Unbeschwerte Ferien mit dem richtigen Versicherungsschutz

saldo 11/2003 vom

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Kaum jemand reist mit dem richtigen Versicherungsschutz in die Ferien: Viele versichern sich versehentlich doppelt - manche haben ungewollte Lücken.

Fliegt Swiss noch, wenn ich aus den Ferien zurückkomme?», ist eine derzeit häufig gestellte Frage in den Reisebüros. Wer die schönsten Wochen des Jahres plant, will sichergehen, dass sie nicht in einem Debakel enden, beobachten viele Reiseverkäufer. Das Reisebüro STA Travel (früher SSR-Reisen) reagiert auf die Verunsicherung der Kunden mit einer Grounding-Versicherung.

Anfang Juni erweiterte STA zusammen mit der Europäischen Reiseversicherung den Annullationskostenschutz: Die Versicherung zahlt ein Ersatzticket bis maximal 1200 Franken, falls die gebuchte Airline aus finanziellen Gründen den Betrieb einstellt. Deshalb schlägt die Annullationskostenversicherung um 10 Franken auf und kostet neu 35 Franken - bei einem Reisepreis ab 1000 Franken sind es 45 Franken.


Die Grounding-Versicherung ist meist nutzlos

Zwar sagt STA-Chef Stefan Helsing, es handle sich nicht um eine «Anti-Swiss-Versicherung», schliesslich beziehe sich der Insolvenzschutz auf alle bei der internationalen Luftverkehrsorganisation Iata angeschlossenen Fluggesellschaften. Doch das Ganze ist ohnehin unnütz: Die meisten Leute buchen im Reisebüro ja nicht nur den Flug, sondern auch noch das Hotel oder andere Leistungen. Dann aber gilt die im Pauschalreisegesetz festgelegte Reisegarantie: Der Veranstalter müsste für Ersatz besorgt sein.

Stefan Helsing rechtfertigt das Angebot damit, dass in seinem Unternehmen die Mehrzahl der Kunden nur einen Flug oder ein individuell zusammengestelltes Paket und keine Pauschalreise buchen. Trotzdem sind Fachleute skeptisch. Erstens ist es trotz der kritischen Lage der Swiss eher unwahrscheinlich, dass das gleiche Szenario wie am 2. Oktober 2001 nochmals eintritt.

Als viel wahrscheinlicher gilt ein schleichender, aber planbarer Abbau der Flugleistungen. Vor allem aber «buchen die Leute im Moment viel eher wegen Sars keine Ferien und nicht wegen der Swiss», sagt Nicola Waldmeier, Versicherungsspezialist beim Vermögenszentrum VZ. Er beurteilt die Grounding-Versicherung daher als Marketing-Gag.

Laut Waldmeier ist für Ferienreisende viel wichtiger, dass ihr Versicherungsschutz bei Krankheit oder Unfall im Ferienland genügt. Dies sei die häufigste und gefährlichste - weil teuerste - Lücke im Versicherungsschutz. Die Krankenkassen zahlen nämlich aus der Grundversicherung für Behandlungen im Ausland höchstens doppelt so viel, wie die gleiche Behandlung in der Schweiz kosten würde.


Zusatzversicherung deckt Kosten auch in teuren Ländern

Diese Leistungen genügen zwar für die meisten europäischen Länder, nicht aber für Staaten mit einem teuren Gesundheitssystem wie etwa die USA, Japan oder Australien. Ein Beinbruch in New York oder ein Herzinfarkt in Sydney können also nicht nur zu einem abrupten Ende der Ferien führen, sondern auch zu einem unerwarteten Loch in der Reisekasse. Viele Krankenkassen offerieren zu diesem Zweck eine Zusatzversicherung, die diesen Schutz ganzjährig bietet. Nach Meinung der Experten des Vermögenszentrums VZ bieten die Krankenkassen Helsana, KPT und Visana in diesem Bereich Überdurchschnittliches.

