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Gesundheitstipp 03/2019 vom

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Umweltgifte, riskante Pillen oder unnötige Therapien – der Gesundheitstipp greift seit der Erstausgabe im März 1994 brisante Themen auf. Einige Beispiele.

1996: Riskante Hormone in den Wechseljahren

Fast jede Frau schluckte 1996 Hormone – von den Wechseljahren bis ans Ende ihres Lebens. Ärzte versprachen starke Knochen und Schutz fürs Herz. Als eine der ersten Zeitschriften berichtete der Puls-Tip in der Dezemberausgabe auch über die ­Gefahren: «Das Risiko für Brustkrebs kann sich erhöhen», warnten Experten. Wenige Jahre später wurden die ­Befürchtungen wahr. Forscher mussten Studien abbrechen, weil Frauen wegen der Hormone Brustkrebs und Herz­infarkt bekamten.

Die Folgen: Heute verschreiben Ärzte Hormonpillen nur bei sehr star­ken Wechseljahrbeschwerden – für kurze Zeit und in ­geringer ­Menge.

1998: Die Misserfolge der Mammografie 

Ärzte forderten, dass alle Frauen regelmässig die Brüste röntgen lassen, um Krebs früh­zeitig zu erkennen. Doch 1998 kritisierten Fachleute die Massentests in der Juni-/Juli-Aus­gabe des Puls-Tip als «Panik­mache». Mammografien würden zu oft falschen Alarm auslösen. Das verängstige Frauen und führe zu unnötigen Eingriffen. Mehr noch: Auch der Nutzen sei fraglich, wie der Puls-Tip in der Ausgabe vom Mai 2000 nach­doppelte. Ärzte würden ihn als viel zu positiv darstellen.

Die Folgen: Bis heute wiesen Befürworter nicht nach, dass Mammografieprogramme mehr nützen als schaden. Viele Kantone verzichten deshalb darauf. Auch das Expertengremium «Swiss Medical Board» rät von den Massentests ab.

2005: Die Risiken von Elektrosmog

Experten warnten, dass Elektro­smog Krebs fördern kann. Der ­Gesundheitstipp schickte deshalb einen Baubiologen in Wohnhäuser neben Hochspannungsleitungen, um den Elektrosmog zu messen. Mehr als die Hälfte war so stark belastet, dass der Experte riet: «Die Bewohner sollten ausziehen.» Dies stand in der Ausgabe vom November 2005.

Die Folgen: Heute verlegen Stromanbieter Hochspannungsleitungen teilweise im Boden, aktuell im Fricktal. Doch noch immer sind Wohnhäuser Elektrosmog ausge­liefert – durch Stromleitungen der Bahn, wie der Gesundheitstipp im November 2017 berichtete.

2006: Giftiges Uran im Mineralwasser

In den meisten Mineralwassersorten hat es giftiges Uran. Das zeigte eine Stichprobe des Gesundheits­tipp im Juni 2006. Besonders viel enthielt das Wasser «Zürcher Mineral» – fast 16 Mikrogramm. «Das ist ein ex­trem ­hoher Wert», kriti­sierte der deutsche Uran-Experte Ewald Schnug. Er würde das nicht trinken. Auch im Trinkwasser stecken teils bedenkliche Mengen, zum Beispiel in Bergün GR. Dies belegte die Auswertung einer Leseraktion in der Ausgabe vom November 2006. Leserinnen und Leser hatten rund 600 Wasserproben eingeschickt.

Die Folgen: Der Gesundheitstipp wertete die Daten aus und veröffentlichte sie als Merkblatt «Uran im Trinkwasser». Das stark belastete «Zürcher Mineral» verschwand vom Markt.

2008: Fragwürdige Gentests im Internet

Vor gut zehn Jahren begannen  US-Firmen wie «23 and me» Gentests übers Internet zu verkaufen. Die damals 39-jährige Silvie Gamez aus Wald ZH und der 29-jährige Sven Würsch aus ­Beckenried NW machten für den Gesundheitstipp den Test und liessen ihr Genprofil erstellen. Die Profile sollten das Risiko für Krebs, Rheuma und andere Krankheiten aufzeigen. Nicht nur die nötige Fachberatung fehlte. In der Mai-­Ausgabe 2008 veröffentlichte der Gesundheitstipp die Testresultate: Sie verwirrten mehr als dass sie nützten. Gen-Fachmann Hansjakob Müller kommentierte sie damals: «Ich rate jedem, die ­Finger davon zu lassen.»

