Sonnenschutz zum Anziehen

K-Tipp 12/2004 vom

von

Der K-Tipp hat 13 Hemden und Shirts mit UV-Schutz getestet. 9 erreichten den angegebenen Schutzfaktor nicht. Ein normales T-Shirt hingegen glänzte mit maximalem Schutz.

Was in Australien längst normal ist, macht nun auch in der Schweiz Schule: Spezial-Textilien mit deklariertem Sonnenschutzfaktor sollen einen besseren UV-Schutz garantieren als normale Kleider. Ein Test des K-Tipp zeigt allerdings, dass nicht nur teure, speziell behandelte Hemden und Leibchen die Haut hervorragend vor Strahlen schützen können.

Der Beweis: Ein einfaches, dunkelblaues Leibchen aus der Migros für 9 Franken, Marke Authentic Wear, bietet einen ausgezeichneten Sonnenschutz (UV-Faktor 50). Das zeigt, wie gut Kleidung überhaupt als Sonnenschutz dienen kann.

Trotzdem sind Kleider mit Sonnenschutzfaktor mehr als ein Marketinggag der Hersteller. Da bei normalen Kleidern ein Hinweis auf den Sonnenschutzfaktor fehlt, ist die Deklaration des tatsächlichen Schutzfaktors eine Kaufhilfe. Denn viele konventionelle Kleidungsstücke schützen nur mässig gegen UV-Strahlen.
«Sinnvoll sind Kleider mit deklariertem UV-Schutz vor allem für hellhäutige Menschen sowie für Kinder, da deren natürlicher Schutzmechanismus gegen Sonnenstrahlen noch nicht ausreichend ausgebildet ist», sagt Ruth Barbezat, Hautschutz-Verantwortliche bei der Krebsliga. Sonnenschutz-Experte Martin Camenzind von der Empa ergänzt: «Erst recht bei langem Aufenthalt an der Sonne macht spezielle Kleidung Sinn, etwa bei der Gartenarbeit oder auf Wanderungen in den Bergen.»


Hersteller versprechen mehr, als sie halten

Schutz der Haut vor UV-Strahlung ist nötiger denn je. Die Zahlen sind in der Tat alarmierend: Jährlich erkranken über 10 000 Schweizer an Hautkrebs. Für 1600 davon bedeutet dies gar Lebensgefahr: Sie leiden an einem bösartigen Melanom. In 20 Prozent dieser Fälle endet die Krankheit tödlich. Und die Tendenz der Melanom-Fälle ist klar steigend.

Es sind denn auch vor allem die Outdoor-Anbieter, die Kleider mit UV-Schutz im Sortiment haben. Die Textilien sind dichter gewoben als normale Stoffe, sie bestehen aus (Kunst-)Fasern, die die UV-Strahlung «schlucken», oder sie wurden chemisch behandelt. Die Hersteller versprechen hochtrabend Schutzfaktoren von 30, 40 oder gar 50. Sind diese Werte nach dem australischen Standard deklariert, sind sie strenger als die bekannten Schutzfaktoren von Sonnencremen.

Der K-Tipp liess 13 Hemden, T-Shirts und Blusen im Labor STR Testing & Inspection in Steinach SG darauf untersuchen, ob der deklarierte UV-Schutz nach australischem Standard eingehalten ist. STR testete die Kleider im Neuzustand und nach zehnmal Waschen.
Höchst unerfreulich: Gerade einmal 4 der 13 Kleidungsstücke erfüllten das Versprechen, die übrigen 9 erreichten den angegebenen Schutz nicht. Drei davon waren «ungenügend»:
- Das Salewa-Kinderhemd Madara Kid erreicht mit den gemessenen Werten nicht einmal den UV-Faktor 15, der unterste Wert, der nach australischer Norm als Sonnenschutz gilt. Versprochen wird aber ein Schutzfaktor 30.

Jürg Buschor, Salewa-Mediensprecher, schreibt dem K-Tipp: «Wir haben uns beim UV-Schutz auf die Angaben der Lieferanten verlassen.» Nun wolle Salewa diese Angaben mit eigenen Tests besser überprüfen.
- Nicht besser sieht es bei der Bluse «Ruth» von Schöffel aus. Auch hier von einem UV-Schutz keine Spur. Das Versprechen: Faktor 25.

