BHs mit beschränkter Haltbarkeit

K-Tipp 13/2006 vom

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Die BHs im K-Tipp-Test enthielten keine Schadstoffe, dafür hatten sie andere Nachteile: Mehrere Modelle sahen schon nach zehnmal Waschen alt aus.

Ein Drittel der Frauen kaufen BHs mit falscher Körbchengrösse. Das fand das deutsche Textilinstitut Hohenstein mit einer unabhängigen Studie heraus. Die falsche Grösse dürfte denn auch der Hauptgrund sein, dass die Hälfte der Frauen in dieser Befragung angaben, sie seien mit ihren BHs unzufrieden.

Zwar lassen sich mit einer sorgfältigen Auswahl solche Fehlkäufe vermeiden (siehe «Tipps» Seite 22). Doch ist bei vielen BHs auch ärgerlich, dass sie nach wenigen Malen Tragen und Waschen die Form verlieren, die Rückenteile und Träger nicht mehr elastisch sind oder dass die BHs wegen Farbveränderungen unansehnlich werden.

K-Tipp und Kassensturz haben zehn schwarze Schalen-BHs mit Bügel getestet. Sie sind alle aus synthetischem Material hergestellt und leicht gepolstert. Für den Test eingekauft wurden bekannte Marken wie Beldona, Calida und Triumph, aber auch Eigen- und Exklusivmarken verschiedener Warenhäuser. Die Preise liegen zwischen 19 und 98 Franken.
Das Textilprüfinstitut Testex in Zürich untersuchte die Haltbarkeit der BHs: Bewertet wurde, ob die einzelnen Modelle nach zehnmal Waschen Schäden aufweisen und ob sie noch schön aussehen.

Das Institut vergab nach dem Waschen Noten für den Gesamteindruck, fürs Einlaufen, für die Farbänderung an den BHs und das Abfärben auf andere Kleider beim Waschen. In weiteren Teiltests wurde das Abfärben auf helle Kleider beim Tragen beurteilt sowie die Elastizität der Träger gemessen. Das Labor belastete die Träger zehnmal und prüfte dann, wie stark die Elastizität nachgelassen hat. Zusätzlich untersuchten die Experten alle Stoffe auf bedenkliche Substanzen.


Triumph für Stepy Soft

Ein BH war den anderen haushoch überlegen: Der Triumph Stepy Soft bekam in 5 von 6 Kriterien das Urteil «sehr gut». Einzig die Elastizität des Trägers könnte verbessert werden. Dieses Resultat ist umso erfreulicher, als der Sieger mit einem Preis von Fr. 39.90 zu den günstigeren BHs im Test gehört.


Träger leiern schnell aus: «Ungenügend»

«Gut» sind Skiny Memory Cup und Essentiel von Manor. Bei beiden Test-BHs leiern die Träger aber vergleichsweise schnell aus. Dafür gabs ein «ungenügend». Immerhin lässt sich diese Schwäche mit dem Verstellmechanismus der Träger ausgleichen. Ärgerlich ist der Verlust der Elastizität aber, wenn der Verstellmechanismus rutscht. Die beiden Modelle laufen beim Waschen zusätzlich etwas ein, wie übrigens alle BHs im Test mit Ausnahme vom Triumph Stepy Soft.

«Leichtes Schrumpfen lässt sich bei Textilien dieser Herstellungsart kaum vermeiden», sagt Prüfleiter Ralph Sontheim zu diesem Ergebnis. Werde ein Stoff nach der Herstellung mit Farb- und anderen chemischen Stoffen behandelt, dehne und verforme er sich unweigerlich. «Durch das Wasser und die mechanische Einwirkung beim Waschen bewegt sich der Stoff in die ursprüngliche Form zurück.»

Im Kriterium Schrumpfen zeigt sich denn auch bei den zwei weiteren «guten» BHs von Calida und Calvin Klein derselbe Mangel.
Ausserdem stellte das Labor bei beiden fest, dass sie beim Tragen auf helle Kleider abfärben können. Dies ist aber - wie bei den anderen BHs - nur in feuchtem Zustand der Fall. Trocken färbt keines der getesteten Modelle beim Tragen ab.

Besser als Skiny und Manors Essentiel sind Calida und Calvin Klein hingegen bei der Elastizität der Träger. Nicht mithalten können sie im Preis-Leistungs-Vergleich: Sie sind mit Fr. 59.90 (Calida) und Fr. 79.- (Calvin Klein) einiges teurer.
Noch weniger befriedigend ist das Preis-Leistungs-Verhältnis der teuersten BHs: Hanro Sensitive passion (Fr. 98.-) und Beldona BH mit Bügel (Fr. 89.-) sind nur «genügend». Auch sie laufen ein, auf dem Stoff bilden sich Blasen. So landeten beide BHs in der Gesamtbewertung hinter den ebenfalls «genügenden», aber viel günstigeren BHs von Coop und Passionata.


