Bewusstlos nach schnellem Kopfdrehen

saldo 3/2000 vom

Ein Nervenpunkt an der Halsschlagader - der Karotis-Sinus - kann im Alter überempfindlich werden und Herzstillstand verursachen.

Herr Meier, immer mit etwas zu engem Hemdkragen, muss beim rückwärts Parkieren seines Autos nach hinten links schauen - und verliert das Bewusstsein. Herr Müller rasiert sich elektrisch, plötzlich verschwimmt sein Spiegelbild und es wird ihm schwindlig.

Was ist passiert? Beide haben einen überempfindlichen Karotis-Sinus. Das ist ein Nervenbündel an der Halsschlagader. "Schon eine leichte Reizung dieses Punktes kann einen Reflexbogen auslösen, der dem Herz sagt: Wir haben hohen Blutdruck, die Gefässe sind überfüllt, bitte Blutdruck und Frequenz senken", erklärt Reto Candinas, Kardiologe am Unispital Zürich, den Vorgang. In leichteren Fällen fühlt man einen leichten Schwindel, der nach ein paar Sekunden wieder vergeht, in schwereren Fällen steht das Herz mehrere Sekunden still.

Der Herzspezialist kann den Vorgang mit einer gezielten Karotis-Sinus-Massage simulieren und abklären, wie stark der Patient gefährdet ist.

Wie therapieren? Bei den meisten Patienten genügt es, die äussere Ursache zu eliminieren, also keine zu engen Hemd- oder Uniformkragen zu tragen oder anstatt elektrisch nass zu rasieren. "Wenn das Herz aber länger als vier bis sechs Sekunden still steht nach der Karotis-Sinus-Reizung, dann empfehlen wir dem Patienten einen Herzschrittmacher", erläutert Reto Candinas. Der Schrittmacher stimuliert das Herz, so dass keine Ohnmacht eintritt.

Das Karotis-Sinus-Syndrom ist relativ selten. Candinas und sein Team sehen nur alle 1 bis 2 Jahre einen Patienten. "Bei 99 Prozent aller Schwindelanfälle sind andere Probleme die Ursache." Auch Karate-Kämpfer kennen dieses Nervenbündel. Ein Karotis-Schlag kann den arteriellen Druck stark absinken lassen und im schlimmsten Fall einen Kreislaufkollaps auslösen.

Nicole Strähl
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