Sparpläne: Mit Fonds klappt der Vermögensaufbau

K-Geld 02/2012 vom

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Regelmässig einen Sparbetrag in einen Fonds stecken – das kann sinnvoll sein. Besonders transparent und günstig sind Sparpläne mit Indexfonds. K-Geld sagt, für wen sie sich eignen und was sie kosten.

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, kann regelmässig einen Teil seines Lohns auf ein Sparkonto einzahlen. Sein Kapital vermehrt sich so über die Jahre dank Zins und Zinseszins – und das ohne Risiko.

Ein Sparer kann sein Geld stattdessen in ­einen Fondssparplan ­einer Bank oder Versicherung einzahlen. Entwickeln sich die Fonds dank steigender Börsen positiv, gewinnt auch der Fondssparer. Der Nachteil: Banken und Versicherungen investieren den Sparbatzen ihrer Kunden meist in aktiv, von teuren Managern verwaltete An­lagefonds. Gemäss einer Studie des Fondsanalysten Lipper vom Oktober 2011 zahlen Anleger für aktiv ­gemanagte Aktienfonds in Europa im Schnitt 2,07 Prozent Gebühren pro Jahr. So teure Fonds schmälern den allfälligen Ertrag des Sparers also empfindlich.

Doch es gibt Auswege: Zwei Schweizer Finanz­institute bieten Anlegern neuartige Sparpläne mit viel günstigeren Indexfonds an. Es sind der Online-Börsenhändler Swissquote und das VZ Vermögenszentrum (VZ Depotbank). Börsengehandelte Indexfonds – auch Exchange Traded Funds (ETF) genannt – sind ein einfach verständ­licher und günstiger Baustein für den Vermögensaufbau.

Anleger kaufen mit einem ETF einen ganzen Börsenindex, etwa den Swiss Market Index (SMI). Gewinnt der Index an Wert, passiert dasselbe beim Fondsanteilschein. Der Hauptvorteil der ETF: das teure Fondsmanagement entfällt. Die von UBS und Credit Suisse angebotenen ETF auf den Schweizer Leitindex SMI zum ­Beispiel haben jährliche Gesamtkosten von nur 0,35 Prozent bzw. 0,39 Prozent. Hinzu kommt: Viele Indexfonds schnitten in den letzten fünf Jahren auch bei der Rendite besser ab als aktiv verwaltete Anlagefonds (siehe K-Geld 1/2012).


Anlagestrategien:  Von relativ sicher bis hoch riskant

Doch was umfasst das Angebot? Die Online-Bank Swissquote bietet 70 bis 90 ETF zur individuellen Auswahl an. Der Anleger kann aber auch aus vier vorgegebenen Anlagestrategien auswählen. Sie bestehen jeweils aus fünf bis zehn verschiedenen ETF-Titeln.


Die vier Strategien von Swissquote sind:

  • Defender
    Anlagestrategie mit eher tiefem Risiko. Anlagefokus: Obligationen-ETF
  • Emerging & Energy
    Eine wachstumsorientierte, risikoreiche Anlagestrategie. Anlagefokus: ETF der Schwellenländer
  • Europe Equity
    Wachstumsorientierte, risikoreiche Anlagestrategie. Anlagefokus: ETF auf europäische Aktien
  • Swiss Balanced
    Ausgewogene Anlagestrategie mit mittlerem Risiko. Anlagefokus: ETF nicht nur auf Aktien, sondern auch auf Obligationen


Anders als Swissquote bietet das VZ keine fesgelegten Anlagestrategien an, sondern definiert diese beim Start des Sparplans zusammen mit dem Kunden. Das Anlageuniversum des VZ besteht aus einer Auswahl der rund 800 an der Schweizer Börse gehandelten ETF und umfasst rund 70 Titel für 14 Anlagekategorien.


Kein Zwang, regelmässig ­einzuzahlen

Marc Weber, Geschäftsführer der VZ Depotbank, erklärt die Selektion: «Wir vergleichen unter anderem die Renditen und die Kosten innerhalb der einzel-nen Kategorien. Wichtig ist uns, dass nur ETF im Angebot sind, die an der Börse wirklich problemlos gehandelt werden können.» Speziell beim VZ ist das regelmässige Ausbalancieren des Depots: Am Ende eines Quartals wird der ETF-Mix so ausgeglichen, dass er der ­ursprünglich gewünschten Anlagestrategie entspricht. Die Kosten fürs Ausbalancieren sind durch die Depotgebühr von 0,55 Prozent pro Jahr gedeckt.

