Kräuter-Tees: Pestizide inklusive

Gesundheitstipp 11/2013 vom

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Die Tees versprechen Wohlgefühl und Fitness. Doch in vielen der Kräutermischungen stecken giftige Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Experten kritisieren solche Pestizid-Cocktails, da ihre Wechselwirkung zu wenig bekannt sei.

Es sind Tees mit fantasievollen Namen wie «Wintertraum», «Body-fit» oder «Wunderbare Momente». Sie enthalten ein Potpourri an Kräutern, Gewürzen und Früchten und versprechen neben kulinarischem Genuss auch ein Plus für das Wohlbefinden. So sollen sie der Seele schmeicheln, die Fitness steigern, morgens erfrischen oder abends entspannen. 

Doch jetzt zeigt eine Stichprobe des Gesundheitstipp: Wellness-Tees sind oft mit Pestiziden belastet. Konkret: 19 der 20 getesteten Kräutertees enthielten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (siehe Tabelle). Das Labor entdeckte bis zu zehn verschiedene Gifte. Nur im Lord Nelson Rooibos Natural von Lidl fanden sich keinerlei Rückstände. 

Die grösste Anzahl an Pestiziden fand das Labor beim Tee Wunderbare Momente der Firma Herboristeria, den es in Apotheken zu kaufen gibt. Der Entspannungstee von Sidroga, das Aldi-Produkt Westcliff Fit & Active, der Rooibos energy plus von Coop sowie Teekanne Innere Ruhe enthielten fünf bis acht verschiedene Pestizide. 

Auch wenn keiner der Stoffe den gesetzlichen Höchstwert überschreitet, stehen solche Pestizid-Cocktails in der Kritik. Die Zürcher Toxikologin Margret Schlumpf sagt: «Einzelstoffe in solchen Mischungen können ganz anders wirken als allein.» Da man nicht mehr über die Wechselwirkungen wisse, rät sie: «Die Anzahl Pestizide in ­einem Lebensmittel sollte möglichst gering sein.» Auch Christiane Huxdorff, Pestizid-Expertin von Greenpeace Deutschland, sagt: «Bei solchen Cocktails sollte man besonders vorsichtig sein.» 

 

«Alle Pestizide sind bedenklich»

Rund zwei Dutzend der in den Tees nachgewiesenen Pflanzenschutzmittel sind auf der schwarzen Liste der besonders gefährlichen Pestizide von Greenpeace verzeichnet. Huxdorff: «Grundsätzlich sind alle Pestizide bedenklich.» Denn sie seien ja dazu gemacht, Organismen wie Pilze, Unkräuter oder Insekten abzutöten. 

 

Die Bio-Tees schnitten besser ab

Die getesteten Bio-Tees schnitten insgesamt besser ab. In vier von fünf Produkten fand das Labor lediglich Spuren von Pestiziden. Laut Huxdorff stammten diese Kleinstmengen vermutlich von äusseren Einflüssen – zum Beispiel von benachbarten, nicht biologischen Feldern. Oder es handle sich um Verunreinigungen, die beim Herstellen oder Verpacken in die Tees gelangten. Die Expertin hält Bio-Tees deshalb für eine gute Alternative. «Sie enthalten insgesamt weniger Pestizide, da diese beim Biolandbau nicht zugelassen sind.» 

Einzig der Bio-Tee von Sonnentor enthielt zwei Pestizide in grösseren Mengen. Eines davon – Dime­thoat – ist ein starkes Nervengift und steht auf der schwarzen Liste von Greenpeace. Der zweite Stoff – Anthrachinon – könnte von ­Rückständen aus Karton- oder Papierverpackungen stammen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung wies im Frühling auf dieses Problem hin.

Laut dem Branchenverband Bio Suisse können Pestizid-Spuren auch von Altlasten im Boden stammen. Sprecherin Sabine Lubow: «Teekräuter reichern diese Stoffe aufgrund ihres hohen Ölgehalts eher an.» Dies könne erklären, wieso auch heute weltweit verbotene Gifte wie Hexachlorbenzol noch in kleinsten Mengen zu finden waren: Das Labor wies diesen Stoff in ­Spuren im Naturaplan Morgentee von Coop nach. 

 

Für Spar ist das Resultat «unerklärlich»

Die Hersteller sagen, dass sie ihre Rohstoffe regelmässig auf Pestizide überprüften. Spar habe dabei keine Rückstände festgestellt. Das Ergebnis sei ihm «unerklärlich» und werde abgeklärt. Herboristeria sagt, dass bei einer Überprüfung der kritisierten Charge nur drei Pestizide feststellt wurden. Sidroga erklärt, ihre Rohstoffe «zunehmend aus kontrolliertem integriertem Anbau» zu beziehen, der kaum Pestizide verwende. Beim Entspannungstee gebe es noch keine solchen Rohstoffe. Die Ost­friesische Tee-Gesellschaft sagt, dass der Messmer Tee «voll verkehrfähig» sei. Darauf berufen sich auch Aldi, Migros, Teekanne, Unilever und die Firma Wander. Migros nehme «Rückstandsfälle» ernst und gehe den Ursachen nach. Pestizidspuren seien eine «unvermeidbare Kontamination aus der Umwelt». 

Laut Coop «liegen keine Hinweise auf eine unerlaubte Behandlung mit Pestiziden vor». Die erhöhten Werte im Rooibos energy plus wolle man abklären. Teekanne hält die Rückstände für «absolut unbedenklich». Kneipp betont, dass es sich lediglich um Spuren handle und diese in ihrer eigenen Analyse nicht festgestellt wurden. Darauf beruft sich auch Yogi-Tea. Laut Sonnentor würden die Rückstände die Richtlinien des Bundesverbands Naturkost Naturwaren nicht verletzen. Die Firma sei aber dabei, die Ursachen zu prüfen.

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