Zwei Palmolive-Produkte sind ungenügend

saldo 02/2008 vom

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saldo hat 14 Duschmittel auf Inhaltsstoffe testen lassen. An 8 Produkten gab es nichts zu bemängeln. Zwei Produkte enthalten aber einen Cocktail an bedenklichen Stoffen.


Für die einen ist die morgendliche Dusche ein Ritual, ohne das sie nicht richtig wach werden. Die anderen spülen sich am Abend den Schmutz von Alltag und Arbeit vom Leib. Nur die wenigsten wissen aber: Zu viel und zu lang duschen trocknet die Haut aus.

Laut Umfragen duschen die Schweizer sechs Mal pro Woche, und das jeweils acht bis zehn Minuten. Das ist zu lang. Wer täglich zehn Minuten duscht, strapaziert seine Haut. Denn beim Duschen werden Lipide ausgewaschen. Diese sorgen dafür, dass die Haut Feuchtigkeit speichern kann.

Reinhard Dumme empfiehlt, höchstens fünf Minuten zu duschen. Der leitende Arzt der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich rät vor allem Personen mit trockener Haut, nicht täglich zu duschen. Zudem sollte man von Stückseifen unter der Dusche die Finger lassen. Er rät, zur Körperreinigung Duschmittel zu verwenden, aber nicht in rauen Mengen. Die darin enthaltenen Duftstoffe könnten zu Allergien führen.

Insgesamt bessere Noten als im letzten Labortest

Doch nicht nur das. In Duschmitteln stecken teilweise auch bedenkliche Inhaltsstoffe. Das zeigt der saldo-Test. 14 Produkte liess saldo in Hamburg vom Labor Wiertz-Eggert-Jörissen auf Duft- und andere Inhaltsstoffe untersuchen. Darunter das krebsverdächtige Formaldehyd und seine Abspalter und die schwer abbaubaren Moschusverbindungen (siehe «So wurde getestet» unten). Untersucht wurden neben den meistverkauften Mitteln auch Eigenmarken der Grossverteiler sowie ein Öko-Produkt.

Das erfreuliche Ergebnis des Tests (siehe auch Tabelle im pdf-Artikel): 8 von 14 Duschmitteln sind frei von den gesuchten Substanzen. 4 Produkte erreichten die Gesamtnote «gut» oder «genügend». Nur die 2 Produkte von Palmolive schnitten ungenügend ab: die Naturals Dusch Creme Honig & Pflegemilch sowie Tahiti Douche Lait de coco. Beide Duschmittel enthalten gleich drei der fünf problematischen Inhaltsstoffe und wurden deshalb entsprechend abgewertet.

Im Jahr 2005 sah das noch anders aus. Beim damals von saldo publizierten Duschmitteltest erhielten gleich 5 von 12 untersuchten Produkten aufgrund der Inhaltsstoffe die Bewertungen «mangelhaft» oder «schlecht». Zwar wurden andere Produkte getestet, die Hersteller waren aber vielfach dieselben. Offensichtlich hat bei einigen Produzenten in den letzten Jahren ein Umdenken eingesetzt.

Das zeigt sich – zumindest teilweise – auch in den Stellungnahmen zum aktuellen saldo-Test. Denner schreibt, man habe sich schon vor dem Test entschieden, das Jovial Douche über einen anderen Lieferanten zu beziehen. Der bisherige Lieferant habe es versäumt zu erwähnen, dass das Produkt polyzyklische Moschusverbindungen enthalte. Das neue Duschmittel der Eigenmarke soll «garantiert frei» von den bemängelten Verbindungen sein.

Axe-Herstellerin Unilever und Colgate Palmolive AG hingegen stützen sich punkto Moschusverbindungen auf das Schweizer Gesetz. Dieses lasse die Substanzen für kosmetische Produkte zu.

Coop will, «wo es technisch möglich ist», bei der nächsten Überarbeitung der getesteten Produkte bei den Düften «auf allergenfreie Varianten» umstellen. Und das, obwohl beim Test weder im Tonga Body & Hair Sport noch im Prix Garantie Shower Gel Duftstoffe mit hohem Allergiepotenzial nachgewiesen wurden.


Duftstoffe mit hohem Allergiepotenzial in vier Produkten


Duftstoffe mit schwachem Allergiepotenzial sind in allen 14 Produkten enthalten. saldo verzichtet aber bei diesen Substanzen auf eine Abwertung, da diese nur in seltenen bis sehr seltenen Fällen zu Allergien führen können.

Das M-Budget Douche, das Jovial Douche, das Rexona-Duschmittel und Tahiti Douche enthalten Duftstoffe mit hohem Allergiepotenzial. Die Hersteller verweisen auf die gesetzlichen Regelungen, welche die Stoffe zulassen.

In den gefundenen Mengen müssen diese bei Duschmitteln nicht einmal auf der Verpackung erwähnt werden. saldo wertet diese Duschmittel aber ab. Der Grossteil der untersuchten Produkte zeigt nämlich, dass es auch ohne diese Stoffe geht.

Zur Substanz Diethylphthalat (DEP) äussern sich die beiden betroffenen Hersteller gar nicht. Weder Rexona-Herstellerin Unilever noch Palmolive kommentieren den Stoff in ihren Stellungnahmen. Auch dieser heikle Stoff ist zur Herstellung von Duschmittel nicht notwendig, wie die anderen zwölf Produkte zeigen, und führt deshalb zur Abwertung.


