Arthrose:Vertragen sich die Pillen?

«Gegen meine Kniearthrose nehme ich täglich Arcoxia. Zudem benötige ich verschiedene Medikamente fürs Herz, unter anderem Aspirin cardio. Bei Bedarf nehme ich einen Säurehemmer für den Magen. Ist diese Kombination unproblematisch?»

Nein. Arcoxia ist ein starkes Rheumamittel und greift den Magen an, vor allem in Kombination mit Aspirin cardio. Besser wäre es, wenn Sie ein Schmerzmittel mit Paracetamol nehmen, je nach Bedarf. Es greift den Magen nicht an und ist weniger riskant fürs Herz. Gegen die Kniearthrose helfen auch regelmässiges Bewegen sowie Wallwurzsalbe oder Kohlwickel. Wenn es trotzdem nicht ohne Arcoxia geht, sollten Sie den Säurehemmer regelmässig nehmen –  nicht nur bei ­Bedarf.

Bakterien im Urin: Schon wieder Antibiotikum?

«Ich hatte eine schwere Blasenentzündung und musste Antibiotika nehmen. Der Arzt sagt, dass  ich immer noch Bakterien im Urin habe. Muss ich jetzt schon wieder Antibiotika schlucken?»

Nein. Wenn Sie keine Beschwerden haben, muss man diese Bakterien im Normalfall nicht bekämpfen. Sinnvoll ist das nur bei Schwangeren oder vor einer Blasenoperation, weil die Bakterien dann ernst­hafte Probleme verursachen können. Gerade ältere Frauen haben oft Bakterien im Urin, ohne dass sie die ty­pischen Beschwerden einer Blasenentzündung haben, also zum Beispiel Schmerzen, häufiger Harndrang und Brennen beim Wasserlassen. Eine Therapie mit Antibiotika braucht es dann nicht.

Habe ich Verstopfung wegen der Pillen? 

«Ich trinke viel, nehme Leinsamen und Weizenkleie ein. Trotzdem bin ich seit längerer Zeit verstopft. Ist eines meiner Medikamente die Ursache? Ich nehme das Blutdruckmittel Aprovel, Aspirin cardio, Pantoprazol für den Magen und seit kurzem Lyrica.»

Ja. Wahrscheinlich ist der Säurehemmer Pantoprazol der Grund. Lyrica kann zwar auch zu Verstopfung führen, aber Sie leiden ja schon länger unter den Beschwerden. Medikamente gegen die Magensäure sollten Sie ohne guten Grund nicht jahrelang verwenden. Denn sie können das Risiko für Knochenbrüche ­erhöhen. Setzen Sie das ­Medikament langsam und schrittweise ab.

Pubertät: Antibabypille gegen Pickel?

«Meine drei Töchter leiden seit der Pubertät an Akne im Gesicht. Die beiden älteren nehmen deshalb seit einiger Zeit mit Erfolg die Antibabypille, auch wenn sie keinen Geschlechtsverkehr haben. Sollte unsere Jüngste mit 14 Jahren jetzt die Pille nehmen?»

Nein. Allein wegen Akne sollten junge Frauen nicht die Pille nehmen. Denn sie  kann schwerwiegende Nebenwirkungen wie Blut­gerinnsel haben. Gegen ­Pickel gibt es bessere Thera­pien. Ich empfehle Ihrer Tochter eine Waschlotion mit Benzoylperoxid, wie zum Beispiel Lubexyl oder Aknefug. Zusätzlich sind mechanische Peeling-Produkte hilfreich oder Behandlungen bei einer Kosmetikerin, um die Haut zu reinigen.

Benötige ich Prolia-Spritzen für die Knochen?

«Trotz meiner 87 Jahre bin ich fit und sportlich. Meine Knochendichte ist vermindert, aber ich hatte noch nie einen Bruch. Der Arzt spritzt mir das Osteoporose-Medikament Prolia. Brauche ich das wirklich?»

Wahrscheinlich nicht. Es ist normal, dass die Knochendichte mit dem Alter abnimmt. Das allein ist noch kein Grund für eine Behandlung. Da Sie noch nie einen Bruch hatten, kein Kortison nehmen und auch familiär nicht vorbelastet sind, brauchen Sie Prolia kaum. Es ist auch gut, dass Sie viel Sport treiben. Das hält die Knochen gesund. Sprechen Sie nochmals mit Ihrem Arzt, bevor er Ihnen die nächste Spritze gibt. 

Verschlechtern Diabetesmittel das Cholesterin?

«Gegen meinen Diabetes nehme ich seit einigen Jahren Medikamente. Vor einem halben Jahr verschrieb mir der Arzt statt Janumet neu Janumet XR. Nun hat sich mein Cholesterinwert verschlechtert. Ist das neue Medikament die Ursache?»

Nein. Beide Medikamente enthalten die gleichen Wirkstoffe und verschlechtern den Cholesterinspiegel nicht. Sie haben eher einen positiven Einfluss. Allerdings kommt es häufig vor, dass Diabetes-Patienten auch Probleme mit dem Cholesterinspiegel bekommen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sie die Zuckerwerte nicht so gut unter  Kontrolle haben. Beides zusammen ist besonders riskant fürs Herz. Es ist deshalb gut, dass Ihr Arzt auch die Blutfette regelmässig kontrolliert und Ihnen je nach Ergebnis ein Medi­kament verschreibt.

Wie lange muss ich nach Brustkrebs Arimidex nehmen?

«Ich hatte Brustkrebs. Um mich vor einem Rückfall zu schützen, verschrieb mir der Arzt Arimidex, weil ich andere Mittel nicht vertrug. Damit geht es mir sehr gut. Der Arzt will es jetzt absetzen, doch ich möchte kein Risiko eingehen. Wie lange soll ich Arimidex nehmen?»

Im Normalfall empfiehlt der Arzt eine Behandlung während fünf Jahren. Es gibt aber deutliche Hinweise, dass eine Dauer von bis zu zehn Jahren den Patientinnen weiteren Nutzen bringt. Da Sie das Medikament gut vertragen und kein Risiko eingehen möchten, sollten Sie es zehn Jahre lang nehmen.

Nach Infarkt: Noch alle Medikamente nötig?

«Vor drei Jahren hatte ich einen Herzinfarkt. Seither nehme ich Aspirin cardio, einen Cholesterinsenker, das Blutdruckmittel Lisinopril und den Betablocker Concor. Sind alle Pillen weiterhin nötig?»

Nicht unbedingt. Der Betablocker ist nur in den ersten Monaten nach einem Herzinfarkt ein Muss. Nach drei Jahren bringt er Ihnen wahrscheinlich keine Vorteile mehr, wenn Sie den Blutdruck auch mit Lisinopril allein im Griff haben.

Verursacht Melatonin Halluzinationen?

«Ich habe Schlafstörungen. Deshalb nehme ich täglich das Melatonin-Präparat Circadin. Damit geht es mir gut. Kürzlich habe ich aber gehört, dass das Mittel Halluzinationen verursachen kann. Stimmt das?» 

Ja, es gibt Berichte über solche Fälle. Halluzinationen scheinen bei Melatonin aber nur sehr selten als Nebenwirkung aufzutreten. Zudem nehmen Sie mit 0,5 Milligramm eine sehr geringe Dosis des Medikaments ein. Sie brauchen sich deshalb keine Sorgen zu machen.