Nur zwei coole Schalen für junge Skisportler

K-Tipp 01/2010 vom

von

Zwei Skihelme machen das Rennen: Sie schützen Kopf und Hals relativ gut. Bei den übrigen hapert es bei der Sicherheit, zum Teil auch bei Komfort und Handhabung.

Eines ist klar: Ein Helm ist besser als gar keiner – sogar wenn er die Sicherheitskriterien nur knapp erfüllt. Doch Kinder und Jugendliche tragen einen Helm nur dann ohne Murren, wenn er bequem und einfach zu bedienen ist. Welche Helme alle Anforderungen erfüllen, haben der K-Tipp und die österreichische Konsumentenschutzorganisation VKI untersuchen lassen. Zwölf Jugendliche bewerteten Handhabung und Komfort, im Labor wurden die Sicherheitstests durchgeführt (Stossdämpfung, Stichfestigkeit gegen Skistöcke, Kinnriemen – siehe unten «So wurde getestet»). Geprüft wurde nach den aktuellen Normen für Skihelme. In zwei Punkten hat das Labor die Anforderungen jedoch verschärft:

  • Die Durchstichfestigkeit hat es nach den Vorgaben für Rennskihelme (Klasse A) getestet statt nach den neuen, abgeschwächten Anforderungen an Helme für Freizeitfahrer (Klasse B). Der Test für Helme der Klasse B simuliert nämlich einen Aufprall mit einer Geschwindigkeit von knapp 10 km/h. Das ist viel zu langsam. Selbst das Tempo für Klasse-A-Helme von 14 km/h, wie es im Test angewendet wurde, ist noch unrealistisch tief.
  • Damit sich der Helm bei einem Sturz nicht vom Kopf löst, muss der Kinnriemen gut verankert sein. Das verlangt die Norm. Zusätzlich hat das Labor auch Folgendes gemessen: Löst sich der Helm, wenn eine Kraft von mehr als 100 Kilo am Kinnriemen reisst? Diese Vorschrift gilt zwar nicht für Ski-, jedoch für Arbeitshelme, um Hals- und Nackenverletzungen zu verhindern.



Zwei der Helme auf dem Podest...

Die Resultate: Zwei der neun Helme bestehen die härteren Tests problemlos und erreichen in sämtlichen Prüfkriterien gute Noten: Giro Slingshot und Uvex X-Ride junior. Die restlichen Helme sind «genügend». Bei den Modellen von Carrera, Alpina und R.E.D. genügt die Durchstichfestigkeit den härteren Anforderungen des Tests nicht. Und bei vielen Helmen ist das Haltesystem des Kinnriemens so widerstandfähig, dass dieses auch unter grösster Belastung nicht nachgibt. Das gilt für die  Testprodukte von Salomon, Head, Scott, Carrera und Alpina. Sehr gut ist dafür das Haltesystem von Casco Snow Shield: Der Bändel ist gut im Helm verankert, reisst aber bei grossen Belastungen aus, um Verletzungen am Hals zu verhindern.


...doch auch sie haben Nachteile

Wie so oft steckt der Teufel auch hier im Detail: Bei den zwei «guten» Kinderhelmen ist die Schnellverstellung unpraktisch. Die Rädchen, mit denen das Kinnband verstellt wird, sind schwer zugänglich. Die Bedienung mit Handschuhen ist nahezu unmöglich. Und: Bei fast allen Helmen überzeugten die Belüftungsöffnungen im Praxistest nicht. Im Gegensatz zu Erwachsenenhelmen sind die Öffnungen nicht verschliessbar, ausser beim Scott Shadow.

Das kann bei Kälte und Schneefall unangenehm sein. Überhaupt sind die Jugendlichen der Meinung, die Helmbelüftung bringe nicht sehr viel. Schädliche Inhaltsstoffe kommen nur in sehr geringen Mengen vor. Einzig der Helm von Scott enthielt so viel des Weichmachers Diisobutylphthalat, dass er geringfügig abgewertet wurde. Dieser Stoff steht im Verdacht, Organe und Erbgut zu schädigen. 


So wurde getestet

  • Stossdämpfung: Wie gut dämpft der Skihelm bei einem Sturz auf eisigen Boden? Der Aufprall entspricht einem Tempo von rund 20 km/h.
  • Durchstichfestigkeit: Schützt der Helm gegen spitze Gegenstände wie Skispitzen, Skistöcke und Äste? Tempo: knapp 14 km/h.
  • Haltesystem: Halten der Kinnriemen und seine Verankerung, damit der Helm bei einem Aufprall auf dem Kopf bleibt? Löst sich der Riemen bei extremer Belastung, um Halsverletzungen zu vermeiden?
  • Verarbeitungsqualität: Sind Helmschale, Innenmaterial, Nähte und Riemenbefestigung gut verarbeitet? Das Innenfutter wurde in 12 800 Zyklen nass und 25 600-mal trocken gescheuert, um die Abriebfestigkeit zu überprüfen.
  • Sehen/hören: Schränkt der Helm Gesichtsfeld und Hörfähigkeit nicht zu sehr ein?
  • Handhabung: Zwölf Jugendliche prüften die Praxistauglichkeit der Helme: Lässt sich der Helm einfach anpassen, aufsetzen, ausziehen? Funktioniert die Schnellverstellung, ist die Belüftung ausreichend? Ist der Helm auch für Langhaarige bequem und mit Skibrille gut benutzbar?
  • Schadstoffe: Enthält das Innenmaterial schädliche Weichmacher (Phthalate), Flammschutzmittel oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)?


Aktueller Test «Skihelme für Erwachsene»: K-Tipp 20/09.

0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Skihelme: Auch nach 14 Jahren gut geschützt

Skihelme: Gefahr durch Kinnriemen

Skihelme im Test: Gefährliche Kinnriemen