Todesfallrisiko: Sparpotenzial von über 4000 Franken

K-Geld 06/2010 vom

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Ein K-Geld-Vergleich zeigt: Die Prämien für Todesfallrisiko-Versicherungen sind je nach Anbieter höchst unterschiedlich. Vorsicht ist vor Beratern angezeigt, die teurere Lebensversicherungen verkaufen wollen.

Wer eine Familie finanziell zu versorgen hat, sollte seine Liebsten absichern – auch für den Fall des eigenen Todes. Der Grund: Stirbt derjenige Partner, der den Hauptanteil zum Einkommen beiträgt, können die Hinterbliebenen in finanzielle Bedrängnis geraten.

Um dies zu verhindern, wollte K-Geld-Leser Paul Rieter (46, Name geändert) aus Wädenswil ZH bei der Zürich Versicherungen eine Todesfall­risiko-Police über den Betrag von 250 000 Franken abschliessen.

Im Todesfall würde Paul Rieters Ehefrau diese Summe von der Versicherung bar auf die Hand erhalten – und könnte damit beispielsweise die Hypothekarschulden auf dem Eigenheim reduzieren.


«Der Vertreter wollte mir etwas ­aufschwatzen»

Rieter hatte von seinem Versicherungsvertreter auf Empfehlung von K-Geld hin ausdrücklich eine Offerte für eine Todesfallrisiko-Versicherung verlangt. Der Vertreter drängte Rieter aber vielmehr zum Abschluss einer teureren Lebensversicherung mit Sparteil. Rieter sagt rückblickend über den Berater: «Er wollte mir etwas aufschwatzen, wonach ich gar nicht fragte.»

K-Geld hat mehrmals ­darauf hingewiesen, dass solche Sparversicherungen aufgrund der mangelnden Transparenz, hoher Abschluss- und Provisionskosten und des Börsenrisikos in der Regel nicht empfehlenswert sind. Es ist effek-tiver, bei ­einer Bank zu ­sparen und bei der Ver­sicherung lediglich das ­Risiko zu versichern.


Nur die Basler offerierte Spar-Versicherung

Sind die Erfahrungen von Paul Rieter mit seinem Versicherungsberater ein Einzelfall? Oder empfehlen die Versicherer etwa bewusst ihre teureren Spar-Lebensversicherungen – auch wenn der Kunde ausdrücklich eine reine Todesfallrisiko-Police verlangt?   

Um das herauszufinden, hat K-Geld eine Testperson gebeten, bei den führenden Schweizer Lebensversicherern Swiss Life, Axa Winterthur, Basler, Helvetia sowie den Maklerunternehmen AWD und WNB Finanzanlagen AG Offerten für eine Todesfallrisiko-Versicherung einzuholen und sich beraten zu lassen.

Die Finanzdienstleistungsfirma AWD gehört dem Schweizer Versicherungsunternehmen Swiss Life. Die WNB zählt in Europa gemäss ­eigenen Angaben zu den grössten Vermittlern von Vorsorgeprodukten.     

Die Versicherungsvertreter meldeten sich unverzüglich nach der Offertanfrage und schlugen allesamt von sich aus ein persönliches Beratungsgespräch beim Kunden vor. Bei den Versicherungsmaklern dauerte es von der Anfrage bis zum Beratungstermin mehrere Tage.

Das Resultat: Die nega­tiven Erfahrungen von Paul Rieter haben sich nur teilweise bestätigt. Einzig der Vertreter der Basler Versicherungen präsentierte der Testperson von K-Geld eine Todesfallrisiko-Versicherung mit Sparanteil.

Auf die konkrete Frage an den Vertreter, was er denn nun empfehle, gab er sich aber zurückhaltend. «Ich empfehle gar nichts, es kommt auf Ihr Bedürfnis an», meinte er.


AWD empfahl den günstigsten Anbieter

Der AWD-Berater brachte zum Gesprächstermin zwei Offerten für Todesfall­risiko-Policen von Mobiliar und Generali mit und riet zu einem Abschluss bei Generali – und dies obwohl AWD eine Tochtergesellschaft von Swiss Life ist.