Viele Leute meinen, mit dem jährlichen Gönnerbeitrag für die Rettungsflugwacht Rega seien Risiken auf Auslandreisen abgedeckt - doch das ist falsch. Die Rega ist keine Versicherung, es besteht kein Rechtsanspruch. Zudem übernimmt die Rega nur den Rücktransport von Personen, bei denen dies medizinisch notwendig ist. Reiseversicherungen gehen darüber hinaus und decken unter anderem auch die Kosten für eine vorzeitige Rückreise aus Krisengebieten. Wer keine ganzjährige Zusatzversicherung bei seiner Krankenkasse hat, kann auch eine zeitlich begrenzte Versicherung abschliessen (siehe Tabelle).


Annullationskosten: Die meisten sind überversichert

Wer vor Ferienbeginn krank wird oder verunfallt, der braucht eine Annullationskosten-Versicherung, falls er das Risiko nicht selbst tragen will. Doch viele Leute sind in diesem Bereich überversichert. «Sie vergessen, dass sie bereits einen ETI-Schutzbrief haben, wenn ihnen das Reisebüro noch eine Annullationskosten-Versicherung aufschwatzt», weiss Versicherungsexperte Waldmeier. Ein klassischer Fall einer teuren und nutzlosen Doppelversicherung.

Wer alleine und nur einmal jährlich ins Ausland verreist, kann sich in der Regel mit der in den Reisebüros angebotenen Annullationskosten-Versicherung absichern. Familien und Personen, die häufig verreisen, schliessen jedoch mit Vorteil eine Jahresversicherung ab. Neben dem Annullierungsschutz umfassen diese Pakete meistens auch eine Personen-Assistance - zum Beispiel die vorzeitige Rückreise wegen politischer Unruhen im Ferienland oder wenn zu Hause ein Familienmitglied erkrankt. Das Vermögenszentrum VZ hat die wichtigsten Angebote beurteilt (siehe Tabelle rechts unten). Achtung: Das VZ-Urteil bezieht sich nur auf die Vielzahl und Qualität der Leistungen, nicht aber auf das Preis-Leistungs-Verhältnis.


Auch die Gepäckversicherungen haben einen Haken

Schliesslich stellt sich noch die Frage, ob man das Reisegepäck versichern soll. Bei den Schutzbriefen der Verkehrsclubs gehört dies nicht dazu, doch bei den meisten Jahres-Reiseversicherungen kann man einen separaten Zusatz abschliessen. Damit ist das Gepäck nicht nur gegen Diebstahl, sondern auch gegen Verlust - zum Beispiel während der Flugreise - und Beschädigung versichert.

Zwar haben viele Leute einen Zusatz «einfacher Diebstahl auswärts» bei ihrer Hausratversicherung, doch damit sind Verlust und Beschädigung nicht versichert. Und die Fluggesellschaften zahlen zwar für verlorenes Gepäck, aber oft nur die international vereinbarte Pauschale von 36 Franken pro Kilogramm - und das reicht selten, um den Schaden zu decken. Aber auch Gepäckversicherungen haben einen grossen Haken: Schon bei geringer Verletzung der Sorgfaltspflicht kann die Zahlung verweigert werden.



Mehr zum Thema im K-Dossier «So sind Sie richtig versichert». Die Bestellkarte finden Sie auf Seite 24.



Die fünf wichtigsten Fragen

- Sind Ihre Arzt- und Spitalkosten vollständig gedeckt? Innerhalb Europas genügt der Versicherungsschutz der Krankenkasse (Formular E-111 besorgen, damit Sie die Behandlung nicht bar bezahlen müssen). Ist auch die Rückführung in die Schweiz gedeckt?

- Wer zahlt die Annullierungskosten, falls Sie aus einem triftigen Grund nicht abreisen können?

- Haben Sie eine Personen-Assistance für den Fall, dass Sie die Reise unerwartet abbrechen müssen? Ab zwei Auslandreisen pro Jahr lohnt sich meist eine Jahres-Reiseversicherung, die auch die Annullierungskosten übernimmt.

- Ist Ihr Auto im Ausland genügend versichert? Wie sieht es mit der Pannenhilfe im Ausland aus?

- Wollen Sie auch Ihr Gepäck gegen Diebstahl oder Verlust versichern?
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