Beruhigend: Sowohl bei der VZ Depotbank als auch bei Swissquote besteht kein Zwang zu regelmässigen Einzahlungen. Der Kunde kann auch frei über die jeweilige Höhe der Einzahlungen bestimmen. Ein Fondsverkauf und eine Auflösung des Kontos ist jederzeit möglich. Die Kommunikation zwischen Bank und Kunde erfolgt bei Swissquote übers Internet, beim VZ auch per Telefon. Wer Beratung wünscht, erhält sie bei beiden Anbietern per Telefon.

Die Kosten der ETF-Sparpläne werden auf sehr unterschiedliche Weise berechnet:

  • Bei der VZ Depotbank sind es jährlich 0,55 Prozent der Anlagesumme.
  • Bei Swissquote sind es 9 Franken pro ETF-Kauf, bzw. pro Strategie. Beim Verkauf fallen wieder 9 Franken je ETF an. Weil die einzelnen Strategien von Swissquote jeweils fünf bis zehn Titel enthalten, kommt der Verkauf einer «Strategie» auf 45 bis 90 Franken zu stehen. Hinzu kommen indirekte Fondskosten bei ETF – sie werden aber dem Fonds­ver- mögen belastet, also nicht direkt dem Anleger. Sie belaufen sich je nach ETF-Typ auf 0,2 bis 0,8 Prozent pro Jahr (siehe Tabelle).



Wer selber Fonds kauft, zahlt hohe Gebühren

Welcher der beiden angebotenen ETF-Fondssparpläne ist günstiger? Eine genaue Antwort darauf kann es nicht geben, da der Wert der ETF von den Börsenentwicklungen abhängt. Für Sparpläne unter 400 Franken pro Monat und  mit ­einem Anlagehorizont von zehn Jahren ist nach Berechnungen von K-Geld das Gebührenmodell des VZ Vermögenszentrums vorteilhafter. Wer monatlich mehr als 400 Franken einzahlt, für den ist die Gebührenstruktur von Swissquote langfristig attraktiver. 

Eine Alternative zu einem Sparplan wäre es, selber in ­regelmässigen Abständen ETF in sein Bankdepot zu legen – z. B. dreimal pro Jahr für 1000 Franken ETF kaufen. Dieses Vorgehen wäre aber nur schon wegen der Transak­tions­gebühren deutlich teurer und ist darum nicht zu empfehlen. Beispiel: Bei der Zürcher Kantonalbank fiele bei jedem Kauf eine Börsengebühr (Courtage) von mindestens 50 Franken an. Hinzu kämen 0,12 Prozent oder mindestens 36 Franken jährlich für die Depotführung.

Fazit: Ob die neuen Sparpläne mit Indexfonds mehr Rendite abwerfen als solche mit aktiven Fonds, wird sich erst in ­einigen Jahren zeigen. «Passive» Fonds­spar­pläne sind zumindest punkto Kosten schon heute die bessere Wahl. Fragt sich nur, warum nur zwei Banken ETF-Fondssparpläne anbieten. Damian Gliott von der Vermögenspartner AG in Winterthur sagt: «Zum einen ist das Führen von ETF-Sparplänen für die Banken aufwendig. Zum andern sind Anleger, die monatlich nur wenige hundert Franken sparen können, für Banken wenig interessant.»     


Tipps: Sparpläne eignen sich nicht für Anleger, die das Geld bald wieder brauchen

  • An den Börsen kann man auch viel Geld verlieren. Wer pro Monat nur wenige hundert Franken auf die Seite legen kann und Sicherheit will, legt sein Geld besser auf ein gut verzinstes Sparkonto.
  • ETF-Fondssparpläne eignen sich sehr gut für Sparer, die Schritt für Schritt mit relativ wenig Geld ein diversifiziertes Wertschriftendepot aufbauen möchten.
  • ETF-Fondssparpläne eignen sich beim Sparen fürs Alter erst dann, wenn die Möglichkeiten der steuerlich bevorzugten dritten Säule ausgeschöpft sind. Beim Sparen in der dritten Säule besteht übrigens die Möglichkeit, in ein 3a-Wertschriftenkonto mit preiswerten ETF zu investieren (Details siehe Bericht auf Seite 24).
  • Wer für eine grössere Anschaffung wie ein Auto sparen will, ist nicht nur mit ETF schlecht beraten, sondern generell mit Fondssparplänen. Grund: Fonds sind den Schwankungen von Märkten und Börsen ausgesetzt. Manchmal kann es Jahre dauern, bis sich einzelne Märkte von Rückschlägen erholt haben – wenn überhaupt.
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