Top-Qualität für wenig Geld

K-Tipp 18/2010 vom

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Für Wintersportler ist Funk­tionsunterwäsche wichtig. Ob Snowboarder, Skifahrer, Langläufer oder Tourengänger: Ein Thermoshirt sollte vor Kälte schützen, bei schweisstreibenden Aktivitäten den Körper kühlen und nach dem Sport rasch wieder trocknen. Der K-Tipp hat geprüft, welche Shirts diese Aufgabe erfüllen.

Die Empa in St. Gallen und das Labor Testex in Zürich haben die Funktionalität und die Materialqualität der Thermowäsche geprüft (siehe unten). Für den Test eingekauft hat der K-Tipp zehn häufig verkaufte Damen-Langarmshirts, die speziell für die kalte Jahreszeit geeignet sind. Die gleichen Modelle sind auch in einer Herrenversion erhältlich.


Das teuerste Shirt ist nur «genügend»

Die Oberteile kosten zwischen Fr. 39.90 und 149.90. Hergestellt sind die meisten Shirts aus Kunstfasern wie Polyester, Polyamid und Polypropylen. Einige Modelle enthalten auch Naturfasern: Helly Hansen, Mammut und Löffler. Das Shirt von Icebreaker besteht ganz aus Merinowolle.

Der Test zeigt einmal mehr, dass der Preis nichts über die Qualität aussagt. Denn Testsieger wurde das 40-fränkige Shirt der ­Athleticum-Marke K-Tec. Die teurere Konkurrenz schnitt weniger gut ab. Das teuerste Shirt im Test ist von Icebreaker und kostet knapp 150 Franken – es erreicht nur ein genügendes Gesamt­urteil.

Wer sich Funktions­unterwäsche kaufen will, sollte vorher genau überlegen, zu welchem Zweck man die Wäsche einsetzen will. Zwei Beispiele: Person A ist jemand, der schnell friert und wenig schwitzt und die Wäsche kauft, um beim Wandern oder Skifahren vor Kälte geschützt zu sein.

Sie sollte ein Modell wählen, das gute Noten bei der Wärmeisolation und beim Prüfpunkt Eignung für Stop-and-go-Aktivitäten hat. Ein solches Shirt hält den Körper schön warm, und wenn man kurzzeitig einmal schwitzt, kühlt es ­einen nicht zu sehr aus.   

Person B hingegen neigt eher zum Schwitzen und sucht ein Shirt zum Langlaufen. Bei dieser schweiss­treibenden Sportart sind die Kriterien Feuchtemanagement und Eignung für Ausdauersport wichtig. Das heisst, die Wäsche sollte die Feuchtigkeit rasch aufnehmen und den Körper kühlen, damit es nicht zu einem Hitze­stau kommt. Nach dem Sport soll sie rasch trocknen.


Je nach Modell andere Stärken

Die Testergebnisse zeigen, dass die Shirts unter­schied­liche Stärken und Schwächen haben. Punkto Wärmeisolierung im trockenen Zustand hat das Modell von Trevolution die Nase vorn: Es wärmt am meisten und erhält dafür eine sehr gute Teilnote.

Etwas weniger wärmt das Thermic Shirt von Jack Wolf­skin, es erhielt bei diesem Prüfpunkt lediglich eine genügende Note. Alle anderen Produkte im Test schnitten hier «gut» ab.

Beim Kriterium Feuchtemanagement erreichten zwei Modelle nur ungenügende Noten: Icebreaker und Falke. Beim Falke-Shirt bleibt ein relativ grosser Anteil des Schweisses im Gewebe zurück, zudem kühlt es den Körper nach dem Sport vergleichsweise stark.

Gordon Bahner von ­Falke Schweiz ­widerspricht dem Testergebnis: «Durch die speziellen Körperzonen des Shirts wird der Ski­läufer stets trocken und warm gehalten.» Auch im Icebreaker-Shirt bleibt viel Schweiss zurück, der nur langsam trocknet. Dadurch kühlt es den Träger in der Ruhephase aus.

Sibylle Bischler von ­Icebreaker Switzerland sagt dazu: «Es mag im Widerspruch zu den objektiv ge­messenen Daten des Labors stehen, aber die Erfahrung von unzähligen zufriedenen Kunden zeigt, dass sich gute Merinowolle in der Praxis auch dann noch angenehm anfühlt auf der Haut, wenn sie viel Feuchtigkeit aufgenommen hat.»

Die beste Teilnote erreichte beim Feuchte­management der Testsieger von K-Tec. Dieses Modell gibt den Schweiss rasch an die zweite Schicht nach aussen, es schützt vor dem Auskühlen nach dem Sport und trocknet auch rasch.

Für sogenannte Stop-and-go-Aktivitäten, bei denen man nur kurze Zeit schwitzt und danach wieder warm haben möchte, eignen sich die Oberteile von Odlo, Jack Wolfskin, Icebreaker und Falke am besten.