Damit hat der AWD-Berater den günstigsten Anbieter empfohlen. Die Nettoprämie bei Generali ist mit 359 Franken 9 Franken günstiger als jene von Swiss Life (siehe Tabelle im pdf-Artikel «Prämien Mann»).


Die WNB legte eine teure Offerte vor

Die WNB Finanzanlagen AG aus Stansstad NW sorgte im K-Tipp und K-Geld bereits mehrmals für negative Schlagzeilen (siehe K-Geld 5/08 und K-Tipp 9/09). So wurden in ­mehreren Fällen jungen, ungebundenen Menschen überflüssige Lebensversicherungen mit Sparanteil aufgeschwatzt.

Auch für den K-Geld-Testkunden verlief das WNB-Beratungsgespräch ungünstig. Der WNB-Berater brachte lediglich eine Offerte der Pax Versicherung für netto 575 Franken Jahresprämie mit – notabene die teuerste Versicherung im Vergleich.

Trotz dieser schlechten Offerte setzte der WNB-Berater noch einen drauf mit der Aussage: «Preislich sind wir gut dabei. Die Konkurrenz bewegt sich im ähnlichen Bereich.» Vollmundig fügte er hinzu, dass er «das beste Preis-Leistungs-Verhältnis» offeriere.

K-Geld sprach ihn auf seine Entschädigung für seine Vermittlungstätigkeit an. «Ja, die gibt es», bestätigte der Berater, die Höhe der Provision sei ihm aber unbekannt. Die WNB wollte zu dieser unvorteilhaften Beratung trotz mehrmaliger schriftlicher und telefonischer Anfrage keine Stellung beziehen.     

K-Geld fragte auch den AWD-Berater nach der Höhe seiner Entschädigung. Seine Antwort brachte wenig Licht ins Dunkel. Er wisse darüber nicht Bescheid. Seine Begründung lautet: «Die Provisionen fliessen­ allesamt in einen Topf und werden nach ­einem speziellen Schlüssel aufgeteilt.»

K-Geld hat daraufhin die erhaltenen Offerten für ­Todesfallrisiko-Policen mit Angeboten von weiteren Anbietern verglichen und auch Offerten für eine gleichaltrige Frau eingeholt. Das Ergebnis: Die Prä­mien für dieselbe Leistung sind je nach Versicherung höchst unterschiedlich.

So beträgt die Netto-Jahresprämie für den männlichen Musterkunden bei der Generali – der günstigsten Versicherung im Vergleich – 359 Franken pro Jahr. Auf Rang zwei folgt mit 368 Franken die Swiss Life. Im Mittelfeld bewegen sich im Vergleich für den Mann die Anbieter Axa-Winterthur, Zürich, Mobiliar, Allianz, Postfinance und Vaudoise. Am teuersten ist die Pax mit einer Netto­prämie von 575 Franken pro Jahr.


«Die Leistungen sind überall ­dieselben»

Diese Differenzen summieren sich mit der Zeit. Konkret: Wer bei Generali abschliesst, spart über die Laufzeit von zwanzig Jahren im Vergleich zur Pax rund 4300 Franken. «Grundsätzlich sind die Leistungen dieselben. Die teurere Versicherung ist demnach keinesfalls die bessere», betont Vorsorgeexperte Dominic Mathis vom VZ Vermögenszentrum.

Die Prämien sind nicht nur zwischen den einzelnen Anbietern höchst unterschiedlich. Differenzen ergeben sie auch aus den ­Eigenheiten der zu versichernden Person. So sind für die Anbieter der Gesundheitszustand des Antragstellers, Alter sowie Geschlecht und Beruf für die Prämienhöhe mit entscheidend. Wer beispielsweise raucht, zahlt bei fast allen Anbietern einen Zuschlag.

Generell rund 20 Prozent günstiger sind die Prämien hingegen für Frauen. Einen Aufpreis gibt es auch für den Zusatz für Prämienbefreiung bei Erwerbsun­fähigkeit.

