Viel heisse Luft, wenig Locken

K-Tipp 03/2012 vom | aktualisiert am

von

Locken, Volumen und glänzendes Haar: Warmluft-Stylingbürsten sind laut Eigenwerbung Alleskönner. Der K-Tipp-Test zeigt jetzt: Im besten Fall schaffen die Bürsten mit eingebautem Föhn eine mittelmässige Frisur. Drei der zwölf getesteten Geräte können sogar gefährlich werden.

Es gibt Tage, da will es mit der Frisur einfach nicht klappen. Widerspenstige Strähnen kann man mit Rundbürste und Föhn zähmen. Noch ein­facher zaubert man Volumen, Lockenpracht und glänzendes Haar mit einer Warmluftbürste herbei – so zumindest die Aussagen in der Werbung.

Der K-Tipp wollte wissen, wie einfach und schnell Locken und Volumen mit einer Warmluft-Lockenbürste wirklich gelingen. Dafür hat er zwölf häufig verkaufte Modelle mit Preisen von Fr. 38.60 bis Fr. 129.– unte die Lupe genommen (siehe Kasten «So wurde getestet», Seite 16).


Styling-Bürste wurde bis zu 122 Grad heiss

Das Gesamtergebnis ist enttäuschend: Keine ein­zige Bürste erreichte das ­Gesamturteil «gut». Sieben Geräte sind gerade mal ­«genügend», fünf Modelle gar «ungenügend». Einige Warmluft-Bürsten können den Benutzerinnen sogar gefährlich werden. Die mit Fr. 89.90 vergleichsweise teure Rowenta Brush Activ wird sehr heiss – zu heiss: Eine der 16 Frauen verbrannte sich beim Praxistest am Ohr. Das Labor mass an der Styling-Bürste Temperaturen bis zu 122 Grad Cel­sius. Kommt hinzu: Von drei Rowenta-Geräten fielen zwei im Test aus: Ein Gerät überhitzte sich, ein anderes hatte ­einen Wackel­kontakt.

Bei der Solis-Bürste ­zeigte sich ein anderes ­Problem: Bei mehreren Testpersonen verhedderten sich die Haare in den Borsten. Die Testleiter konnten das Gerät in einigen Fällen nur mit einem Seitenschneider von den Haaren trennen. Über zu grosse Hitze beklagte sich die Hälfte der Testpersonen auch bei der Remington-Bürste. Immerhin: Es kam zu ­keinen Verbrennungen.


Drei Geräte waren klar «ungenügend».

Eine «genügende» Gesamtnote – von 4,7 bis 4,2 – erreichten die Geräte von Philips, Satrap, Jean Louis David, Braun Satin Hair 5 und Valera. Auch die zwei im Test vertretenen Modelle von Babyliss gehören dazu.

Mit einer Gesamtnote von je 3,9 haben die Geräte von Trisa und das zweite Gerät von Braun ein «genügend» knapp verpasst. Die Bürsten von Solis, ­Remington und Rowenta sind mit Noten von 3,7 bzw. 3,6 klar ungenügend.


Gutes Stylingresultat? Fehlanzeige!

Durchs Band unbefriedigend waren die Frisier­ergebnisse. Kein Testgerät schaffte beim Kriterium Styling ein gutes Resultat: Punkto Locken, Volumen, Glanz und Kämmbarkeit erreicht man mit drei ­Geräten noch akzeptable ­Resultate: Babyliss Beliss Brushing, Testsieger Salon Airstylist Ion (Philips) und Jean Louis Davids «Brush & Style»-Bürste.

Am meisten Locken zaubert Valera Pro Styler 400 Tourmaline. Wer jedoch vor allem Volumen benötigt, wählt die Testsieger-Bürste von Philips. Schnell gestylt ist die Frisur mit dem Babyliss-Gerät «Beliss»: In gut 8,5 Minuten hat man eine Seite geschafft. Am meisten Zeit für die Lockenpracht braucht man mit der günstigen Braun-Bürste Satin Hair 1 – nämlich fast 13 Minuten pro Seite.

Die Hersteller verteidigen ihre Warmluft-Stylingbürsten. Laut Valera-Sprecherin Birgid Not­hacker handelt es sich beim Pro Style 400 um ein Gerät, das sich speziell für feines und dünnes Haar eignet. Der K-Tipp fand jedoch weder auf der Verpackung noch im Internet einen Hinweis darauf.

Solis teilt mit, dass bisher keine Kundenreklamationen wegen verhedderter Haare eingegangen seien. Beim Air Styler Typ 33 handle es sich um ein bei den Kundinnen beliebtes Produkt. Ähnlich argumentiert Trisa. Man sei ­erstaunt über die verhedderten Haare, zumal die ­Bürste über einziehbare Borsten verfüge, so Sprecher Philipp Studer.

Braun und Rowenta woll­ten die Testergebnisse nicht kommentieren.


Stylingeisen: Eine gute Alternative

Für die meisten Frisuren gibt es effizientere Alternativen zu Warmluftbürsten. Für Locken eignet sich ein Gerät, das viele Frauen ­bereits haben: ein Glätt- oder Stylingeisen.


So wurde getestet

Die Experten des deutschen Instituts für Produktforschung (ipi) haben im Auftrag des K-Tipp bei den Lockenbürsten Messungen und Praxistests durchgeführt:

  • Verheddern sich die Haare in den Borsten? Verbrennt man sich? Jeweils 16 Frauen und die Test­leitung beurteilten das Ein- und Ausdrehen der Haare mit dem Lockenbürstenaufsatz während der Anwendung sowie das Temperaturgefühl am Kopf. Zusätzlich ermittelten die Fachleute die Temperatur der Bürsten mittels Messungen und Wärmebildern.
  • Gelingt die Frisur problemlos und gut? Im Teststudio führten die Probandinnen mit normalem, mindestens kinnlangem gesundem Haar unter Anleitung eines Experten einen Halbseiten-Test durch: Jede Seite wurde mit einer anderen Bürste ­gestylt.
  • Vor und nach dem Frisieren be­urteilte man Frisierergebnis, Glanz­effekt, Kämmbarkeit, Volumen und Locken. Die Stylingzeit stellten die Testleiter mit Stoppuhren fest.
  • Wie angenehm lässt sich eine Bürste bedienen? Die Beurteilung   der Handhabung fand jeweils am Ende der praktischen Tests statt. Über einen Fragebogen beurteilten die Testpersonen unter anderem, wie leicht man die verschiedenen Aufsätze wechseln kann. Zudem bewer­teten die Frauen, wie handlich eine Bürste ist, wie einfach man die Knöpfe erreicht und ob sich die ­Kabel schnell verdrehen.
0

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Repair-Shampoos

Gute Haarpflege muss nicht teuer sein

Allround-Shampoos: Top-Noten für Naturkosmetik