Die Folgen: Im vergangenen Jahr passte das Parlament das ­Gesetz über genetische Unter­suchungen an. Es verbietet Firmen, im Internet Tests zu Krankheits­risiken zu verkaufen.

2008: Petition gegen künstliche Farbstoffe 

 Für Kleinkinder sind gewisse künstliche Farbstoffe in Lebensmitteln riskant. Sie verstecken sich hinter E-Nummern. Die Stoffe ­machen hyper­aktiv und lösen Allergien aus. Der Gesundheitstipp fand sie in fast ­allem, was Kindern schmeckt: in Glaces, Bonbons, Fruchtgummis und Sirup. Er lancierte in der November-­Ausgabe 2008 eine Petition für ein Verbot der künstlichen Farb­stoffe. 42000 Leserinnen und Leser unterschrieben. Auch Politiker unter­stützten die Petition.

Die Folgen: Bundesrat Pascal Couchepin nahm die Petition zwar entgegen, hielt ein Verbot aber für unnötig. Dafür reagierten die Hersteller: Sie setzen heute auf natür­liche Farben. Einzig Fruchtgummis im Offenverkauf sind noch ein Problem. Dies zeigte ein Test im Gesundheitstipp vom April 2018.

2009: Rodelbahnen – das Risiko fährt mit

Auf Sommer-Rodelbahnen passierten immer wieder Unfälle. Deshalb prüfte der Gesundheitstipp im Juni 2009 mit dem Tüv-Experten ­Matthias Geissler zehn Rodel­anlagen in der Schweiz. Jede zweite wies gravierende Mängel auf. Am schlimmsten war die Rodelbahn in Filzbach GL: «Wer hier stürzt, kann sich schwer verletzen», sagte Geissler. Die Heimweh­fluh-Bahn in Inter­laken BE schnitt ebenfalls schlecht ab. Ein Jahr nach dem Test kam es auf der Bahn zu einem tödlichen ­Unfall.

Die Folgen: Der Kanton Glarus entzog der Rodelbahn in Filzbach 2010 die Bewilligung. Im Fall der  Heimwehfluh-Bahn urteilte die Berner Justiz, dass die Betreiber am Unfall keine Schuld treffe.

2012: Unkrautgift Glyphosat im Essen

Glyphosat ist eines der am häufigsten eingesetzten Pesti­zide weltweit. Der Gesundheitstipp fand in einem Test vom Juni 2012 Rückstände des ­Un­krautvertilgers in Linsen aus Nord­amerika. 12 von 30 Schweizer Bieren sind auch be­lastet (Ausgabe April 2016). Der wahrscheinlich krebserregende Stoff gelangt übers Essen in den Körper. Bei jedem zweiten Schweizer ist er im Urin nachweisbar. Dies ergab eine wei­tere Stichprobe. «Das ist äusserst beun­ruhigend», sagten Experten. 

Die Folgen: Glyphosat steht weltweit in der Kritik. Die EU verlängerte die Bewilligung nach langen Diskussionen für fünf Jahre. In der Schweiz sank der Verbrauch des Unkrautgifts um rund ein Drittel.

2017: Riskante Stoffe im Fisch

Lachs, Wolfsbarsch und auch Forellen aus Zucht seien oft mit dem Pestizid Etho­xyquin belastet, kriti­sierte die Umweltorganisation Greenpeace. Es gibt Hinweise, dass der Stoff Krebs erzeugt. Der Gesundheitstipp liess deshalb für die März-Ausgabe 20 Zuchtfische im Labor testen. Resultat: Das Gift steckte in 17 Produkten. Besonders viel davon enthielt norwegischer Lachs. Doch auch Forellen aus Schweizer Zucht wie zum Beispiel die Brüggli-Forellen aus Sattel SZ waren betroffen. Ethoxyquin gelangt als Konservierungsmittel des Futters in die Fische. Susanne ­Hagen von Fair-Fish, dem Verein für nachhaltige Fischerei, sagt: «Der Stoff gehört nicht in Lebensmittel.»