Sie schnitten bei diesem Kriterium alle mit sehr guten Noten ab. Wer hingegen Ausdauersport betreibt und dabei viel schwitzt, ist mit der Wäsche von K-Tec und Mammut besser bedient. Für diesen Zweck weniger geeignet sind die Shirts von Jack Wolfskin, Trevolution und Falke.

Nicht viel auszusetzen hatte das Prüflabor an der Materialqualität. Sehr gute Noten gab es bei diesem Testkriterium für die Shirts von Odlo, Jack Wolfskin und Falke.

Bei ­einigen Shirts besteht die Gefahr, dass sich im Laufe der Zeit auf der Oberfläche unschöne Fusseln bilden. Mammut, Helly Hansen und Trevolution erhielten deshalb bei diesem Prüfpunkt eine ungenügende Teilnote.


So wurde getestet

Die Empa in St.Gallen hat gemessen, wie gut die Thermoshirts ihre Funktion erfüllen. Für diese Messungen verwenden die Experten einen sogenannten Schwitztorso, der so konstruiert ist, dass er die menschliche Haut und das Schwitzverhalten möglichst gut simulieren kann.

Dieser Torso steht in einer Klimakammer, in der verschiedene Wetterbedingungen simuliert werden können. Mittels Sensoren kann die Temperatur der Körperoberfläche gemessen werden. Für den K-Tipp-Test wurde eine Aussentemperatur von 5° Celsius gewählt.

Die Thermowäsche wurde in Kombination mit einem Faserpelz gemessen. Dies entspricht der Realität: Funktionsshirts werden im Winter unter ­einer zweiten Schicht getragen. Beurteilt ­haben die Experten die Shirts nach diesen Kriterien:

  • Wärmeisolation: Wie gut speichert das trockene Shirt die Körperwärme?
  • Feuchtemanagement: Wie viel Feuchtigkeit bleibt nach dem Schwitzen im Stoff zurück? Wie viel Feuchtigkeit wird nach aussen abgegeben, wie viel bleibt im Shirt? Hält der Stoff nach dem Sport auch im nassen Zustand warm, oder kühlt der Körper stark aus? Wie schnell trocknet das durchgeschwitzte Shirt?
  • Eignung für Stop-and-go-Aktivitäten: Skifahrer, Snowboarder oder Wanderer strengen sich nur kurze Zeit an, danach gibt es wieder Ruhephasen, in denen sie weniger aktiv sind. In dieser Situation sollte ein Thermoshirt nicht zu stark kühlen, sondern eher warm halten.
  • Eignung für Ausdauersport: Langläufer und Tourengänger sind lange Zeit aktiv und schwitzen viel. Bei andauernder Aktivität sollte ein Thermoshirt den Körper kühlen, damit es nicht zu einem Wärmestau kommt.!

Das Labor Testex in Zürich prüfte die Materialeigenschaften. Bewertet wurden folgende Kriterien:

  • Massänderung/Aussehen nach Wäsche: Laufen die Shirts beim Waschen ein? Verändert sich die Oberfläche oder die Form? Verdrehen sich Nähte?
  • Fusselbildung: Bilden sich durch Reibung Fusseln auf dem Stoff?
  • Abfärben beim Waschen: Ändert sich der Farbton der Shirts durch das Waschen? Färben Sie auf andere ­Wäschestücke ab?
  • Abfärben beim Schwitzen: Ändert sich der Farbton der Shirts durch das Schwitzen? Färben Sie auf andere Kleidungsstücke ab?
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Kommentare

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von Monti68 am
08.11.2010, 09:13

Ist der Vergleich wirklich objektiv?

Bin der Meinung, dass der Test Äpfel mit Birnen vergleicht. Aus meiner Sicht kann man ein Merinowolle-Shirt nicht mit Kunstfasern (z.B. Polyester) vergleichen und deshalb möchte ich zur "Ehrrettung" der Merino-Shirts noch 2-3 Argumente erwähnen: Der Preis eines Produkts aus der teuren Merinowolle ist logischerweise ganz anders und somit kein Kriterium für die Qualität. Eine Kunstfaser hat immer eine bessere Trocknungseigenschaft, dafür stinkt man danach nach Schweiss, was bei der Merinowolle nicht der Fall ist! Zudem sollte auch berücksichtigt werden, woher die Produkte stammen (Made in Europe oder Made in Far-East) und welche Stückzahlen davon produziert werden. Das hat einen ziemlichen Einfluss auf den Preis. Es gibt nicht nur Icebreaker für Merino, sondern mittlerweile auch diverse Alternativen (z.B. Devold aus Norwegen oder Ortovox). Warum wurden diese nicht in den Test eingebunden? Praktisch jeder den ich kenne, der schon ein Merino-Shirt probiert hat, möchte nichts anderes mehr. Richtig ist, dass man sich gut überlegen muss, für was man ein solches Produkt benötigt. Nebst dem Preis zählen mindestens für mich noch ein paar Argumente mehr.

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