Test: In Eiweissbroten steckt viel Fett

Gesundheitstipp 05/2013 vom

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Neuartige Brote mit vielen Eiweissen und wenig ­Kohlenhydraten sollen beim Abnehmen helfen. Doch ein Labortest zeigt: Eiweissbrot hat mehr Kalorien als anderes Brot und bis zu elfmal so viel Fett.

Sie heissen «Pro Body», «Feel good» oder «Abendbrot», und sie sollen die Kilogramme purzeln lassen. Im Vergleich zu Roggen-, Dinkel- und Weizenbrot haben die teuren Spezialbrote weniger Kohlenhydrate. Denn sie enthalten kaum Mehl, dafür umso mehr zugesetztes Eiweiss. Immer mehr Bäckereien bieten solche Brote an und springen damit auf den Trend der Low-Carb-Diäten auf. Diese versprechen, dass man abnimmt, wenn man weniger Kohlenhydrate isst – besonders abends.

Doch jetzt zeigt ein Test des Gesundheitstipp: Eiweiss- oder Proteinbrote sind wahre Fettbomben. Sie enthalten 11 bis 18,6 Gramm Fett pro 100 Gramm (siehe Tabelle). Das ist durchschnittlich acht Mal so viel, wie in einem Ruchbrot steckt – und doppelt so viel wie in einem Butterzopf. Für das viele Fett sind Ölsaaten verantwortlich: Sonnenblumenkerne, Sesam oder Leinsamen.

Für Fachleute ist klar: Zum Abnehmen eignen sich die Eiweiss­brote nicht. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser sagt: «Sie enthalten dafür zu viel Fett.»

Wegen des vielen Fetts sind die Eiweissbrote auch kalorienreich: Das Pro-Body-Brot der Bäckerei Wüst in Wollerau SZ hat mit 310 Kilokalorien pro 100 Gramm am meisten. Zum Vergleich: Dieselbe Menge Ruchbrot enthält lediglich 241 Kilokalorien.


Gesundheitlicher Nutzen von Eiweiss umstritten

Der Gehalt an Eiweiss ist in den meisten Spezialbroten hoch. Dies, weil die Bäcker ­einen Teil des Mehls durch Eiweiss aus Weizen oder Soja ersetzen. Doch ob regelmässig viel Eiweiss für die Gesundheit gut ist, ist unter Experten umstritten. Untersuchungen weisen darauf hin, dass das Risiko grösser wird, Nierensteine zu bekommen.

Der Test zeigt auch: Der Gehalt an Kohlenhydraten ist bei den ­Eiweissbroten tatsächlich viel geringer als bei normalem Brot. Allerdings gibt es hier grosse Unterschiede. Am wenigsten Kohlenhydrate hat es im Feel-good-Brot von Beck Keller – gerade mal 3,9 Gramm. Sechs der zehn gekauften Brote haben einen Kohlenhydratanteil von unter 10 Gramm. Das Proteinbrot aus dem Reformhaus Müller hat dagegen 20 Gramm. Beim Ruchbrot mass das Labor 44 Gramm.

Doch eine Ernährung mit wenigen Kohlenhydraten ist für eine schlanke Figur gar nicht sonderlich wirksam. Gemäss dem Zürcher Präventivmediziner David Fäh ist es zwar möglich, auf diese Weise abzunehmen. Dies funktioniere aber nur, wenn man konsequent und dauerhaft auf Kohlenhydrate verzichte. «Diese Ernährungsweise ist einseitig, einschränkend und selten nachhaltig. Die meisten Menschen nehmen nach einer solchen Diät wieder zu», sagt Fäh. Sinnvoller sei eine Ernährungsweise wie im Mittelmeerraum – viel Fisch, Gemüse und Ballaststoffe, dafür wenig rotes Fleisch. Laut Fäh schränkt diese Kost weniger ein. «Die Menschen geniessen mehr und verzichten weniger.» Er hält es zudem für «teilweise irreführend», dass die Migros ihr Proteinbrot unter der Léger-­Linie verkauft – was so viel heisst wie leicht. Die Léger-Produkte richten sich an Personen, die gemäss Migros «Wert auf eine gewichtsbewusste Ernährung legen».