Die Folgen: Wenig später entschied die EU: Hersteller müssen nachweisen, dass Ethoxyquin für die Konsumenten unbedenklich ist. Sonst wird der Stoff im Fischfutter ab 2020 verboten.Sonja Marti

«Macht weiter wie bisher!»

Fachleute und Prominente gratulieren dem Gesundheitstipp

«In der Schweiz sind ­Ärzte, Pharmafirmen und Spitäler stark mit­einander verbandelt. ­Unabhängige Akteure wie der Gesundheitstipp sind deshalb wichtig. Ich wünsche dem ­Gesundheitstipp, dass er seine Unabhängigkeit ­bewahren kann.»

Sara Stalder, Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

«Der Gesundheitstipp ­recherchiert gut und ­ausgewogen. Die Fachleute im ­Gesundheitstipp geben zudem uneigennützig Auskunft. Ihr ­Beitrag ist ein echter Dienst an der ­öffentlichen ­Gesundheit.»

Thierry Carrel, Herzchirurg, Inselspital Bern

«Für mich als Ärztin ist der Gesundheitstipp sehr wichtig. Denn er ­berichtet kritisch über neue Methoden aus der Schönheitschirurgie. Das unterstützt mich in der Entscheidung, ­welche Techniken ich in mein ­Angebot ­aufnehmen will.» 

Cynthia Wolfensberger, Schönheitschirurgin, Zürich

«Der Gesundheitstipp ist wichtig für die Medienlandschaft in der Schweiz. Er informiert die Leser gut und kritisch über Gesundheitsthemen. ­Dieses Wissen hilft auch uns Fachleuten: Wir schätzen gut ­informierte Patienten.»

Jürg Schlup, Präsident FMH Verbindung Schweizerischer Ärztinnen und Ärzte

«Der ­Gesundheitstipp berichtet lustvoll und leicht über Themen wie Sport oder Ernährung. Gerne erinnere ich mich daran, wie er ohne Voranmeldung bei Pro­mi­s Küchenlappen einsammelte und sie auf Keime testete. ­Unser ­Lappen war am saubersten. Wir bekamen viele ­Rückmeldungen.»

Urs Kliby, Bauchredner

«Der Gesundheitstipp nimmt uns Kranken­versicherer oft kritisch ­unter die Lupe. Und ­konstruktive Kritik ist für uns positiv. Sie hilft uns, unseren Service so anzupassen, dass unsere Ver­sicherten zufrieden sind.»

Nikolai Dittli, CEO Concordia

«Der Gesundheitstipp ist eine wichtige Infor­mationsquelle für alle ­Patienten. Denn im Gesundheits­bereich ist unabhängige Bericht­erstattung selten. Macht weiter wie bisher!»

Barbara Züst, Geschäftsführerin SPO Patientenschutz

«Über vegetarische und vegane Ernährung gibt es viel Halbwissen und ­Irrglauben. Ich begrüsse es, dass der Gesundheits­tipp sauber recherchiert und sich auf wissenschaftliche Fakten stützt.»

Rolf Hiltl, Inhaber/Geschäftsführer Vegi-Restaurants

«Wenn es Anlass zu Kritik gibt, sollen die Medien kritisieren dürfen. Die Leistungen der Helsana waren verschiedentlich Teil der Berichterstattung im Gesundheitstipp. Aber offen gesagt: Ich fand  es nicht immer gelungen.»

Daniel H. Schmutz, CEO Helsana

«Wir schätzen die ­unabhängige Bericht­erstattung des Gesundheitstipp. Ich wünsche ihm weiterhin den Mut und die Kraft, wichtige Themen aufzugreifen und von allen Seiten zu beleuchten!»

Andrea Weber-Käser, Geschäftsleiterin Hebammenverband

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