpackung. Der Grill sei im eigenen Labor als sicher bewertet worden. 


Zeit bis zum Erreichen der Grilliertemperatur: Ungenaue Angaben

Gross sind die Unterschiede beim Preis. Mit Fr. 2.50 ist Instant Barbecue am günstigsten. Fast vier Mal so teuer (Fr. 8.90) ist Grillbox von Migrolino. Beide erhielten die Gesamtnote 4,5.

Das Anzünden funktionierte bei allen Modellen gleich gut. Die Heizdauer bis zum Erreichen der Grilliertemperatur betrug 15 (Instant Grill) bis 25 Minuten (Agip-Einweg-Grill). Auffallend: Die Angaben der Hersteller sind in diesem Punkt oft ungenau. Grillbox gibt an, es dauere 30 Minuten, bis die Grilltemperatur erreicht sei. Im Test waren es nur 19 Minuten. Umgekehrt waren beim Agip-Grill 15 Minuten angegeben, tatsächlich dauerte es 25 Minuten.


Entsorgung: Aluschale kann sehr lange heiss bleiben

Bei drei Modellen verglühen die Holzkohlen sehr schnell. Die prämierte Grillmeisterin Myriam Hofer kritisiert, dass bei den Grills von Migros, Migrolino und Coop die Hitze nach 1,5 Stunden nicht einmal mehr ausreicht, um ein dünnes Merguez-Würstchen zu grillieren. 

Der Test zeigt: Die Käufer müssen entscheiden, ob sie einen Grill mit lange andauernder, aber mässiger Leistung wollen oder ein Modell, das kräftig heizt, dafür nach 90 Minuten unbrauchbar ist. 

Und wohin mit dem Grill, wenn das Picknick beendet ist? Patrick Frasserenvon der Waadtländischen Gebäudeversicherung empfiehlt, die Schale zuerst mit Wasser abzukühlen und danach zu testen, ob das Gerät nicht mehr heiss ist. Alu kann bis zu 48 Stunden Wärme abgeben. 

Der Grill soll erst entsorgt werden, wenn er abgekühlt ist. Sonst ist es besser, ihn auf eine nicht brennbare Oberfläche zu stellen. Laut Migros sollten nur die Asche und die Holzkohlenreste im Abfall landen, der Rest gehört in eine Metallsammelstelle. 


Umwelt: Alternativen zum Wegwerfgrill

Die Schweizer Umwelt­organisation Summit Foundation mit Sitz in Vevey VD kritisiert Wegwerfgrills aus Gründen des Umweltschutzes. Sie empfiehlt stattdessen ­mitnehmbare Picknick­grills zu kaufen, die man während mehrerer Jahre verwenden kann. Coop Bau + Hobby verkauft beispielsweise einen Holzkohlegrill für unterwegs für Fr. 15.95. Migros Do It + Garden führt zwei Kleingrill-Modelle, die Fr. 7.75 beziehungsweise Fr. 16.50 kosten. 

Der Nachteil: Kohle und Anzünder muss man separat kaufen und transportieren. Bei den letzten beiden Produkten braucht es zudem eine Feuerstelle.


So wurde getestet

  • Sicherheit: Patrick Frasseren, Experte bei der Waadtländer Gebäude- und Feuerversicherung, untersuchte die Sicherheit der Grills. Er studierte ihre Konstruktion (Stabilität der Grillschalenstützen), die Anzündweise sowie die Anleitungen auf der Verpackung. Sind die Informationen komplett, verständlich und gut sichtbar aufgedruckt? Werden Sicherheitsvorkehrungen empfohlen?
  • Grillierleistung: Myriam Hofer, zweifache Grillmeisterin, sowie Rémy und Viviane Pochon vom Barbecue-Service Fines Gueules in der Nähe des Neuenburgersees nahmen die Geräte in Betrieb und grillierten je eine Kalbsbratwurst, zwei Merguez-Würstchen sowie ein Schweinsplätzchen. Die Experten testeten auch die Qualität der Grills. Ist der Rost genügend gross und stabil? Wie ist der Abstand zur Glut? Klebt das Grillgut am Rost? Ist die Holzkohle gut in der Schale verteilt und diese solide gebaut? 
  • Grillierleistung nach 1,5 Stunden: Die Experten prüften, ob 90 Minuten nach dem Anzünden noch grilliert werden kann. War es nicht mehr möglich, eine Merguez-Wurst in 30 Minuten zu braten, gab es bei der Grillierleistung eine Note Abzug. 
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