Weg mit dem Schweiz-Zuschlag!

K-Tipp 19/2016 vom | aktualisiert am

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Der Kampf gegen überhöhte Preise in der Schweiz ist eine zähe Angelegenheit. Jetzt soll Abzockern das Leben schwerer gemacht werden: Ein breit abgestütztes Bündnis gibt Gas.

Kleider: In der Schweiz durchschnittlich 40 Prozent teurer als in Deutschland (Bild: FOTOLIA)

Kleider: In der Schweiz durchschnittlich 40 Prozent teurer als in Deutschland (Bild: FOTOLIA)

Der Wirteverband Gastrosuisse macht mit. Aber auch die Stiftung für Konsumentenschutz. Ebenso der Westschweizer und der Tessiner Konsumentenverband. Sowie diverse ­Firmen und Verbände aus dem Kreis der kleinen und ­mittleren Unternehmen (KMU). Sie alle haben gründlich die Nase voll von überteuerten Importgütern in der Schweiz – und sind darum dem Verein «Stop der Hochpreisinsel – für ­faire Preise» beigetreten. Die Unterschriftensammlung für die Fair-Preis-Initiative läuft. Hier können Sie den Talon herunterladen.

Die Initiative will dafür sorgen, dass Schweizer Unternehmen Produkte bei ausländischen Herstellern und Importeuren zu gleichen Preisen wie Abnehmer im Ausland beziehen dürfen. Heute schöpfen internationale Konzerne die schweizerische Kaufkraft ­gezielt ab: Sie beliefern die Schweiz über ihre Filialen oder Alleinimporteure zu überhöhten Preisen. Gleichzeitig versuchen sie zu verhindern, dass Konsumenten und Unternehmen im Ausland direkt und so günstiger einkaufen können.

Der K-Tipp wies schon oft auf diese diskrimi­nierende Praxis hin. Zum Beispiel letztes Jahr: Die Skihersteller Fischer und Völkl kündigten an, gegen den Discounter Otto’s vorzugehen, weil er die Skis nicht teuer über den Schweizer Generalimporteur bezog, sondern günstiger im Ausland einkaufte (K-Tipp 19/2015). Oder vorletztes Jahr: Der US-amerikanische Turnschuhproduzent Converse nahm ebenfalls Direktimporte durch Otto’s ins Visier (K-Tipp 18/2014).

Konsumenten zahlen bis 20 Milliarden zu viel

Der Schweiz-Zuschlag auf Importgütern ist enorm: Laut Stiftung für Konsumentenschutz kosten zum Beispiel Kleider in der Schweiz durchschnittlich 40 Prozent, Zeitschriften und Kosmetikartikel im Mittel gar 70 Prozent mehr als in Deutschland – «obwohl es sich um die exakt gleichen Produkte handelt». Unter dem Strich zahlen Konsumenten und Be­triebe in der Schweiz nach Schätzung von Ökonomen wegen der überhöhten Preise jährlich rund 15 bis 20 Milliarden Franken zu viel.

Den Beizern ist darob schon vor über drei Jahren der Kragen geplatzt: Im Frühling 2013 kritisierten die Basler Wirte öffentlich, dass ihnen Direktimporte aus dem Ausland durch Süssgetränke- und Bierkonzerne erschwert oder gar verunmöglicht würden.

Das Gastgewerbe leidet aber auch bei der Beschaffung, Wartung und Reparatur von Küchengeräten, Restaurant- und Hotel­mobiliar unter der Hochpreisinsel. Darum gehören die Verbände Gastrosuisse und Hotel­leriesuisse zu den treibenden Kräften hinter der Fair-Preis-Initiative.

Prisca Birrer-Heimo von der Stiftung für Konsumentenschutz konstatiert: Man habe zu lange hingenommen, dass die Kaufkraft der Schweizer Konsumenten «schamlos abgeschöpft» werde. «Damit ist jetzt Schluss, gegen überhöhte Preise müssen wir endlich etwas unternehmen.»

Das sieht auch die Gewerkschaft Travailsuisse so. Sie hält fest, mit dem Wegfall des Schweiz-Zuschlags würden pro Jahr rund 15  Milliarden Franken zur Stärkung des privaten Konsums frei. Kommt hinzu: Tiefere Preise für Importwaren in der Schweiz würden den Einkaufstourismus ennet der Grenze schrumpfen lassen. Letztes Jahr flossen rund 11 Milliarden Franken ins Ausland ab.

Die Schweizer Wirtschaft steht trotzdem nicht geschlossen hinter der Fair-Preis-Initiative. Der Einfluss internationaler Konzerne reicht bis in den Vorstand des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse. Daneben müssen die Initianten auch mit Widerstand aus den Führungsetagen von Gewerbeverband und Gewerkschaftsbund rechnen. Beide halfen schon vor zwei Jahren aktiv mit, die Revision des Kartellgesetzes zu versenken und damit griffigere Instrumente im Kampf gegen die Hochpreis­insel zu verhindern.

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von Stettlers am
24.11.2016, 20:34

Fehler im Geldsystem

Danke für die Initiative gegen den Schweiz-Zuschlag! Ich habe sie sofort unterschrieben. Wie die Pro Service Public-Initiative will auch diese Initiative des SKS ein Ziel erreichen, welches jeder Schweizer und jede Schweizerin sofort unterschreiben würde, würde man ihn/sie unter vier Augen danach fragen. Solche Initiativen gab es in der Vergangenheit zu Hauf und wird es immer mehr geben. Solange nämlich, bis die gröbsten Fehler in unserem Geldsystem behoben sind, welche relativ einfach und eindeutig als Ursache von diesen und vielen weiteren Unstimmigkeiten identifiziert werden können, sobald man den Mut aufbringen und beginnen kann, darüber nachzudenken. Auch diese Fehler würde jeder Schweizer/jede Schweizerin sofort beheben, wüsste er/sie darum. Einer der folgenschwersten Fehler ist zum Beispiel die Tatsache, dass unser Geld (auch die sogenannten Schweizer Franken) überwiegend (gegen 90%) von den privaten Banken geschöpft sind und demzufolge auch ihnen "gehören". So ist es, auch wenn Herr und Frau Schweizer der Meinung sind, alles Geld käme vom Staat via Nationalbank in Umlauf, so wie es die Bundesverfassung vorsehen würde. Ich fände es an der Zeit, dass in der Schweiz wieder über Geld nachgedacht und gesprochen wird, dass die Übel an der Wurzel korrigiert werden und dass die verschiedenen bereits erwachten Schweizer-Bürger und -innen ihre Kräfte dafür vereinen. So würde ich mich sehr freuen, z.B. auch im KTipp über die Vollgeld-Initiative zu lesen oder noch besser analog der wunderbaren Service Public-Aufklärung den Schweizerinnen und Schweizern das Geld zu erklären. In etwa einem Jahr werden diese nämlich die Möglichkeit bekommen, darüber abzustimmen: www.vollgeld-initiative.ch. Umgekehrt könnte beim Vollgeld die Schweiz-Zuschlag-Initiative vielleicht auch erwähnt werden? Das Volk würde so vielleicht die ersten Zusammenhänge erkennen können.

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