Wie viel Komfort brauchts?

Haus & Garten 01/2014 vom

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Küchengeräte-Hersteller warten ständig mit Neuerungen auf. Zum Beispiel bei Backöfen. Doch welche Funktionen sind sinnvoll? Haus & Garten sagt, was man sich sparen kann.

Während Jahrzehnten war ein Kochherd eine einfache Sache: ein Gerät mit Kochplatten und ­einem Backofen sowie ein paar Drehschaltern für die Bedienung. Wer heute eine Küche einrichtet, muss sich hingegen fragen: Will ich einen Kombiherd oder Kochfeld und Backofen lieber separat?

Ein separater Backofen hat den grossen Vorteil, dass er sich auf Brusthöhe einbauen lässt. So ist er einfacher zu bedienen. Nachteil: Es braucht für den Back­ofen und das Kochfeld ­separate Bedienelemente. Das kostet zusätzliche 600 bis 1000 Franken.

Viele Küchengeräte-Hersteller versuchen den Kunden auch einen Steamer oder ein Mikrowellengerät zu verkaufen. Dabei muss man auch wieder ­bedenken: Zusätzliche Einbau­geräte benötigen viel Platz. 

Beliebt sind eingebaute Kombigeräte:

  • Kombi-Steamer: Er lässt sich mit dem Dampf eines Steamers, mit der Hitze eines normalen Backofens oder mit beidem zusammen betreiben. Beim Steamer-Betrieb lassen sich dank des Dampfs, der das Gargut umströmt, empfindliche Gemüse, Fische und Fleisch schonend zubereiten. Fett zum Anbraten ist nicht nötig.

Nachteile: In der Regel haben Kombi-Steamer einen deutlich kleineren Innenraum als Backöfen mit gleichen Aussenmassen. Und sie kosten rund doppelt so viel wie einfache Backöfen.

  • Kombi-Mikrowelle: Ein Backofen mit integriertem Mikrowellengerät ist zwar praktisch. Aber er hat ebenfalls zwei Nachteile: Er kostet rund 500 Franken mehr. Und der Backraum ist kleiner als beim entsprechenden Backofen ohne Mikrowellengerät.

Auch bei normalen Backöfen warten die Hersteller immer wieder mit Neuerungen auf. Haus & Garten fasst sie zusammen und schätzt ihren ­Nutzen ein:

  • Programme: Moderne Backöfen lassen sich fürs Zubereiten Dutzender Speisen programmieren. Und das funktioniert so: Backofen befüllen, Programm auswählen. Der Backofen stellt die ideale Betriebsart ein, die Temperatur und die Dauer. Das ist praktisch. Aber sehr schwierig ist es nicht, einen Backofen ­selber einzustellen. Notfalls steht alles im Koch­buch.

Fazit: nützlich, aber nicht zwingend nötig.

  • Dampfstösse: Einige Backöfen verfügen zusätzlich über eine Garfunktion. Dampfstösse – automatisch oder manuell ausgelöst – sorgen dafür, dass das Fleisch saftig bleibt oder das Brot luftig wird. Die meisten ­Geräte sind zwar mit einem Entkalkungsprogramm ausgestattet. Das Entkalken und das mehrmalige Spülen dauert aber je nach Modell 30 bis 90 Minuten. Und: Die Garfunktion verteuert die Geräte um 500 bis 1000 Franken.

Fazit: eher ein Luxus.

  • Restwärme: Der Backofen schaltet kurz vor Ende der Back- oder Bratzeit ab und nutzt in den letzten paar Minuten die Restwärme. Das spart Strom. Die Alternative bei einem ein­fachen Backofen: die Tempe­ratur rechtzeitig reduzieren. Der Effekt ist derselbe.

Fazit: nützlich.

  • Knusperfunktion: Sie entzieht dem Backofen die Feuchtigkeit. So werden Speisen ­besonders knusprig – zum Beispiel Pommes frites.

Fazit: nützlich.

  • Heizarten: Nur noch an ganz einfachen Backöfen lassen sich einzig Oberhitze, Unterhitze und Umluft einstellen. Heute sind Grillfunktionen, Schnell­aufheizen und Auftaufunk­tion meist Standard. Das ist praktisch. Das Tiefkühlgut lässt sich aber auch ohne weiteres während 12 bis 24 Stunden im Kühlschrank auftauen. Das spart Energie – im Kühlschrank und im Backofen.

Fazit: teilweise nützlich.

  • Regler: Wer einen Backofen mit vielen verschiedenen Funktionen einbauen lässt, bedient ihn über ein Display. Es sei selbsterklärend, behaupten die Hersteller. Doch Misstrauen ist besser: Am besten versucht man, den Backofen in der Ausstellung ohne Anleitung zu bedienen.

Fazit: Geschmackssache.

  • Auszüge: Wer einen Guss auf die Wähe geben möchte, weiss: Das herausgezogene Blech muss waagrecht gehalten werden. Einfacher geht das, wenn sich die Halteschienen wie ein Teleskop mitsamt Blech aus dem Backofen herausfahren lassen. Oder wenn Türe, Halteschienen und Blech wie ein Wagen herausgefahren werden können. Dann bleibt das Blech immer waagrecht.

Fazit: sehr nützlich.

  • Türe: Was bei Küchenschubladen schon lange Standard ist, hält nun bei Backofentüren Einzug – ein Dämpfungssystem, das die Tür beim Schliessen abbremst.

Fazit: sehr nützlich.

  • Sperrfunktion: Dadurch können Kinder den Backofen nicht so einfach ein- oder ausschalten. ­Zudem lässt sich die maximale Betriebsdauer ein­stellen. Ist diese überschritten, schaltet der Backofen auto­matisch ab. Praktisch für Vergessliche.

Fazit: nützlich.

Es gibt zwei Systeme für selbst­reinigende Backöfen – Pyrolyse und Katalyse. Und so funktionieren sie:

  • Katalytische Reinigung: Bei der Katalyse sind die Ofen­wände beschichtet. Ab ­einer Temperatur von etwa 250 Grad oxydiert daran das Fett. Die Reinigung findet also während des normalen Betriebs des Backofens statt. Sollte der Backofen trotzdem noch schmutzig sein, muss er sehr vorsichtig gereinigt werden, ­damit die Beschichtung keinen Schaden nimmt.

Fazit: nützlich.

  • Pyrolytische Reinigung: Hier wird der Backofen während rund zwei Stunden auf 500 Grad erhitzt. Der Schmutz verkohlt und muss nur noch her­ausgewischt werden. 

Aber: Backöfen mit pyroly­tischer Reinigung müssen sehr gut isoliert sein – das braucht Platz. Deshalb haben diese Öfen einen vergleichsweise kleinen Innenraum. Und vor allem: Die Pyrolyse braucht viel Strom. 

Die Hersteller nennen zwar keine Zahlen, aber es dürften gegen zehn Kilowattstunden sein. Also so viel, wie eine Sparlampe während rund 1000 Stunden braucht.

Fazit: reine Stromverschwendung.

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