Dieser beträgt je nach Versicherung für eine Befreiung ab drei Monaten rund 10 bis 20 Franken pro Jahr und ist sinnvoll. Damit ist man beispielsweise im Fall einer Invalidität von weiteren Prämienzahlungen befreit.


Todesfallrisiko-Versicherungen

Diese Punkte sollte man vor einem Abschluss klären:

  • Die wichtigste Frage lautet: Ist es nötig, dass jemand von einer Versicherung Geld be­kommt, wenn ich sterbe? Bei jungen Leuten ohne Kinder, Wohneigentum oder sonstige Verpflichtungen ist das meist nicht der Fall; sie müssen das Risiko Tod nicht versichern.
  • Holen Sie mehrere Offerten ein. Lassen Sie berechnen, wie viel Geld beispielsweise die Witwe oder der Witwer von AHV, Pensionskasse und Unfallversicherung im Todesfall bekäme. Deckt der Betrag nicht den ge­wünschten Lebensstandard, wählen Sie ein entsprechend höheres Todesfallkapital.
  • Versicherungsvertreter verkaufen lieber die Variante mit konstanter Versicherungssumme, weil sie so mehr Provisionen er­halten. Verlangen Sie auch Offerten für die Variante mit über die Laufzeit abnehmendem Kapital. Solchen Policen empfehlen sich, wenn das abzudeckende Risiko mit den ­Jahren abnimmt. Dies ist beispielsweise bei einer Hypothek mit regelmässiger Amor­tisation der Fall oder wenn die Kinder älter werden und die Mutter – oder allenfalls der Vater – wieder ins Berufsleben einsteigen wollen.
  • Wer Risikosportarten betreibt, sollte sich erkundigen, ob die Gesellschaft bei Grobfahrlässigkeit die Leistungen kürzt. Allenfalls ist ein Aufpreis zu bezahlen.
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Kommentare

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von Luca78 am
18.01.2011, 17:31

Kampf gegen AWD

Empfehle ich auch allen, bevor sie von der Konkurrenz beeinflusst werden!

von Jenny84 am
12.01.2011, 00:25

Danke für die Info

Ich war auch zuerst auf diesem Link, bevor ich mich von AWD beraten lies.
Gute Nacht
:-)

von Luca78 am
12.01.2011, 00:20

Jenny84

Ich kann es bestätigen, dass K-Geld, Saldo und K-Tipp nichts gegen AWD haben! Es gibt extra einen Link, heisst Warnlisten. Dort sind alle Firmen aufgelistet die abgeraten werden.

von Jenny84 am
07.01.2011, 11:00

hm..

Ich dachte auch zuerst K-Geld, Saldo und K-Tipp haben was gegen AWD..
Aber so wie es aussieht, geht es wirklich nur um einen Reporter!

von Tanja-M am
07.01.2011, 10:40

interessant

jedes mal, wenn verschiedene Firmen getestet werden, wird AWD plötzlich Testsieger. :-) Da sieht man, wann ein Reporter wirklich ein Test in der Finanzbranche machen will oder wie Herr Meierhofer nur das negative von AWD sucht!

von Jasmina am
06.01.2011, 00:34

:-)

sie haben recht ja....
:-)

von rrechsteiner am
04.01.2011, 10:44

kann man nichts machen..

am besten du abonnierst die Zeitschrift Ist wie wen man nie Zug fährt, ist auch teurer eine Einzelfahrt.

von Jasmina am
04.01.2011, 10:40

3.- pro Bericht?

muss den das so sein?
Ist schon ein bisschen teuer..

von rrechsteiner am
22.12.2010, 19:39

jasmina

muss bestätigen.. schon schade, dass man 3.- bezahlen muss.. :-(

von Jasmina am
22.12.2010, 00:22

Bericht

cooler Bericht! gut zu wissen, dass Saldo auch mal verschiedene Test macht! werde diese Zeitung auch abonieren.. Ist günstiger als einzelne download von Beiträgen..

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