«Wir prüfen, ob wir auf graue Daunen verzichten sollen»

saldo 08/2012 vom

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Der Schweizer Outdoor-Hersteller Mammut füllt Jacken und Schlafsäcke mit Daunen von Graugänsen. saldo zeigte, dass die Daunen aus tierquälerischen Betrieben stammen (6/12). Adrian Huber von Mammut nimmt dazu Stellung.

saldo: Mammut bezog Gänsedaunen von einem polnischen Lieferanten. Dieser suggeriert in seinem schriftlichen Zertifikat, keine grauen Daunen aus tierquälerischer Produktion zu liefern. Das hat sich als unwahr herausgestellt. Ändert Mammut nun seine Einkaufspolitik?

Adrian Huber: Ja, wir sind daran. Offenbar kennen wir unsere Lieferantenkette nicht gut genug. Wir fühlen uns getäuscht, da uns der Lieferant schriftlich versicherte, dass die gelieferten Daunen aus Polen stammen, wo tierquälerische Stopflebermast und Lebendrupf verboten sind. Diese Angaben stimmen offenbar nicht. Ich habe mir im Internet Videos zur Stopfleberproduktion mit Gänsen angesehen: Das ist inakzeptabel. saldo und die Tierschutzorganisation Vier Pfoten decken hier zu Recht einen Missstand auf.


Mammut verliess sich blind auf die Zusicherungen der Daunenliefer­anten. Damit täuschte Ihr Unternehmen die Kunden.

Aufgrund der Zertifikate haben wir geglaubt, dass wir graue Daunen geliefert bekommen, die nichts mit Lebendrupf oder der Stopfleberproduktion zu tun haben. Innerhalb der Branche galten die Zertifikate als ausreichend.


Was unternehmen Sie nun konkret?

Wir müssen zuerst die Fakten klären. Es stehen sich widersprüchliche Aussagen gegenüber. Wir müssen diese prüfen, bevor wir Massnahmen ergreifen. Hier sind wir noch nicht so weit.


Warum nicht?

Die Lieferantenkette in der globalen Textilindustrie ist komplex. Wir haben die Rückverfolgbarkeit unserer Rohstoffe in den letzten Jahren erhöht, verfügen aber noch nicht überall über die wünschenswerte Transparenz. Bei den Stoffen, die wir bei unseren Zulieferern beziehen, definieren wir die Qualität und kennen die Quellen. Bei anderen Komponenten wie den Daunen haben wir noch nicht die volle Rückverfolgbarkeit bis zum Erzeuger erreicht. Man sieht den einzelnen Daunen ja nicht an, wo sie herkommen.


Warum verzichtet Mammut nicht einfach generell auf die Verwendung von grauen Gänsedaunen?


Bis anhin achteten wir darauf, dass wir keine weissen Daunen aus dem tierquälerischen Lebendrupf verwenden. Wir prüfen, ob wir auf graue Daunen grundsätzlich verzichten sollen.


Es gab schon länger entsprechende Hinweise. Warum hat Mammut sich nicht längst mit der Stopfleberproblematik beschäftigt?

Das Thema hatte nicht oberste Priorität, weil wir nur geringe Mengen graue Daunen einsetzen. Wir bemühen uns seit 2007, systematisch unsere Unternehmensverantwortung wahrzunehmen. Wir haben eine Stelle dafür eingerichtet. Als Unternehmen mittlerer Grösse haben wir nicht die Kraft, alles, was nötig wäre, auf einmal in Angriff zu nehmen. Wir kümmern uns primär um die Themen giftige Chemikalien und faire Arbeitsbedingungen bei unseren Zulieferern.

Die Lohnpolitik eines chinesischen Lieferanten können wir nur bedingt beeinflussen. Das Gleiche gilt für die Stopfleberproduktion. Hier müssen wir mit Mitbewerbern kooperieren. Hinzu kommt: Graue Gänsedaunen machen lediglich 5 Prozent der Wertschöpfung der Stopfleberindustrie aus. Daher kann die Outdoor-Branche dieses Problem nicht allein lösen, das muss die Fleischindustrie anpacken. Dennoch anerkennen wir unsere Verantwortung.


Zur Person


Adrian Huber (39) ist Leiter der Corporate Responsibility bei Mammut. Das Unternehmen in Seon AG erzielte nach eigenen Angaben mit 465 Mitarbeitern im Jahr 2011 rund 210 Millionen Franken Umsatz.

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