Unfairer Grundtarif bestraft Stromsparer

K-Tipp 18/2018 vom

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Die Grosszahl der Stromversorger verlangt eine jährliche Grundgebühr – losgelöst vom individuellen Verbrauch. Wer Strom spart, wird damit bestraft. Nur einige wenige Unternehmen schaffen die Gebühr ab.

Die meisten Elektrizitätswerke setzen auf ein Modell mit Grund- und Verbrauchstarif. Sprich: Kunden bezahlen einen fixen Betrag als Grundgebühr plus einen Preis für den effektiv verbrauchten Strom.

Dieses Modell ist unfair und bestraft Haushalte, die Energie sparen. Das zeigt folgendes Rechen­beispiel:

Eine Familie verbraucht pro Jahr 4000 Kilowattstunden (kWh) Strom. Ihr Stromlieferant verlangt pro Jahr eine Grundgebühr von 100 Franken und einen kWh-Preis von 20 Rappen. Das ergibt Jahreskosten von ins­gesamt 900 Franken. Mit der Grundgebühr beträgt der kWh-Preis somit 22,5 Rap­pen. Spart die gleiche Familie Strom und verbraucht nur 3000 kWh pro Jahr, steigt ihr kWh-Preis auf 23,3 Rappen. 

Sprich: Je weniger Strom die Familie braucht, umso teurer wird der Kilowattstunden-Preis. Umgekehrt gilt: Je mehr Strom sie verbraucht, desto günstiger wird die Kilowattstunde unter dem Strich.

Kommt hinzu, dass Schweizer Privathaushalte nicht wählen können, von welchem Elektrizitätsunternehmen sie den Strom beziehen wollen.

Grundtarif bis zu 260 Franken

Der Bund will mit der Energiestrategie 2050 nicht nur Atomkraftwerke stilllegen und erneuerbare Energien aus Sonne, Wind und Wasser fördern, sondern auch den Stromverbrauch senken. Die Abschaffung der Grundgebühr wäre ein guter Anreiz zum Energiesparen.

Der K-Tipp klärte deshalb bei 50 Stromver­sorgern ab, ob sie 2019 auf die ungerechte Ge-bühr verzichten. Resultat: 48 Elektrizitätswerke halten daran fest. Die jährlichen Grundpreise reichen dabei von Fr. 62.05 (WWZ Netze AG, Zug) bis Fr. 258.50 (Technische Betriebe Glarus Süd, Schwanden).

Nur Energie Wasser ­Luzern (EWL) sowie die Firma EWS Energie AG im aargauischen Reinach verabschieden sich von der Grundgebühr. Das EWL schreibt, man ­schaffe damit «Anreize für ein energieeffizientes Ver­halten». 

Zwar erhöht sich bei EWL der kWh-Preis nächstes Jahr leicht – beim Produkt Naturstrom Klassik beispielsweise von 21,69 auf 22,48 Rappen. Trotzdem zahlt eine ­Familie, die 4000 kWh verbraucht, dann fast 54 Franken weniger. Auch bei EWS steigt der kWh-Preis leicht – dennoch spart die Familie beim Standardprodukt Basic über 90 Franken pro Jahr.

Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich schaffte den Grundpreis bereits Mitte der 90er-Jahre ab. Und seit 2014 verzichtet auch Energie Wasser Bern darauf.

 

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