Uran aus dem Wasserhahn

Gesundheitstipp 11/2006 vom | aktualisiert am

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In zahlreichen Schweizer Berggemeinden enthält das Trinkwasser viel Uran. Doch auch im Mittelland gibt es erhöhte Werte: Das ist das Resultat einer Auswertung der «Gesundheitstipp»-Leseraktion.

Unser Leitungswasser ist nicht das beste», weiss Silvio Pinggera, Sanitär in La Punt GR. «S-chanf, eine Gemeinde in der Nähe, musste schon zweimal den Leuten sagen, sie sollten das Wasser abkochen.» Deshalb war für ihn klar, dass er an der Leseraktion des Gesundheitstipps mitmacht: Leserinnen und Leser konnten ihr Leitungswasser auf Uran testen lassen.



Uran ist ein Schwermetall, vergleichbar mit Blei oder Cadmium. Es reichert sich in Nieren, Leber und Knochen an und kann dort Schäden auslösen. Zudem ist es radioaktiv.



Silvio Pinggeras Wasserprobe enthielt 4,0 Mikrogramm Uran pro Liter - einer der höchsten im Rahmen der Aktion gemessenen Werte.



Für Uran-Kenner Ewald Schnug ist das zu viel. Der Braunschweiger Professor für Bodenkunde hält Werte von weniger als 2 Mikrogramm pro Liter für «gerade noch akzeptabel».





Die höchsten Werte stammen aus Bergün GR



Schnug rät, Uran wenn immer möglich zu meiden: «Im Extremfall kann schon ein einziges Uran-Atom, das zerfällt, zu Krebs führen.»



Mit der festen Nahrung nehme der Mensch pro Tag 2 bis 4 Mikrogramm Uran auf. Trinken die Einwohner von La Punt zwei Liter Leitungswasser pro Tag, nehmen sie zusätzlich ein Mehrfaches dieser Menge zu sich. Doch die Gemeinde La Punt sieht keinen Handlungsbedarf. Sie schreibt: «Weder in der Schweiz noch in der EU gibt es einen Grenzwert für Uran im Trinkwasser. Der Richtwert der WHO liegt bei 15 Mikrogramm pro Liter.» Allerdings lag dieser Richtwert bis vor wenigen Jahren noch bei 2 Mikrogramm. Fachleute kritisieren, man habe ihn aufgrund der Interessen der Mineralwasser-Industrie erhöht.



Die meisten der fast 600 Proben der Gesundheitstipp-Leser enthielten deutlich weniger Uran als das Wasser von La Punt (siehe Karte).



Doch etwa jede zwanzigste Probe enthielt erhöhte Werte - auf der Karte als rote Punkte dargestellt. Die zwei höchsten Werte stammen aus Bergün GR: 7,6 und 6,5 Mikrogramm Uran pro Liter. Die Gemeinde Bergün nahm keine Stellung.





Brunnenmeister: «Da müssen wir etwas unternehmen»



Auch das Wasser von Gieri Cristani aus Danis, Gemeinde Brigels GR, enthielt viel Uran: 4,5 Mikrogramm pro Liter. Gieri Cristani sagt zwar, dies jage ihm keine Angst ein: «Ich denke nicht, dass das Wasser Beschwerden verursacht. Hier im Dorf gibt es Menschen, die fast hundert Jahre alt geworden sind.» Trotzdem ?ndet er es gut, dass er das Wasser auf Uran testen konnte.



Denn die Gemeinde hat dies noch nie getan. Dies bestätigt Brunnenmeister Aluis Cathomas gegenüber dem Gesundheitstipp. Ihm gibt der hohe Urangehalt im Wasser zu denken: «Da müssen wir etwas unternehmen.» Die Gemeinde sei gerade daran, neue Trinkwasserquellen zu erschliessen. «Wenn dies abgeschlossen ist, werden wir den Urangehalt aller Quellen messen.» Vielleicht könne man einige stark belastete Quellen schliessen und so die Uranbelastung verringern.



Es ist kein Zufall, dass die meisten der hohen Uranwerte aus den Bergkantonen Graubünden und Wallis stammen. Denn das Uran im Wasser ist natürlichen Ursprungs: Besonders Granit enthält viel davon. Fliesst das Wasser durch das Gestein, löst es Uran heraus.



Doch auch im Mittelland gab es vereinzelt hohe Werte. So etwa in Widen AG: Die Probe, die Bernhard Ramseier einschickte, enthielt 2,6 Mikrogramm Uran pro Liter. «Das ist beunruhigend viel», ?ndet der 67-Jährige. Die Gemeinde Widen nahm dazu keine Stellung.



Im vergangenen Juni hat der Gesundheitstipp Mineralwässer auf Uran testen lassen (Ausgabe 6/ 2006). Sie waren noch stärker belastet als das Trinkwasser: Fast die Hälfte enthielt mehr als 2 Mikrogramm Uran pro Liter.





Mineralwässer enthalten oft mehr Uran als Trinkwasser



Für Heinz Surbeck vom Hydrogeologie-Zentrum der Uni Neuenburg ist dies nicht erstaunlich: Mineralwasser sei meist länger im Gestein als Trinkwasser, oft auch bei hohen Temperaturen. «So löst das Wasser mehr Spurenelemente aus dem Gestein - und dazu gehört auch Uran.»



Wer in einer Gemeinde wohnt, in der das Wasser stark mit Uran belastet ist, dem rät Ewald Schnug: «Hier wären Mineralwässer ohne oder mit wenig Uran eine Alternative.» In der Stichprobe des Gesundheitstipp war in den Mineralwässern Eptinger und Hildon kein Uran nachweisbar. Nur 0,2 Mikrogramm Uran pro Liter enthielten die Marken Cristallo von Coop sowie Volvic. Am meisten enthielt das Zürcher Mineral mit 15 Mikrogramm.







Die Liste der Orte



Wollen Sie wissen, ob das Trinkwasser Ihrer Gemeinde auch gemessen wurde? Gehen Sie auf www.gesundheitstipp.ch und laden Sie die Liste sowie die Resultate der Mineralwasser-Stichprobe herunter. Sie können auch ein frankiertes C5-Antwortcouvert senden an: Gesundheitstipp, «Uran», Postfach 277, 8024 Zürich.



Wegen der grossen Nachfrage hat sich das Labor bereit erklärt, die Uran-Analyse bis auf Weiteres zum Preis von 40 Franken pro Probe anzubieten. Füllen Sie das zu testende Wasser in eine PET-Flasche (Anschrift mit Datum und Ort der Probe) und schicken Sie sie an: Simec AG, Postfach 413, 4800 Zofingen. Mit dem Resultat erhalten Sie eine Rechnung.

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Kommentare

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von MamaMia3 am
25.09.2014, 02:14

Wasserfilter ist schon lange PFLICHT

Na das ist doch nichts neues. Ich habe daher schon seit Jahren meinen Pro St+ Osmose Wasserfilter laufen kostet nicht viel, erspart kisten schleppen und zieht quasi ALLES raus. Ist doch schon seit Jahren in unzähligen Zeitungsartikeln zu lesen... teilweise war sogar von uran die Rede das vom Acker (phosphat dünger) kommt.

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