Waagen: Ungenau beim Körperfett

Gesundheitstipp 09/2018 vom | aktualisiert am

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Die meisten Waagen sind beim Messen des Körperfetts nicht präzis. Ein Grund dafür: Die getesteten Geräte messen es nicht am ganzen Körper. Punkto Gewicht haben einige Produkte Mühe auf unebenen Böden.

Gut und günstig: Aber auch die ok.-Waage misst das Körperfett nicht exakt (Bild: DOMINIQUE SCHÜTZ)

Gut und günstig: Aber auch die ok.-Waage misst das Körperfett nicht exakt (Bild: DOMINIQUE SCHÜTZ)

Wer sein Gewicht im Blick haben möchte, steht ab und zu auf die Waage. Digitale Waagen zeigen die Resultate auf 100 Gramm genau an. ­Viele Geräte messen auch das Körper­fett. So sollte man feststellen können, ob eine Diät tatsächlich den Fettanteil im Körper reduziert oder ob nur Muskelmasse verschwindet. Ein Abbau der Muskeln kann der Gesundheit schaden. 

Doch stimmen die Angaben der ­Waagen? Der Gesundheitstipp liess wzehn Modelle im Labor untersuchen (siehe «So wurde getestet»). Alle lassen sich mit maximal 150 bis 180 Kilogramm belasten.

Das Resultat: Testsieger ist die Medisana-Waage «BS440 Connect» für Fr. 73.55. Doch auch die günstigste getestete Waage ist gut: Das Produkt der Media-Markt-Eigenmarke ok. kostet nur Fr. 19.95. Ungenügend ist «Body Fit» von Caso. 

Die präzisesten Angaben zum Gewicht liefert der Testsieger von Medisana. Auch die Modelle von ok., Nokia und Mio Star sind sehr gut. Nicht so «Body Fit» von Caso: Auf leicht unebenem Untergrund weicht sie bei einer Belastung mit 60 kg um rund 900 g ab – Urteil: ungenügend (siehe Tabelle im PDF).

Beim Messen des Körperfetts war hingegen keine der Waagen gut. Mit Note 4,4 am besten: Medisana, Nokia, Fitbit und Terraillon. Caso, Mio Star und Qualité & Prix waren ungenügend. Beim Fettmessen gibt man Angaben zu Alter, Geschlecht und Grösse ein. Dann stellt man sich barfuss auf die Waage. Jetzt fliesst ein schwacher Strom durch den Körper, den man nicht spürt. Damit misst das Gerät den elek­trischen Widerstand des Gewebes. Im Fettgewebe ist er höher, weil es den Strom schlechter leitet als Wasser und Muskeln. Die Waage berechnet durch Messen und individuelle Personenangaben den Körperfettanteil. Wichtig: Wer ­einen Herzschrittmacher trägt, darf die Körperfettanalyse nicht nutzen. Auch für Schwangere ist diese Funktion nicht empfohlen. 

Das Labor ermittelte zuerst bei verschiedenen Probanden den Körperfettanteil mit einem medizinischen Profimessgerät, dann auf den Testprodukten. 

Der Grund für das schlechte Abschneiden der Waagen: Die Testwaagen verfügen nur über Fuss­elektroden.  Weil der Strom den kürzesten Weg durch den Körper nimmt, erfasst diese Messung lediglich den unteren Körper bis etwa zum Bauch­nabel. Wer dünne Beine hat und einen dicken Bauch, erhält ein eher zu gutes Resultat, Menschen mit viel Speck an Oberschenkeln und Po ein eher zu schlechtes. Profi­geräte setzen sowohl Hand- als auch Fusselektroden ein. Der Strom erfasst so den gesamten Körperfettanteil. 

Auch bei der Handhabung haperte es bei den Waagen: Einige Modelle kippen schnell, wenn man sich nicht in die Mitte stellt. Nur die Mio-Star-Waage blieb ­sicher an Ort. Ein weicher Untergrund verfälscht die Messwerte der Waagen. Deshalb sollte man sie nicht auf einen Teppichboden stellen. Doch dieser Hinweis fehlt in den Anleitungen von Terraillon und Medisana, bemängelten die Testpersonen. Bei den Waagen von Nokia und Fitbit sind eine App und ein Konto beim Hersteller nötig, um die erfassten Daten verwalten zu können. Beim Fitbit-­Modell war das Einrichten des Kontos sehr kompliziert, umständlich und zeitaufwendig. Die Waage war deshalb bei der Handhabung ungenügend.

Beurer hält fest, die Wiege­sensoren der «BF600» seien für ein Belasten auf flachem Untergrund eingestellt. Deshalb weise man in der Anleitung darauf hin, dass man die Waage komplett eben platzieren müsse. Hagro Haushalt, Vertreiberin der Soehnle-Waage, schreibt, «Active Shape» werde demnächst ersetzt. Caso äusserte sich nicht zum Resultat  der «Body fit»-Waage. 

So wurde getestet

Das deutsche ipi Institut für Produkt-Markt-Forschung prüfte die Personenwaagen. Die Kriterien:

Wiegen

Wie genau gibt die Waage das Gewicht an? Dazu belastete man jede Waage mit Gewichten von 20 bis 
140 kg. Zudem prüften die Experten, wie exakt die Waage ist, wenn man sich nicht in die Mitte stellt oder das Gerät uneben steht. Weiter testeten sie die Genauigkeit, wenn man sich  wiederholt wiegt. Empfindlichkeit: Wie exakt wird ­­ein um 100 und 200 g ­verän­dertes Gewicht registriert?

Körperfettmessung

Mittels Profigerät massen die Experten das Körperfett weib­licher und männlicher Testpersonen mit unter­schiedlichem Alter und ­Gewicht. Danach verglich man das Resultat mit den Messungen der Waagen.

Handhabung

Wie einfach lässt sich die Waage in Betrieb nehmen? Ist sie selbsterklärend? Ist die Gewichtsanzeige gut ablesbar? Gibt es Angaben, auf welche Bodentypen man die Waage stellen soll? Wie leicht kippt das Gerät? Ist die Körperfett­analyse einfach durchzuführen?

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