Die Medienverantwortliche der Migros wehrt sich: Beim Proteinbrot stehe der Begriff «Léger» für die Reduktion an Kohlenhydraten. Das Brot sei für jene Menschen gedacht, die auf eine Ernährung ohne viele Kohlenhydrate achteten.

Die meisten Bäckereien der getesteten Brote schreiben, das Eiweissbrot entspreche dem Wunsch vieler Kunden. Der hohe Fettgehalt liege an dem hohen Anteil an Ölsaaten. «Nur so erhalten wir einen ähnlichen Geschmack wie bei herkömmlichem Brot», sagt Remo Wüst von der Bäckerei Wüst. Buchmann Beck betont zudem, es handle sich um «hochwertige pflanzliche Fette mit wenig gesättigten Fettsäuren». Sie verzichteten jedoch im Verkauf bewusst darauf, dem Produkt eine bestimmte Wirkung zuzuschreiben.   


TIPPS: So nehmen Sie ab

  • Bewegen Sie sich regelmässig. Das ist gut, um Kalorien zu verbrennen.
  • Schlafen Sie genug: 7 bis 8 Stunden sind ideal.
  • Essen Sie maximal drei Mal am Tag.
  • Verzichten Sie auf Zwischenmahlzeiten.
  • Essen Sie pro Mahlzeit nur eine Portion.
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Kommentare

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von dominikzogg am
18.09.2015, 08:23

Desinformation

Das Low-Carb funktioniert ist unumstritten, was umstritten ist, wie gesund es ist. Eiweisse sind beim Abnehmen extrem wichtig, damit der Körper nicht den Muskelabbau dem Fettabbau vorzieht, vor allem dann, wenn man die Bewegung nicht ausbaut. Doch nicht nur das, Eiweissüberschuss lässt sich als Enegie nutzten. Dies ist relativ ineffizient (was gewünscht ist) und es entstehen dabei keine Peaks. So dass man lange keinen Hunger hat. Ungesättigte Fette sind Elementar für die Aufnahme diverser Vitamine und Mineralstoffe. Alle Fette sind geeignete Energiequellen, welche im Vergleich zu Kohlenhydrate, vorallem im Vergleich zu Zucker, nicht innerhalb kürzerster Zeit zu einem Blutzuckerabfall führen. Dh. die Sättigung dieser Art Brot hält viel länger an. Dh. man isst schlichtweg weniger.

von freeenergy am
15.05.2013, 16:02

Einwand bei Tipps zum Abnehmen

Bis auf eine Position teile ich (aus Erfahrung) ihre Tipps zum Abnehmen. Die vergangenen 6 Jahre habe ich nach dem letzten Kind 'verzweifelt' und erfolglos versucht abzunehmen. Jedes Jahr bescherte mir noch mehr Kilos. Ums gleich vorne weg zu nehmen: Essen sie mindestens 5 Mal am Tag mit mindestens 2,5 und höchsten 3 Stunden Pause dazwischen. Nun die Begründung..... Der Körper verbraucht, allein um die Verdauung anzukurbeln 150 Kalorien. Bei mehreren Mahlzeiten dupliziert sich der Kalorienverbrauch und die Verbrennung wird angekurbelt, das heisst der Körper kommt nicht in Stress und nimmt was er kriegen kann ins Depot. Das Frühstück beginnt bei mir mit Quark, 1Essl. Leinöl und einer geraffelten Frucht oder Karotte oder einem basischen Müesli..... (Für Kinder: Kohlenhydrate wie z.B. Brot nötig, ausschliesslich Früchte ist nicht ideal) Die Zwischenmalzeit besteht idealerweise aus einer Frucht oder roh verzehrbarem Gemüse. Die Hauptmalzeiten nehme ich als Trennkost zu mir (bin seit vielen Jahren Vegetarierin), Abends kein rohes Gemüse und immer ist auch Sahnsauce erlaubt. Auf Süssigkeiten und Alkohol verzichte ich im Moment mit Ausnahmen mehrheitlich dennoch beschert mir diese Art zu essen minus 1 bis 1,5 kg pro Woche. Einfach mal ausprobieren, viel Spass dabei. Manuela Kindlimann, Dottikon

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