Elektrosmog: Handyantennen machen Kälber krank

K-Tipp 08/2014 vom | aktualisiert am

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Dutzende Kälber sind in den letzten Jahren an grauem Star erkrankt. Viele lebten in der Nähe von Handyantennen. Das belegen Studien der Uni Zürich. Einzelne Tiere erblindeten, fanden den Euter der Mutter nicht mehr und starben.

Boxenhaltung: Die Kälber können der Strahlung von Handymasten nicht ausweichen (Bild: Gettyimages)

Boxenhaltung: Die Kälber können der Strahlung von Handymasten nicht ausweichen (Bild: Gettyimages)

Bei Menschen kann Elektrosmog von Handy­strahlen zu Beschwerden führen. Betroffene leiden an Kopfschmerzen, Muskelkrämpfen oder Nerven-Entzündungen. Elektrosmog-Experte Peter Schlegel sagt: «Pro Jahr melden sich bei mir etwa hundert Leute, die betroffen sind.» 

Auch Tiere können unter der ständigen Bestrahlung leiden. Der erste wissenschaftlich dokumentierte Fall in der Schweiz wurde vor 15 Jahren publik: Im Stall von Bauer Hans Sturzenegger aus Reutlingen ZH erblindeten über mehrere Jahre 50 Kälber. Grund für die Erblindung: schwerer grauer Star. 

Professor Michael Hässig von der veterinärmedizinische Abteilung der Universität Zürich kennt die Folgen: «Blinde Kälber finden den Euter der Mutter nicht und gehen ein.»

Die Erkrankungen traten erwiesenermassen erst auf, nachdem in nur 20 Meter Entfernung vom Stall eine Handyantenne aufgestellt worden war. Als die ­Telekomfirma den Mast nach jahrelangem Seilziehen entfernte, kam es zu keinen Erkrankungen mehr. Das belegen Studien von Hässig, der den Fall über mehrere Jahre begleitet hat.

Telecomfirmen wie Swisscom und Sunrise bestreiten, dass Handystrahlen gesundheitliche Probleme verursachen können. Die Zahl der Erkrankungen an schwerem grauem Star sei seit Jahrzehnten stabil. Einen Beweis für einen Zusammenhang mit Han­dy­masten gebe es nicht.

«Viele Bauern sind ­verunsichert»

Nach Bekanntwerden des Falls in Reutlingen meldeten sich verschiedene Bauern aus der ganzen Schweiz zu Wort. «Pro Jahr erhalten wir regelmässig Anfragen von verunsicherten Bauern», berichten sowohl Hässig wie auch Schlegel. Der K-Tipp kennt mehrere Bauernhöfe, auf ­denen Nutztiere erkrankten, nachdem Handy­antennen aufgestellt worden waren. 

Veterinärmediziner Hässig lancierte in der Folge eine landesweite Studie, um der Ursache für die Häufung von erblindeten Kälbern auf den Grund zu gehen. Dafür wurden 253 zufällig ausgesuchte Kälber aus der ganzen Schweiz auf grauen Star hin untersucht. Bei 79 Tieren wurde leichter grauer Star diagnostiziert. Neun Tiere hatten schweren grauen Star. 

Bestrahlung verändert die Blutwerte

Anschliessend prüften die Forscher, ob die Kälber in der Nähe einer Handy­antenne aufgewachsen waren. Das Resultat: «Wenn nahe beim Stall einer trächtigen Kuh eine Handyantenne steht, ist das Risiko signifikant erhöht, dass das Kalb an grauem Star erkrankt», so Michael Hässig.

Aufgrund dieser Ergebnisse führte Hässig einen weiteren wissenschaftlichen Versuch durch: Zehn Kühe wurden über längere Zeit Handystrahlen ausgesetzt – und zwar in einer Stärke, wie sie in der Nähe von Handymasten üblich sind. Dabei wurden die Blutwerte der Tiere vor und nach der Bestrahlung verglichen. Die detaillierten Resultate stehen noch aus. Der K-Tipp weiss aber bereits: Die Bestrahlung hat die untersuchten Blutwerte verändert. Ob diese Veränderung Kühe, Kälber, Schafe und Pferde krank macht, dürfte laut Hässig in einigen Monaten feststehen.

Dass gerade auf Bauernhöfen Elektrosmog zum Problem werden kann, hat einen konkreten Grund: Auf dem Land ist die Handyabdeckung in der Regel ungenügend. Deshalb installieren die Telecomfirmen ihre Antennen häufig auf Scheunen­dächern – direkt über den Köpfen der Tiere.

Das Problem wird dadurch verschärft, dass viele Nutztiere den ganzen Tag im Stall stehen müssen. Besonders ausgeprägt ist das bei Kälbern, die in ­Boxen gehalten werden. Im Unterschied zu Tieren auf der Weide können sie sich nicht frei bewegen und so den Strahlen nicht ausweichen. Darum ist ihre Belastung durch Elektro­smog deutlich höher.    

Die Uni Zürich hat mit ­verschiedenen Bundes­ämtern eine Website zum Thema Elektrosmog bei Nutztieren aufgeschaltet. Auf www.nunis.uzh.ch ­können sich Halter von grossen Nutztieren melden.

Wie man Elektrosmog-Quellen erkennt und was man gegen übermässige Belastungen tun kann, lesen Sie im Ratgeber «Gesundheitsrisiko Elektro-smog» (2. Auflage, 148 Seiten).

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Kommentare

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von Nendaz am
23.04.2014, 15:30

Last News über Handystrahlung?

Das Problem der Strahlung von Rundfunk, Handys, Radar etc. sind schon jahrelang bekannt. Die Erfahrungen der Bauern aus Schwarzenburg BE über Auswirkungen der damaligen Emissionen durch den Kurzwellensender sprechen Bände. Das Achselzucken der Politiker und Behörden aber auch! Derjenige, der einmal den Beweis dieser Schädigung auf dem Gerichtsweg erbringen wird, könnte durchaus für den Nobelpreis nominiert werden. Bis es soweit ist, werden wir (Mensch und Tier!) für unsere unverzichtbaren Technologien noch lange leiden müssen!

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