Schöffel reagiert: «Das Hemd wird nicht mehr mit der Etikette ausgeliefert, die einen UV-Schutz verspricht», schreibt Produktemanager Stefan Lörke. Auch habe man die Händler gebeten, die Etiketten in den Läden zu entfernen. «Wir werden die eingesetzten Stoffe in Zukunft systematisch kontrollieren.»
- Beim Herrenhemd HS Hot Sportswear von Ochsner Sport war der Sonnenschutz nach zehnmal Waschen weggespült. Aber auch im Neuzustand erreichte es nur einen Faktor von 20 statt der versprochenen 40.


Weisses Shirt schützt nur mit Faktor 2

Laut Dieter Bisinger von Hot Sportswear stammt das Hemd aus der Kollektion 2003. Er vermutet, die UV-Wirkung sei verloren gegangen, weil es im Laden über lange Zeit Neonlicht ausgesetzt gewesen sei.

Sechs weitere Hemden und Shirts sind zwar immerhin Sonnenschutzkleider - sie greifen aber in ihren Versprechen zu hoch. Je nach UV-Schutz wurden sie als «gut» oder «genügend» eingestuft.

Die Besten: Zwei Shirts aus der Migros für Jugendliche, ein Hemd von Vaude und ein Herren-Leibchen von Schöffel hielten den angegebenen Sonnenschutz tadellos ein.

Neben dem eingangs genannten dunkelblauen Leibchen hat der K-Tipp drei weitere Kleidungsstücke ohne deklarierten UV-Schutz zum Vergleich mitgetestet.
- Leibchen «Kakadu» (Fr. 79.90) und Kurzarmhemd «Alaska» (Fr. 99.90) von Odlo schützen nicht besser als die drei «ungenügenden» Kleidungsstücke im Test.
- Ein weisses Migros-T-Shirt für 8 Franken, Marke Authentic Wear, filtert UV-Strahlung kaum. Sein UV-Schutz liegt lediglich bei Faktor 2.



Optimaler Sonnenschutz

Diese goldenen Regeln müssen Sonnenanbeter beachten, um ihre Haut zu schützen.

- Dunkle Kleider schützen besser als helle, und weite sind besser als eng anliegende.
- Dicht gewobene Kleidungsstücke halten UV-Strahlen besser ab als dünne. Einfacher Test: Gegen das Licht halten. Je mehr Licht durchdringt, desto durchlässiger sind die Kleidungsstücke für Sonnenstrahlung.
- Meiden Sie die Sonne vor allem zur Mittagszeit.
- Der Schutzfaktor bedeutet, dass die Eigenschutzzeit der Haut um den entsprechenden Faktor verlängert wird.
- Hautstellen, die nicht durch Kleidung geschützt sind, gut mit Sonnenschutzmittel einreiben (s. auch S. 19).
- Badekleider mit Sonnenschutzfaktor sind für Kinder sinnvoll: Neben besserer UV-Filterung decken sie meist auch mehr Haut ab als normale Badekleider.
- Auch im Schatten wird man braun, wenn auch langsamer. Geben Sie Ihrer Haut die Chance, sich langsam an die Strahlung zu gewöhnen.
- Untersuchen Sie Ihre Haut selber, und zwar regelmässig. Gehen Sie bei auffälligen Hautveränderungen zum Arzt. Broschüre dazu erhältlich bei der Krebsliga, Tel. 031 389 91 00, oder im Internet: www.swisscancer.ch.
- Je heller die Haut, desto nötiger der Schutz. Hauttyp im Internet bestimmen: www.hauttyp.ch.

(rom)

Unter www.ktipp.ch finden Sie sämtliche Tests aus dem K-Tipp seit Januar 2000. Der Bezug eines Tests im PDF-Format (inkl. Tabellen) kostet 3 Franken.
0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Mit Licht und Tönen Einbrecher abschrecken

Kondome schützen nicht vor Schadstoffen

Keine Bügelhilfe macht die Hemden ganz faltenfrei