Migros-Modell: Schlecht verleimt

Zum Gesamturteil «ungenügend» abgewertet wurde der günstigste BH im Test (Migros, Fr. 19.-): Nach zehnmaligem Waschen in der Maschine lösten sich die verleimten Stoffe an der Seitenpartie voneinander.

Die Migros schreibt als Reaktion zu den Resultaten, es sei kein Wunder, dass ihre Eigenmarke schlecht abgeschnitten habe: «Das Pflegezeichen weist klar darauf hin, dass der BH von Hand zu waschen ist.» Das Prüflabor aber habe die BHs in der Maschine gewaschen. Die Benotung sei unter diesen Umständen «ganz gut».

Coop und Passionata bringen die gleiche Kritik an der Testanlage an und führen die Blasenbildung bei ihren Modellen darauf zurück.
Der Einwand der Hersteller und Warenhäuser ist an sich richtig. Prüfleiter Ralph Sontheim weist aber darauf hin, dass mit Sicherheit sehr viele Trägerinnen die BHs in der Maschine waschen würden. Zudem habe man die Testartikel in Säckchen im 30-Grad-Schongang gewaschen.
Ein weiterer Grund für das Waschen in der Maschine war die Vermutung, dass die Hersteller nur Handwäsche erlauben, um sich rechtlich zu schützen, falls bei der Maschinenwäsche Schäden auftreten. Auf jeden Fall galten im Test für alle BHs die gleichen Bedingungen. Nur bei Calida-BHs ist Maschinenwaschen ausdrücklich erlaubt.

Doch ist die Anzahl von nur zehn Waschgängen nicht gerade eine Härteprüfung, die BHs sind in Wirklichkeit stärkerer Belastung ausgesetzt. So oder so: Der Test brachte einen wichtigen Schwachpunkt des Migros-BHs ans Licht.



BH-Stoffe ohne schädliche Chemie

Das Institut Testex hat die BH-Stoffe auch auf verbotene Azo-Farbstoffe, auf Phenole sowie die Verschlüsse der BHs auf die Abgabe von Nickel untersucht.

So unterschiedlich die Ergebnisse der einzelnen Modelle beim Waschtest ausgefallen sind, so einheitlich sind die Messresultate in Bezug auf Substanzen, die für Mensch und Umwelt schädlich sind: Alle Hersteller haben eine reine Weste. Nur beim Skiny-BH stellte Testex (unproblematische) Spuren von Nickel fest.

(rom)



Damit der BH sitzt: Messen - und immer zuerst anprobieren

- Der Verschluss sollte beim Probieren im Geschäft in der äussersten Öse passen. Nur so kann man ihn später enger stellen - zum Beispiel, weil der BH durch Körperwärme und Tragen ausleiert.
- Frauen mit grossen Brüsten wählen mit Vorteil BHs, die den ganzen Busen umschliessen. Breite Rückenteile und Träger geben einen besseren Halt.
- Die Körbchengrössen sind zwar genormt. Die Masse stimmen aber nicht bei allen Herstellern perfekt überein. Einen BH vor dem Kauf deshalb immer anprobieren.
- Richtig berechnen lassen sich die BH-Grössen nach einer einfachen Regel: Zuerst den Umfang unterhalb der Brust messen. Dieser Umfang - auf 5 cm gerundet - ergibt das BH-Unterbrustmass: Gemessene 78 cm ergeben also das BH-Mass 80. Danach den Brustumfang messen. Die Differenz von Brust- und Unterbrustumfang ergibt die Körbchengrösse. Beträgt der Brustumfang 93 cm, beträgt in diesem Beispiel die Differenz 15. Gemäss der unten stehenden Einteilung ergibt sich die Cup-Grösse B.

Die Einteilung
- 10-12 cm Differenz AA
- 12-14 cm A
- 14-16 cm B
- 16-18 cm C
- 18-20 cm D
- 20-22 cm E (DD)
- 22-24 cm F

- Weil das Verrenken beim Selbermessen zu falschen Zahlen führt, sollte man sich messen lassen. Für einen zuverlässigen Unterbrust-Wert einen gut sitzenden BH ausmessen.
- Bei Sport-BHs stimmen die Grössen oft schlecht mit den Normangaben überein oder werden gar nur grob angegeben (XS, S usw.).

(rom)



Archiv im Netz

Unter www.ktipp.ch finden Sie sämtliche Tests aus dem K-Tipp seit Januar 2000. Der Bezug eines Tests im PDF-Format (inkl. Tabellen) kostet 3 Franken.
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