«Teures Spielzeug» für Chirurgen

Gesundheitstipp 02/2012 vom 13. Februar 2012

von Christian Egg, Redaktion Gesundheitstipp

Bei jeder vierten Prostata-Operation kommt heute ein Roboter zum Einsatz. Doch jetzt regt sich ­Kritik: Laut Fach­leuten bringen die teuren Geräte keinen Vorteil.

Chirurgen greifen immer häufiger zum Joystick statt zum Skalpell: Ein Roboter überträgt ihre Bewegungen auf die Operationsinstrumente. Diese werden durch einen kleinen Schnitt in den Körper des Patienten eingeführt. So könne man präziser arbeiten – behaupten zumindest die Spitäler, die einen solchen Roboter besitzen.

In der Schweiz sind es bereits 18 – Tendenz steigend. Besonders bei Prostatakrebs kommen die Roboter mit dem Namen Da Vinci oft zum Einsatz. Laut Schätzungen erfolgt in der Schweiz heute jede vierte Prostata-Entfernung per Roboter. In den USA sind es sogar schon vier von fünf.

Doch eine aktuelle Studie zeigt: Für die Patienten ist es kein Vorteil, mit dem Roboter operiert zu werden. Forscher des Massachusetts General Hospital in den USA befragten 600 Patienten. Einen Teil davon hatten die Ärzte mit Roboter operiert, die anderen ohne. Das Ergebnis war ernüchternd: Nach dem Eingriff litten in beiden Gruppen gleich viele Männer an Potenzproblemen, nämlich fast neun von zehn.

Den Urologen Felix Trinkler aus Zollikon ZH überrascht das Resultat der Studie nicht. Er operiert weiterhin von Hand: «Es gibt keine Studie, die beweist, dass der Roboter besser ist.»

Dies gilt nicht nur für Folgen der Operation wie Impotenz oder Inkontinenz. Es ist auch völlig offen, ob der Roboter das Ziel der Operation besser erreicht: den Krebs de­finitiv zu heilen. Der Zürcher Urologe Dominique Gobet sagt: «Das weiss man frühestens nach zehn Jahren. Und so lange gibt es die Roboter noch nicht.»

Ein vehementer Kritiker der Roboter ist der Allgemeinarzt Christoph Niederberger aus Wil SG. Viele Spitäler hätten nur aus Prestige ­einen Roboter angeschafft. Bei Kantons- oder Uni­spitälern trage der Steuerzahler die Kosten. Und die sind ­beträchtlich.


«Das Geld könnte man sinnvoller einsetzen»

Der Roboter Da Vinci kostet über zwei Millionen Franken. Dazu kommt jährlich eine Viertelmillion für Service und Unterhalt – sowie bei jeder Operation für 3000 Franken Verbrauchsmaterial. Für Niederberger ist klar: «Das Geld könnte man sinnvoller einsetzen, als den Ärzten teure Spielzeuge zu kaufen.»

Trotzdem müssen die Krankenkassen die Eingriffe bezahlen. Ein Fehler, findet Niederberger: «Der Bund sollte Roboter-Operationen aus der Grundversicherung streichen, solange ein klarer Nutzen für die ­Patienten nicht nachgewiesen ist.» Das Bundesamt für Gesundheit wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Der Hersteller der Da-Vinci-Roboter verweist auf eine Analyse der kanadischen Gesundheitsbehörde. Demnach hätten Patienten während einer Roboter-Operation weniger Blut verloren und das Spital rascher verlassen können. Auch seien nach der Operation weniger Komplikationen aufgetreten.

Urologe Dominique Gobet operiert sowohl mit als auch ohne Roboter. Er sieht durchaus Vorteile der Technologie. So könne man mit der Kamera am Roboterarm auch unter die Prostata schauen.

Wichtiger als die Methode sei die Erfahrung des Chirurgen. Gobet rät Patienten: Fragen Sie den Chirurgen nach seiner Erfahrung. «Je öfter jemand eine Operation gemacht hat, desto besser sind seine Resultate.» 

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