Halogenorganische Verbindungen in der Naturals Dusch Creme

Abwertungen gab es auch, wenn die Duschmittel halogenorganische Verbindungen oder Formaldehyd enthielten. Erstere fand das Testlabor in der Naturals Dusch Creme Honig & Pflegemilch. Palmolive schreibt dazu, dass das Produkt «nach unseren Unterlagen keinerlei solche Verbindungen» enthalte. Und zum Tahiti Douche Lait de coco, in welchem saldo einen Formaldehyd-Abspalter fand, hält die Firma fest, dass das Produkt in der getesteten Zusammensetzung nicht mehr vertrieben werde. Der entsprechende Inhaltsstoff sei durch andere Substanzen ersetzt worden.

saldo hat die Duschmittel im Dezember 2007 eingekauft und ins Labor geschickt. Auf der Verpackung des im Labor untersuchten Tahiti-Duschmittels ist die bemängelte Substanz (DMDM Hydantoin) auch in der Liste der Inhaltsstoffe angegeben.

Bei einem Augenschein Ende Januar in verschiedenen Geschäften der Stadt Zürich waren keine Tahiti Douche Lait de coco mehr zu finden, die diese Substanz in der Inhaltsstoffliste aufführen. Offensichtlich wurde die Rezeptur inzwischen geändert, und Palmolive verzichtet auf diesen Stoff.


Cumarin: Im Duschmittel kein Risiko


Kosmetika können wesentlich zur Gesamtaufnahme von Cumarin beitragen», verkündete jüngst das deutsche Bundesamt für Risikobewertung (BFR). Grund: Die Substanz gelangt nicht nur durch zimthaltige Lebensmittel in den menschlichen Körper. Cumarin ist auch als Duftstoff in Parfüms, Duschmitteln, Lotionen oder Deodorants enthalten und wird über die Haut aufgenommen.

Cumarin kann bei empfindlichen Personen Leberschäden hervorrufen und führte in Tierversuchen zu Tumoren. Das BFR wendet deshalb den Toleranzwert, der für Lebensmittel gilt, nun auch für Kosmetika an. In Parfüms, Aftershaves, Deos, Lotionen und Cremes sei der Cumarin-Anteil teilweise hoch. Solche Produkte können so viel Cumarin an den Körper abgeben, dass die täglich tolerierbare Menge überschritten wird.

Bei den im saldo-Test untersuchten Duschmitteln ist das nicht der Fall. Zwar fand das beauftragte Labor in sieben Produkten Cumarin. Da Duschmittel aber nicht auf dem Körper bleibt, sondern abgewaschen wird, sind die gefundenen Mengen laut BFR vernachlässigbar.

Cumarin verleiht den Produkten einen herben Lavendel oder Moos-Duft. Ab einer gewissen Konzentration muss
der Stoff auf Kosmetika deklariert sein, da er allergisierend wirken kann. Eine Mengenbegrenzung gibt es nicht.


Eine wässrige Angelegenheit


Neben den Inhaltsstoffen liess saldo die Duschmittel auch auf deren Wassergehalt überprüfen. Die Werte liegen bei 12 der 14 Produkte zwischen 77 (Dove) und 86,2 (Prix Garantie) Prozent. Viel weniger Wasser hat es in Ombia Bodycare von Aldi (64,2 Prozent) und im Weleda-Produkt mit 62,9 Prozent. Weleda verweist auf die «beträchtlichen Anteile an natürlichen Pflanzenölen», welche die Haut schützen und pflegen sollen.

Für die Migros gilt: «Weniger Wasser heisst mehr waschaktive Substanzen und damit eine höhere Qualität.» Ähnlich äussert sich Coop: Tonga (82,3 Prozent) sei hochwertiger als das Prix-Garantie-Mittel.

Dem widerspricht man bei Palmolive. Die Menge der Inhaltsstoffe sei nicht überwiegend für die Wirkung verantwortlich, sondern die richtige Kombination.

Und laut Henkel kann der Gehalt von Aktivstoffen nicht beliebig geändert werden. Duschmittel mit rund 80 Prozent Wasser hätten sich etabliert. Das Gegenteil beweist Aldi: Für wenig Wasser zahlt der Kunde dort am wenigsten.


So wurde getestet

Das deutsche Labor Wiertz-Eggert-Jörissen untersuchte die Duschmittel auf folgende Substanzen:

  • Formaldehyd und -abspalter: Diese Stoffe stehen in Verdacht, Krebs zu erzeugen, und können bei Hautkontakt zu starken allergischen Reaktionen führen.
  • Diethylphthalat (DEP): Kosmetika enthalten nach wie vor Weichmacher wie DEP, die sich durch weniger bedenkliche Alternativen ersetzen liessen, schreibt das deutsche Umweltbundesamt.
  • Allergene Duftstoffe: 6 Duftstoffe mit Allergiepotenzial müssen laut Gesetz ab einer gewissen Konzentration deklariert werden.
  • Polyzyklische Moschusverbindungen: Diese Verbindungen sind schwer abbaubar und reichern sich in Umwelt, Mensch und Tier an. So gelangen sie auch in die Muttermilch. Es gibt laut dem deutschen Umweltbundesamt Hinweise, dass Vertreter dieser Stoffe erbgutverändernd wirken.
  • Halogenorganische Verbindungen: Viele dieser Verbindungen gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs oder reichern sich in der Umwelt an.

 

 

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